Als Schwürbitzerin auch Michelauerin sein, und als Michelauerin ganz nah an der Deutschen Korbstadt Lichtenfels - Sabrina Meixner denkt nicht in engen Ortsgrenzen. Die 22-Jährige absolviert ihre Ausbildung an der Hochschule für Mediendesign in Ravensburg und bei der Michelauer Werbeagentur Jung 2. Während des dualen Studiums pendelt sie im Dreimonatsrhythmus zwischen einer Wohnung in Baden-Württemberg und ihrem Elternhaus in Schwürbitz hin und her. Ein Studienprojekt, das sich ganz konkret auf ihre Heimat bezog, war eine Herausforderung, die sie gerne anging. Die Aufgabenstellung: Ein neues Erscheinungsbild für die Heimatstadt beziehungsweise -gemeinde zu entwickeln. Stichwort Corporate Identity.

Eine visuelle Identität, wie sie Firmen etwa ab den 1960er Jahren für sich entdeckten, ist ein Thema, das auch für Städte an Bedeutung gewinnt. Mit einem einheitlichen Auftritt, etwa im Internet, auf Visitenkarten oder Briefbögen, will man sich von anderen abheben. Ein unverwechselbares Logo ist ein Wiedererkennungswert, der im Bemühen um Touristen oder Gewerbeansiedlungen von Vorteil sein kann.

Wie aber kann man das Einzigartige einer Stadt in einem Logo kommunizieren? Für Sa brina Meixner war sofort klar, dass sie sich über die Geschichte des Ortes an ein stimmiges Bild heranarbeiten musste. Rund drei Monate hat sie sich dafür Zeit genommen. Die Tradition, die das Flechthandwerk im Ort hat, stand dabei im Zentrum. "Es hat Spaß gemacht", erzählt sie. Sich in einen potenziellen Auftraggeber und seine Anliegen hineinzuversetzen, sei ja in jedem Designprozess wichtig. Für den eigenen Heimatort fand sie es eher leichter, dieses Verständnis zu entwickeln. Und als sie sich die bestehenden "Designs" von Michelau im Internet, auf Flyern oder Gutscheinen näher betrachtete, sah sie durchaus Verbesserungsbedarf. Unterschiedliche Schriften, unterschiedlicher Einsatz des Wappens, mal groß, mal klein, mal gar nicht. Es sei doch alles irgendwie willkürlich, findet sie, und präsentiert im Gegenzug ein verflochten gestaltetes "M" für Michelau, das sechs leuchtende Farben in sich vereint, und dazu passend den Slogan "Menschen verbinden".


Bürgermeister signalisiert Aufgeschlossenheit

Die Studentin kann sich für dieses Design neben den üblichen Verwendungen noch viele weitere Möglichkeiten vorstellen - von T-Shirts und Regenschirmen über den Hingucker auf dem Dienstauto bis hin zum Werbeprospekt für Flechtkurse. Sich auf die eigene Tradition zu besinnen, finde sie ebenso wichtig, wie mit der Zeit zu gehen, betont Sabrina Meixner. Und dazu gehöre auch der Mut zu Modernisierung, wie ihn die Gemeinde mit dem Anbau am Korbmuseum ja schon gezeigt habe.

Die Schwürbitzerin würde ihre Ideen gerne einmal detailliert im Rathaus präsentieren und hat schon Kontakt aufgenommen. Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) signalisiert Aufgeschlossenheit: "Sicher werden wir überlegen, wie wir dieses Logo verwenden könnten." Er freue sich über junge Leute, die sich Gedanken über ihre Gemeinde machen. Solche Ideen seien wichtig für die Zukunft. "Wir müssen die jungen Menschen ansprechen können, damit sie stolz auf ihren Heimatort sind und ihm verbunden bleiben."

An der Hochschule konnte Sabrina Meixner mit ihrer Arbeit jedenfalls schon jemanden begeistern: ihre Dozentin. Die meint, mit dem von der jungen Frau entwickelten Erscheinungsbild könne sich Michelau zwischen Tradition und Zukunft positionieren. Mit der "mutigen Neugestaltung" könne man Aufsehen erregen und gleichzeitig für das einzigartige Deutsche Korbmuseum werben. Als sie davon gehört hatte, dass die oberfränkische Gemeinde als Wiege der Feinkorbflechterei firmiert, zeigte sie, wie die Studentin schildert, auch persönliches Interesse mit der spontanen Feststellung: "Da müssen wir mal hin!"