Peter Kostromitin trifft sich gerne mit seinen Freunden am Bootshaus. Die jungen Leute lieben die Idylle am Main. "Es wäre schön, wenn es dort feste Rückzugsräume für Jugendliche und Erwachsene geben würde, wo Jung und Alt in friedlicher Koexistenz ihre Freizeit verbringen."

Noch ist der Wunsch Vater des Gedankens. Der 14-jährige Altenkunstadter hofft, dass seine Anregung Eingang findet in das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept, das in Altenkunstadt derzeit entwickelt wird. Eine konkrete Vorstellung, wie ein solcher Rückzugsraum für junge Leute aussehen könnte, hat der Jugendliche ebenfalls. Ein fester Grillplatz mit Bänken und Pavillon - das wäre für ihn und seine Freunde der Hit.

Brainstorming im "Pins"

Der Hofer Architekt Hans Greim und die Landschaftsarchitektin Susanne Augsten aus Naila nehmen den Vorschlag mit in ihre Büros. Er ist einer von vielen, die in das Konzept mit einfließen werden, mit dem die Gemeinde Altenkunstadt die Entwicklung der Kommune steuern will. Ende März hatten sich die Erwachsenen im katholischen Pfarr- und Jugendheim Gedanken darüber gemacht, wie man Altenkunstadt noch schöner machen kann. Jetzt ist die Jugend an der Reihe. Der Jugendtreff "Pins" wird am Dienstagnachmittag zur Jugendwerkstatt, in der sich junge Leute auf Einladung der Gemeinde und des BRK-Kreisverbandes als Träger der Einrichtung zum Brainstorming treffen.

Lediglich drei Teenager lauschen seinen Worten. Eine Tatsache, an der sich Greim überhaupt nicht stört. Ganz im Gegenteil: "Nicht die Anzahl der Teilnehmer ist entscheidend, sondern was am Schluss dabei herauskommt." Das jugendliche Trio geht unter Ausschluss der Öffentlichkeit in sich und macht zusammen mit den beiden Architekten und der Leiterin der Einrichtung, Britta Klett, Nägel mit Köpfen. Diese werden im Anschluss der Öffentlichkeit präsentiert.

Die 15-jährige Janika Uzuna wünscht sich einen neuen Anstrich für die Altenkunstadter Mittelschule. Auch die Schließfächer an ihrer Bildungseinrichtung sind ihr und Kostromitin ein Dorn im Auge. "Sie sind eingedellt und kaputt. An einigen fehlen sogar die Türen", sagt die junge Dame. Die Skaterbahn auf dem Schul- und Sportgelände in Röhrig sollte von Unrat und Unkraut befreit werden und mit neuen Geräten ausgestattet werden, sind sich die zwei Jugendlichen einig. "An der Skaterbahn nagt der Zahn der Zeit", sagt der 14-Jährige.

Bessere Busverbindungen

Der Weismainer Nico Schott würde es begrüßen, wenn es im Kunstadter und Weismainer Raum bessere Busverbindungen geben würde. Auch am Burgkunstadter Bahnhof sehen die jungen Leute Handlungsbedarf. Die herrenlosen Räder am Fahrradstellplatz sollten entsorgt und das Areal besser vor Diebstahl und Vandalismus abgesichert werden, schlägt Kostromitin vor. Der Sexspielautomat, der außen an der Bahnhofsgaststätte hängt, sollte im Inneren der Gaststätte aufgehängt werden. "Der derzeitige Standort gegenüber einer Nachhilfeeinrichtung für Schüler ist unpassend", begründet Kostromitin seinen Vorschlag. Toll fände er es, wenn ein Altenkunstadter Hausbesitzer eine Wand zur Verfügung stellen würde, an der das Graffiti-Sprühen erlaubt ist. Alternativ könnte man auch eine Plastikfolie zwischen zwei Stangen aufhängen und besprühen.

Die Altenkunstadter Jugendbeauftragte Stephanie Dittrich findet die Idee gut. "Man sollte die Street-Art bewusst vor leer stehenden Häusern aufstellen und damit auf den Leerstand hinweisen", sagt sie. Die Errichtung öffentlicher Hot-Spots fände Kostromitin toll. "Dann könnten wir im Ort oder am Bootshaus mit unseren Smartphones Whatsapp-Nachrichten versenden oder You-Tube-Videos gucken", erklärt der Schüler. Nach Ansicht von Frank Gerstner, dem Leiter der sozialen Dienste des BRK-Kreisverbandes, brauche man dazu nicht unbedingt Hot-Spots. Es würde auch funktionieren, wenn zehn Gewerbetreibende ihren W-Lan-Anschluss öffentlich machen würden, meint er, um zugleich festzustellen: "Leerstände, wie wir sie in Altenkunstadt vorfinden, produzieren keine Internet-Verbindung im öffentlichen Raum."

Als Dankeschön für ihren Einsatz überreichte er den jungen Leuten jeweils einen Gutschein im Wert von zehn Euro für einen Schwimmbadbesuch.