Zu mehr Deutscher Einheit kam es an diesem Wochenende im Schlaf. So hoffte die Bahn. Am Montagmorgen müssten die vielfältigen Bauarbeiten im Rahmen des Projekts VDE8 entlang der Bahnstrecke Ebensfeld-Unterleiterbach zu einem Ende gekommen sein. Falls alles nach Plan gelaufen ist.

Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit, Nummer 8 (VDE8) kann "lärmintensive Arbeiten" mit sich bringen, wie es eine Pressemitteilung der Deutschen Bahn verlauten ließ. Dafür soll es eine reibungslosere und schnellere Verbindung zwischen Nürnberg und Berlin gewährleisten. Kam mehr Einheit im Schlaf oder konnte Ebensfeld vor Einheitsbemühungen im Mehrschichtbetrieb nicht schlafen?

Zehn Stunden Baustelle

"Die machen das, ändern kannst nix, musst dich halt arrangieren", fasst Hilde Dinkel zusammen. Sie wohnt seit etwas über 50 Jahren in der Sudetenstraße, der dichtestgelegenen Anliegerstraße zum Ort, wo von Samstag, 19 Uhr, bis Montag um 5 Uhr die Arbeiten währten. Schlafen konnte sie, da fühlte sie sich kaum beeinträchtigt. Obwohl: "Es ist zu ertragen, aber ruhig ist es nicht."

Eine pragmatische Sicht auf Baulärm hat auch Gerhard Brückner aus der gleichen Straße. "Man hat ja das Fenster zu in dieser Jahreszeit - ich habe nichts gehört."

Es scheint sich zu bestätigen, was Bürgermeister Bernhard Storath schon andeutete: "Ich höre ganz selten Beschwerden." Freilich bezog er sich dabei auf die Akzeptanz der Bauarbeiten, und als er das sagte, waren sie auch noch nicht in Gang. Aber: "Ebensfeld weiß seit 1994, dass der Bau kommt und das Einsehen in der Bevölkerung ist relativ hoch."

"Nicht einmal Gesprächsthema in der Nachbarschaft" seien die Bauarbeiten, die Gleis- und Brückenbauarbeiten sowie eine Kanalarbeit nahe dem Gleisbett umfassten, wie der Ebensfelder Anwohner Andreas Grohganz am Samstag noch versicherte. Allerdings steckt hinter den Bemühungen nach reibungslosen Bauabläufen auch ein engmaschiges logistisches Konzept der Bahn.

Erst recht dann, wenn es letztlich um den Fahrplan geht. Ein Anruf in Berlin macht das deutlich. "Wir setzen alles daran, Termine einzuhalten, wir haben auch eine Bauplanung", sagt Sprecherin Angelika Britz. Sämtliche Maßnahmen dieser Bauplanung "sind von langer Hand vorbereitet und langfristig eingetaktet".

So auch die Anzahl von Bussen, die auf der zwischen Lichtenfels und Bamberg gesperrten Strecke als Ersatz für Regionalzüge verkehren mussten. Mit deshalb bis zu 60 Minuten längerer Reisezeit kalkuliert die Bahn.

Beide Einschränkungen hätten "keinen Fahrgast verstimmt", so ein DB-Busfahrer. Die Busse stammen aus einem Bamberger Depot, aufgestockt um Busse privater Unternehmen. Einen Wert, wie häufig Planungen danebenliegen, gebe es nicht, so Britz. Und mit einem Plan B würde man sich erst beschäfigten, falls die Zeit überschritten würde.

Lärmschutmaßnahmen

Aber danach sah es nicht aus, wenn man sich auf den drei Baustellen umhörte. Die Männer, die für eine Nürnberger Spezialfirma für Bahnarbeiten tätig sind, waren bald nach Arbeitsbeginn guter Dinge, im Zeitplan zu liegen. Dabei war viel vorgegeben: Die 40 Meter lange Hilfsbrücke für die zeitweilige Straßenverbindung in Richtung Dörignstadt wurde wieder ausgehoben und neben ihr wurde eine Brücke teilweise freigegeben, unter der die künftig viergleisige Bahnstrecke liegt.

Für ruhigen Schlaf in Ebensfeld mögen auch die Maßnahmen zur Lärmminderung gesorgt haben. So seien die Typhon-Signale zur akustischen Warnung der Gleisarbeiter aufs unbedingt Nötige beschränkt und die Stromaggregate schallgemindert worden.