"Am 28. Oktober 2000 erschütterte die Nachricht die Region, dass die Dechant Bau GmbH, das drittgrößte Unternehmen im Landkreis Lichtenfels, am Vortag beim Amtsgericht Coburg Insolvenzantrag gestellt habe", schreibt Bezirksheimatpfleger Günter Dippold in seinem Weismain-Buch, Band 1. Mehr als 1850 Mitarbeiter waren von heute auf morgen arbeitslos und standen auf der Straße, nachdem der Konzern bei insolventen Bauträgern 272 Millionen DM verloren hatte.

"Allein bei der Firma Wiesend in Leipzig gingen 135 Millionen DM verloren", erzählt Alois Dechant, der von 1965 bis ein Jahr vor der Insolvenz Geschäftsführer des Unternehmens war. "Unsere Gebäude in der Michael-Dechant-Straße, unsere Maschinen - alles war weg", schildert Dechant die Stunde, in der er wieder bei Null anfing.

Doch er und seine Söhne Thomas und Peter schafften, was kaum jemand für möglich gehalten hatte: Sie gründeten mit der Dechant Hoch- und Ingenieurbau-GmbH (dhib) eine neue Firma, die sich aus den Trümmern der Dechant Bau GmbH wie Phönix aus der Asche erhob.

Noch heute spekulieren viele Leute darüber, wie es zum Zusammenbruch der Dechant Bau GmbH kommen konnte. Bezirksheimatpfleger Dippold hat es in seinem Weismain-Buch detailliert dargelegt. Alois Dechant macht es an einem Beispiel deutlich. In seinem Büro im Stammsitz der Firma in der Abt-Knauer-Straße 3 spricht er heute ohne Verbitterung, aber auch nicht emotionslos darüber, mit welchen Risiken das Baugeschäft behaftet ist und wie Außenstände endgültig verloren gehen können.

Auch beim Umbau-Projekt Reichstag in Berlin habe die Firma Dechant etliche Millionen abschreiben müssen.

Als die Geschäftsführer des Bauträgers, der Bundesbaugesellschaft, nach Spanien ausgewandert seien, habe sich keiner mehr um das Projekt gekümmert. "Es musste prozessiert werden", sagt Dechant. Doch den Forderungsanteil der Dechant Bau GmbH in Höhe von 35 Millionen DM habe der Konkursverwalter für lediglich 50 000 DM verkauft. Auch bei zwei weiteren großen Objekten seien die Bauträger in Konkurs gegangen.

Dies alles habe zur Insolvenz der Dechant Bau GmbH geführt, als die Banken den Geldhahn zudrehten. "Wir haben zur Abwicklung der Aufträge jeden Tag eine Million DM gebraucht", verdeutlicht Dechant, wie fatal der fehlende Geldeingang ins Gewicht fiel.

"Bleibt das Geld an 20 Tagen aus, dann hat man in dieser kurzen Zeit 20 Millionen Schulden angehäuft."

Das Insolvenzverfahren der Dechant Bau GmbH war noch nicht einmal abgewickelt, als Alois Dechant und seine Söhne im November 2000 mit 20 Mitarbeitern neu anfingen. Dabei erfuhren sie, wie Dechant dankbar vermerkt, große Unterstützung durch die heimische Wirtschaft. Von der Firma Baur in Burgkunstadt habe die dhib den Auftrag zum Bau eines Frachtzentrums erhalten, "die Firma Scherer & Trier hat uns mit dem Auftrag für den Bau einer Produktionshalle unterstützt". Auch den Auftrag zum Bau des Landestheaters in Erfurt zog die dhib an Land.

Unternehmer gibt Starthilfe
Unvergesslich ist für Alois Dechant die persönliche Unterstützung seiner neuen Firma durch einen Unternehmer, der sich daran erinnerte, dass Dechant ihm früher einmal beigestanden

hatte: "Er kam, stellte mir einen Scheck über 200 000 DM aus und sagte, wenn er das Geld nicht zurückbekomme, sei es halt verloren."

Auf Expansionskurs
Schnell ging es mit der dhib bergauf. "Nach einem Jahr hatten wir schon wieder 100 Mitarbeiter." Auch die Bauleistung stieg von 26 Millionen Euro im Jahr 2001 bis 2009 auf 110 Millionen Euro an. Dass sich das Unternehmen weiterhin auf Expansionskurs befindet, dokumentiert auch ein Neubauprojekt der Firma: Auf dem Nachbargrundstück entsteht derzeit ein fünfstöckiges neues Verwaltungsgebäude.

Zu den bedeutendsten Aufträgen im vergangenen Jahr gehörten die Ege Trans-Arena in Bietigheim-Bissingen für die Eishockey-Mannschaft "Bietigheim Steelers" (Auftragsvolumen: fünf Millionen Euro netto, ohne Mehrwertsteuer), die im Dezember fertig gestellt wurde, und das Rewe-Logistikzentrum in Bayreuth (9,5 Millionen

Euro), das im Oktober fertig wurde. Seinen Feinschliff erhält derzeit das NKD-Logistikzentrum in Bindlach (13 Millionen Euro).

Das anspruchsvollste Großbauprojekt, das mit einem Auftragsvolumen von 25 Millionen Euro bis Jahresmitte abgeschlossen werden soll, befindet sich im Regierungsviertel in Berlin: Quasi als Verbindung von Ost und West entsteht, den Bereich der ehemaligen Mauer überspannend, in unmittelbarer Nähe zu Reichstag und Bundeskanzleramt das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus (Abgeordnetenhaus). Laut Alois Dechant ist der Rohbau zu 75 Prozent fertig.

Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus ist bereits das dritte große Projekt der Firma in Berlin, nach dem Handelszentrum Berlin-Biesdorf und dem Neubau des Bundesnachrichtendienst-Gebäudes für 55 Millionen Euro.

Aktuelle Projekte sind ferner eine Nestle-Produktionsstätte für Kaffeekapseln in Schwerin (17 Millionen Euro) und eine Zigarettenfabrik der

Firma British American Tobacco in Bayreuth (knapp fünf Millionen Euro). Die Bauarbeiten für die Zigarettenfabrik wurden im Dezember begonnen, im April sollen bereits die Maschinen in das Gebäude gestellt werden.

"Vor zwei Jahren haben wir in Schweden ein großes Sägewerk gebaut - bei minus 20 Grad", berichtet Alois Dechant. 6800 Kubikmeter Beton seien innerhalb eines Monats verarbeitet worden. Damit keine Frostschäden entstehen, müsse der Beton eine Temperatur von mindestens plus fünf Grad haben. Auch der Winter kann den Phönix aus der Asche also nicht bremsen.

Die dhib Dechant
Firmengeschichte Die Familie Dechant ist bereits seit 1881 in der Baubranche tätig.

Geschäftsführer Peter Dechant (Hoch- und Ingenieurbau), Thomas Dechant (Dechant Baumanagement)

Prokuristen Alois Dechant (Hoch- und Ingenieurbau, Dechant Baumanagement), Helmut Reh (Technik), Edgar Endres (Technik)

Mitarbeiter 370, davon 21 Auszubildende (zehn im Kernkompetenzbereich der Firma, im Stahlbetonbau)

Umsatz 98 Millionen Euro im Jahr 2012 (eine Million mehr als im Vorjahr)

Auszeichnungen eines der 50 wachstumsstärksten Unternehmen Bayerns (2009 und 2010), Design-Preis des oberfränkischen Handwerks 2010, Bayerischer Staatspreis 2010 für besondere technische Leistung im Handwerk, Hessischer Holzbaupreis 2011

Baustellen München, Nürnberg, Essen, Bonn, Berlin, Schwerin, Dessau, Stuttgart, Rheinfelden (bei Basel) und natürlich mehrere in ganz Oberfranken