Der Gast aus Hamburg brachte es auf den Punkt: "Ich glaube, die ganze Region kann wirklich stolz auf Baur sein", sagte Alexander Birken. Birken, Mitglied im Vorstand der Otto-Gruppe, war schon im vergangenen Jahr zum Neujahrsempfang der Tochtergesellschaft gekommen.
Diesmal im Kaisersaal von Kloster Banz ging es nicht mehr um Veränderungen beim in Burgkunstadt ansässigen Baur-Versand, nicht mehr um das lang diskutierte Restrukturierungsprogramm "Fokus". Vielmehr konnten die Verantwortlichen in ihren Reden glänzende Zahlen für das im Februar endende Geschäftsjahr 2013/14 vermelden.

Umsatz rund 668 Millionen Euro

Baur-Geschäftsführer Albert Klein, seit Jahresbeginn auch Sprecher des Führungsgremiums, sprach von einem historisch höchsten Gewinn: "Das höchste Ergebnis, das Baur vor und nach der Otto-Beteiligung bisher erreicht hat." Genaue Zahlen dazu gab Klein nicht bekannt. Dabei liegt der prognostizierte Umsatz des Versandhändlers mit rund 668 Millionen Euro diesmal auch nicht viel höher als im vorherigen Geschäftsjahr. Allerdings machen sich die Schließung der Baur-Kaufwelt und die Übergabe des Berliner Tochterunternehmens Mirapodo jetzt in der Unternehmensbilanz bemerkbar: weniger Umsatz, aber auch weniger Verluste innerhalb der Gruppe.
Bereinigt um die Kaufwelt- und Mirapodo-Umsätze habe Baur sogar eine "weit über der Marktentwicklung liegende Umsatzsteigerung von rund sieben Prozent" erreicht.

Vor zehn Jahren noch ganz anders

Die österreichische Tochter Unito, die unter anderem die Plattform Quelle.de steuert, konnte ihren Umsatz dabei um rund zwölf Prozent erhöhen. Bei der Kernmarke Baur sprach Klein in seiner Rede zum Neujahrsempfang von rund drei Prozent Umsatzwachstum. Dies alles vor dem "bereits hohen Umsatzniveau 2012". Und auch der Gewinn liegt demnach "in einem gut zweistelligen Bereich mit einer Rendite von über neun Prozent".
Vor zehn Jahren hatte die Geschäftswelt für den traditionsreichen Versandhändler am Obermain noch ganz anders ausgesehen. Damals dachte niemand daran, einen Neujahrsempfang abzuhalten. In den Jahren 2001 bis 2004 mussten die Baur-Stiftung und Otto das Versandhandelsunternehmen Baur finanziell stützen. Daran erinnerte auch Baur-Chef Klein gestern Abend in Kloster Banz. "Es ist mehr als eine unternehmerische Verantwortung, dass wir nicht nur dieses Geld an die Gesellschafter zurückgeben, sondern ihnen auch eine angemessene Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals sichern." Noch schwieriger sei es, nach den vielen Veränderungen bei Baur wie der Schließung der Retourenstelle, der Kaufwelt oder zuletzt dem Abbau von Mitarbeitern im Einkauf das Vertrauen der Mitarbeiter und damit auch der Menschen in der Region für Baur zurückzugewinnen.
Eine Herausforderung sei auch der umkämpfte Markt im Internet. "Die Wettbewerbsintensität ist durch neue Versender wie zum Beispiel Amazon, Zalando oder stationäre Händler im Netz wie C&A und S.Oliver massiv gestiegen", sagte Klein. Aufgrund von Suchmaschinen sei die Preistransparenz nirgends so hoch wie heute im Internet. Baur biete aber dem Wettbewerb Paroli. "Ich bin überzeugt, dass wir alten, schon fast tot gesagten Versender in diesem Wettbewerb große Wachstumschancen haben", sagte Klein.

"Mindeststandards nötig"

Otto-Vorstandsmitglied Alexander Birken gratulierte Baur zur jüngsten Entwicklung. "Jetzt ist Baur eines der Zugpferde der Otto-Gruppe", sagte der Hanseat. Möglicherweise sei es Marktbeobachtern gar nicht geheuer, was sie da an Erfolgen bei Otto und Baur sähen. "Das machen wir komplett ohne Schreie vor Glück", sagte Birken in Anspielung an den Werbeslogan des E-Commerce-Konkurrenten Zalando. Birken forderte, der Online-Handel müsse profitabel, "aber auch ein Handel mit menschlichem Antlitz sein". Ohne Namen zu nennen, kritisierte er schwarze Schafe und forderte Mindeststandards in der Branche.
Gesundheitsministerin Melanie Huml appellierte als Gastrednerin an die Unternehmen, das betriebliche Gesundheitsmanagement weiter voranzubringen. Von der Baur-Entwicklung zeigte sie sich beeindruckt: "Wir sind stolz darauf, dass wir so einen Arbeitgeber in Oberfranken haben."

Es begann mit Schuhen




Anfänge
Friedrich Baur gründete 1925 in Burgkunstadt den ersten Schuhversand Deutschlands. Im Laufe der Zeit entstand aus dem kleinen Unternehmen eines der größten Versandhäuser in Deutschland.

Mutter Baur gehört seit 1997 zum Hamburger Versandhandelsunternehmen Otto. Die Otto-Gruppe besteht aus 123 Unternehmen in mehr als 20 Ländern und beschäftigt weltweit knapp 54 000 Mitarbeiter, rund 4200 davon arbeiten bei Baur.

Gesellschafter Die Hanseaten halten 49 Prozent der Unternehmensanteile. Die restlichen 51 Prozent sind in den Händen der Friedrich-Baur-Stiftung, die nach dem Tod des Gründers dessen gesamtes Vermögen erbte.

Baur-Kaufwelt Mitte Dezember 2012 öffnete die Baur-Kaufwelt in Altenkunstadt zum letzten Mal ihre Pforten. Der riesige Bau, eines der größten Kaufhäuser in der Region, machte zuletzt Verluste. Versuche, das Gebäude an einen Investor zu verkaufen, der es dann saniert und umbaut, scheiterten. Seit Dezember ist nun klar: Das Gebäude in Altenkunstadt wird abgerissen und macht einem Fachmarktzentrum Platz.

Projekt "Fokus" Mitte vergangenen Jahres konnten viele Baur-Mitarbeiter erst einmal durchatmen. In einem von der Konzernmutter Otto veranlassten Restrukturierungsprogramm war anfänglich von bis zu 210 wegfallenden Arbeitsplätzen die Rede. Am Ende fielen am Obermain 62 Vollzeitstellen weg. Die Sortimente Möbel und Einrichten werden seit vergangenem Sommer am Otto-Konzernsitz in Hamburg bearbeitet.

Marke "Quelle" Unter dem Namen des ehemaligen Fürther Versandhauses werden inzwischen von Weismain aus Technikgeräte verkauft. Den Internetauftritt Quelle.de verantwortet seit dem vergangenen Jahr die österreichische Baur-Tochter Unito. Laut Baur zeigt Quelle.de bereits überplanmäßige Erfolge. zl