Nein. Ein ganz klares Nein an diesem Donnerstagabend nach 21 Uhr. Fragt man Stefanie Ebert vom Weingut Werner Ebert, ob der Lichtenfelser so dankbar ist, dass er alles feiert, sogar Weinfeste, dann umspielt eine leichte Entrüstung ihr Lächeln.

Der Lichtenfelser, so lässt sie erkennen, sei schon aus Bekenntnis zum Weinfest auf dem Marktplatz anwesend und nicht eben einfach nur mal so, weil Musik spielt und sonst nichts los sei. Und wenn von offizieller Seite, wie der von Citymanager Steffen Hofmann, zu hören ist, dass man das Weinfest "in Lichtenfels etablieren" will, dann setzt Organisator Joachim Krohn noch einen drauf: "Wir müssen das Weinfest nicht etablieren - es ist etabliert!"


Voll besetzte Bierbänke

Der Mann hat guten Grund, das so zu sehen. Es ist später Donnerstagabend, anderntags ist Werktag und doch sind die vielen Bierbankreihen unter den 14 wasserblauen Franken-Brunnen-Sonnenschirmen voll besetzt.

Bierbankreihen auf einem Weinfest, vermutlich die einzige Unstimmigkeit hier zwischen Floriansbrunnen und "Deichmannhaus". Die Stimmung ist gut, der Platz ist gesäumt von vier Ständen unterfränkischer Weingüter, auch ein Schinkenhändler ist hier. Jamoneria steht als Aufdruck an seinem Stand - Jamon, das ist spanisch und heißt Schinken.

Es ist ein leidlich warmer Abend, dieser Abend des Auftaktes zum zweiten Lichtenfelser Weinfest. Bis zum 17. Juni wird es dauern und dieselben Weingüter wie im Vorjahr sind vertreten. Und doch ist nun etwas anders als 2017 und das betrifft die Bühne. Sie wurde nach Westen verlegt, was mit dem Public Viewing am Sonntag zu tun hat.


Eher süße Genießer

Obwohl die Korbstadt nun erst zum zweiten Mal diese Veranstaltung beherbergt, hat Stefanie Kellner schon eine feste Meinung zu Lichtenfels. Sie ist über das Jahr auf fünf Weinfesten dieser Art vertreten und vergibt für das hiesige zumindest schon mal den dritten Platz. 12, 13 Stunden währt ihr Arbeitstag. "Auf anderen Weinfesten wird über die Preise geschimpft, hier in Lichtenfels nicht", hält sie der Korbstadt zugute. Auch glaubt sie, dass der Korbstädter ein wohl eher süßer Genießer sei. Ihr "Bacchus Sweet ist hier der Renner".

Sieht man von ihrer erneuten Teilnahme am Lichtenfelser Weinfest ab, gibt es noch einen weiteren Erfolg für sie. Ein Café am Ort bietet ihren Wein an. Sie hat es also so gesehen in die lokale Vermarktung geschafft. Mehr noch: Lichtenfelser hätten wegen der Erstauflage des Festes sogar den Weg auf sich genommen und seien zu ihr ins Unterfränkische gefahren.

Die "Rossinis" stehen auf der Bühne. Irgendwann kurz nach 22 Uhr fragen sie beim Publikum an, ob sie noch eine Zugabe geben sollen. Das Publikum sagt ja und so spielen Bernardo (Bernd Hoßmann), Umberto (Uwe Hartmann) und Claudio (Claus Mehling) italienische Weisen. Als Carabinieri verkleidet stehen sie auf der Bühne, auch dieses Trio ist 2018 eine Zweitauflage an diesem Fest.

"Die Lichtenfelser haben uns schon ins Herz geschlossen", so Bernardos Einschätzung. Er muss es wissen und immerhin sind die "Rossinis" ja auch am Korbmarkt musizierend zugegen. Dann lässt tief blicken, bis weit in die Vergangenheit und zu einer Szene am Grab von Gioachino Rossini. Dort habe er in Marmor geschlagene weinende Frauen gesehen und dann habe es Klick gemacht. Die Rossinis waren namentlich geboren "und die Leute sagten eh, spielt doch italienische Stücke, ihr seht aus wie Italiener".


Frauen stehen auf Uniformen

Auf den Trichter mit den Uniformen sei man gekommen, weil Frauen so auf Uniformen stünden. Wie Bernardo, der während mancher Lieder dann und wann auf seinen Kontrabass steigt, das so erzählt, betritt eine junge Frau namens Eva den Bühnenrand. "Sollte ich einmal heiraten, dann spielt ihr bei mir", sagt sie ihm. Eva hat den ganzen Abend mitgeschunkelt. Mit Hunderten anderer Lichtenfelser.