Klatschen, Schreien, Pfeifen und sogar ein bisschen Anfassen war erlaubt auf der Ladies Night in der Lichtenfelser Stadthalle. Wie jedes Jahr am Schützenfestfest-Dienstag waren die "International Dream Men" zu Besuch. Mehr als 250 Frauen aus Lichtenfels und Umgebung ließen sich das Spektakel nicht entgehen.
Zum Auftakt führte ein knackiger Polizist mit Sonnenbrille und Plastikknarre eine Saaldurchsuchung durch. Kurzerhand nahm er eine Besucherin fest, inhaftierte sie auf der Bühne und ließ sich dann, Achtung, von ihr den Hintern versohlen. Etwas romantischer war der Ansatz des amerikanischen Offiziers und Gentleman. Er trug seine Publikumspartnerin auf Händen und verführte sie zum Dirty Dancing a la Patrick Swayze. Der Schnulzenklassiker verfehlte seine Wirkung nicht. Aus den vorderen Reihen schallte tosender Applaus. Die Damen johlten. Auf den Tischen wackelten die Prosecco-Gläser.


Kane ist 20 Jahre im Geschäft

Der Stripper mit dem Künstlernamen Shawn Kane weiß, wie man Frauenherzen zum Schmelzen bringt. Er ist bereits seit 20 Jahren im Geschäft. "Anfangs wollte ich nur ein bisschen Geld nebenher verdienen", erzählte er in der Pause. Doch die Showbranche habe ihm so viel Spaß gemacht, dass er dabeigeblieben ist. Auf diesem Weg habe er sogar seine Frau kennengelernt. Sie ist ebenfalls Stripperin. Manchmal treten die beiden sogar gemeinsame auf. Kane zufolge erfordert Strippen viel Kreativität. Ideen für seine Shows und Kostüme findet er durch Hollywood-Filme wie etwa "300", "Deadpool" oder "Predator". Kane hat Auftritte auf der ganzen Welt, in Deutschland, Brasilien oder den USA, meist auf Erotikmessen.
Nach Lichtenfels hat ihn Gogoevent gebracht. Die Hirschaider Agentur mit dem Motto "Fantasie kennt keine Grenzen" bietet eine ganze Palette ähnlicher Veeranstaltungen an, von der Barock Night Deluxe bis hin zu Erotik-Deluxe. Alles mit männlichen oder weiblichen Tänzern.


Keine Feuershows mehr

Inhaber Stefan Wallinger hat früher selbst gestrippt. Seiner Meinung nach, hat sich zwar das Tanzen selbst nicht verändert, aber die Gesellschaft. Durch Internet und soziale Netzwerke sei das Publikum offener geworden. Allerdings sind die Auflagen heute strenger. "Früher hatten wir zum Beispiel Feuershows", erinnert sich Wallinger. Die seien jetzt verboten, genauso wie das Zeigen der Genitalien. Walligner zufolge ist das Strippen für die meisten ein Nebenverdienst, seine Tänzer kommen aus den verschiedensten Berufsfeldern. Eine Altersgrenze nach oben gebe es zwar nicht, aber körperliche Fitness ist Grundvoraussetzung. Nicht nur weil "Mann" zum Tanzen Kondition braucht, sondern auch, weil "Frau" ästhetischen Anspruch hat. Eine 37-jährige Besucherin aus Lichtenfels gibt zu: "Ich gucke mir die hübschen Männer schon gern an." Ihr Lebenspartner müsse zu Hause auf die Kinder aufpassen, wenn sie sich einmal pro Woche mit ihren Freundinnen zum Frauenabend trifft. Dann gibt es Hugo und Wein, und die Gesprächsthemen sind ganz andere als sonst. Dann geht es nicht nur um Fußball und die Arbeit. "Unter Frauen quatschen wir einfach über alles", sagt sie. Diese Woche ist der Frauenabend passenderweise mit der Ladies Night zusammengefallen.
Einen "Mädelsabend" hatten auch fünf Freundinnen aus Lichtenfels, zwischen 20 und 30 Jahre alt. Um die nackten Männer gehe es ihnen nicht so sehr. "Wir sind da, um Spaß zu haben", sagt eine von ihnen. Vor allem die Shows würden sie interessieren.
Schließlich haben sich die Stripper zur Belustigung der Damen einiges einfallen lassen. Im zweiten Teil der Show stolpert ein scheinbar betrunkener Jack Sparrow auf die Bühne. Der Darsteller sieht dem Piraten aus "Fluch der Karibik" verblüffend ähnlich, nur ist er ein wenig muskulöser und - wie sich später herausstellt - üppig tätowiert. Jack sucht sich eine Piratenbraut aus dem Publikum. Wie passend, dass in den vorderen Reihen gerade ein Junggesellinnenabschied in vollem Gange ist. Die künftige Braut trägt bereits Schleier und Diadem. Kurzerhand wirft der Pirat sie über die Schulter und entführt sie auf die Bühne. Dort darf sie sich gebührend verabschieden von ihrem Junggesellinnenleben, in voller Fahrt unter der Piratenflagge.
Zu guter Letzt findet der Moderator noch ein Geburtstagskind. Sein Geschenk für sie: Mister Skywalkers Waschbrettbauch. Mit breitem Grinsen sitzt die Frau auf dem Stuhl, auf ihrem Schoß ein halbnackter Mann. Langsam lässt er ihre Hände über seinen verschwitzten Körper gleiten, aber nicht zu weit. "Da bekommt man schon gesagt, was läuft und was nicht", erzählt die Frau hinterher. Ihre Hände habe der Stripper immer voll im Griff gehabt.


Rote Shorts, glänzende Muskeln

Beim großen Baywatch-Finale in knallorangen Badeshorts winkten die Stripper ihrem Publikum noch einmal mit der Badeboje zu und seiften sich gehörig ein. Schließlich sollten die Damen ihre glänzenden Muskeln noch lange in Erinnerung behalten. Beim Hinausgehen teilten sich die Meinungen. Eine 30-jährige Lichtenfelserin, die bereits seit zehn Jahren zur Veranstaltung kommt, war enttäuscht. "Früher war die Show besser und hat länger gedauert", sagt sie. Eine 47-jährige Besucherin aus Bad Staffelstein war anderer Ansicht. "Eine richtig gute Show war das", schwärmt sie mit strahlendem Gesicht.