Die Zeit heilt alle Wunden. Das gilt vielleicht für Menschen, für Baukörper kommt das Gegenteil der Wahrheit näher. Hier reißt der Zahn der Zeit Wunden in eine 60 Zentimeter dicke Außenmauer. Die Mälzerei könnte ein Bau für die Ewigkeit sein, würde nicht stetig Wasser in die Mauer geleitet, weil das Dach undicht ist.

Außen wuchert Grün aus der Mauer, bis zu armdicke Birken strecken sich in den Himmel. Innen sind die Wände auch grün, aber eher von Algen. Am 10. März war ein Stück dieses senkrechten Gartens in den waagrechten des Nachbarns gefallen. Sonne, Wasser und Frost hatten ihre Kräfte spielen lassen. Die Backsteine liegen heute noch zwischen Holzlege und Haus wie eine umgekippte Kiste mit Legosteinen.

Eigentümer ohne Geld

Zum Spielen ist in Maineck niemandem zu Mute. Die 38-jährige Nachbarin wohnt seit März in einem Hotel. Der Eigentümer der Mälzerei, der auf der anderen Seite des roten Kolosses wohnt, hat kein Geld. Und weitere Fassadenteile drohen abzustürzen. Weil die nächsten Trümmer auf die Straße fallen könnten, muss der Landkreis handeln, auch wenn kein Geld da ist. Rund 170.000 Euro, hat Kreisbaumeister Stefan Weisser geschätzt, kostet es, den Bau abzureißen. Mit einem Raumbuch, in dem jede Wandstärke und jedes Material genau aufgelistet sind, gab es eine Ausschreibung, die von den Kosten etwas unter den geschätzten liegt.

Seit Montag ist die Firma Reuther aus Wallenfels nun dabei und rückt dem fünfstöckigem Industriebau von 1898 zu Leibe. Bis Ende August sollen die Abbrucharbeiten beendet sein. In den ersten Wochen wird von außen noch wenig zu sehen sein. Zunächst wird einmal Platz geschaffen, Sessel, Tische und Regale sowie Müll beseitigt.
Danach werden die Bodenfliesen abgeschlagen. Die Platten sind aus Solnhofen - und waren früher wegen ihrer hygienischen Eigenschaften in Lebensmittelbereichen vorgeschrieben. Die gebrauchten Platten werden dann zum Ausbessern anderer Flächen weiterverkauft oder - benutzt.

Damit ist die Mälzerei innen entkernt. Der Teerkork auf dem Dach ist bei dem historischen Gebäude so ziemlich das einzige Material, das als Sondermüll behandelt werden muss. Sonst gibt es Eisensäulen und -träger im Inneren, ein paar Fenster und Türen und jede Menge Steine.

In rund vier Wochen werden sie eingerissen und geschreddert. Ein Teil bleibt in Maineck. Die Kellerwände müssen stehen bleiben, damit der Kirchplatz nicht in die Baugrube rutscht. Zur Verstärkung sollen sie dann mit dem geschredderten Bruch gestützt werden. Wenn dann Ende August das Landratsamt den Abbruch für beendet erklärt, dann atmet auch die Nachbarin auf. Dann - nach fast einem halben Jahr - kann sie in ihr Haus zurück.
Der Steuerzahler wird übrigens höchstwahrscheinlich sein Geld nicht wieder zurück bekommen. Die Kosten werden zwar im Grundbuch als Last eingetragen und verjähren nicht. Doch wie soll jemand mit einem Haus, das nicht mehr da ist, je eine solche Summe erwirtschaften?

Mit dem Abbruch wird ein Teil der Mälzerei Geschichte sein. Zur Kirche hin klafft dann eine große Lücke. Von Bahn und Bundesstraße aus bleibt die Silhouette von Maineck erhalten. Die Fassaden zum Main hin sind zwar auch in einem schlechten Zustand, wenn dort jedoch etwas einstürzen sollte, dann fällt es auf privaten Grund. Landratsamt und Steuerzahler wären damit außen vor.