Aus eins mach zwei - dieser Grundsatz wird im Altenkunstadter Ortsteil Spiesberg beherzigt. Um den aktuellen Anforderungen an den Gewässerschutz zu genügen, wird vom Mischwasser- auf das Trennsystem umgestellt. Des Weiteren wird in unmittelbarer Nähe zur bestehenden Teichkläranlage, die zukünftig nur noch ein Regenrückhaltebecken ist, eine sogenannte SBR-Kleinkläranlage errichtet. Mit dem symbolischen Spatenstich wurde am Montagnachmittag der Startschuss für die rund 1,4 Millionen Euro teure Maßnahme gegeben.

"Wasser ist die Lebensader Nummer Eins. Wir alle müssen sie schützen und erhalten", appellierte Baurat Frank Haderlein vom Wasserwirtschaftsamt Kronach an die Zuhörer. Mit der Erneuerung und Sanierung der Abwasseranlage in Spiesberg habe die Gemeinde Altenkunstadt einen wertvollen Beitrag dazu geleistet, sagte der Experte. Der Freistaat Bayern gewährt einen Zuschuss in Höhe von 25 000 Euro, die aus einem Sonderprogramm für Teichkläranlagen stammt.

Der finanziell größte Brocken sind die Tiefbauarbeiten mit einer Auftragssumme von 1,2 Millionen Euro, die an die Firma Günther Bau in Stadtsteinach vergeben wurden. Die grabenlose Kanalsanierung führt das Unternehmen Kanal Türpe mit Sitz im unterfränkischen Gochsheim durch. Kostenpunkt: rund 108 000 Euro. Die Kleinkläranlage baut die Firma Utp aus Seybothenreuth bei Bayreuth für 71 628 Euro. Im Zuge der Maßnahme sollen auch Leerrohre für eine spätere Breitbandverkabelung mit verlegt werden. Hierfür wird noch eine beschränkte Ausschreibung durchgeführt.

Aufgrund neuer Vorgaben der EU und der Wasserwirtschaft dürfen die alten Teichkläranlagen nicht mehr weiterbetrieben werden, weil sie aufgrund ihres Alters und ihrer technischen Ausstattung nicht mehr die erforderlichen Reinigungswerte erreichen. Aus diesem Grund wird 200 Meter östlich von Spiesberg unweit des in die Jahre gekommenen Klärteiches eine Kleinkläranlage errichtet, die modernsten Anforderungen entspricht.

Damit einher geht auch eine Trennung von Abwasser und Regenwasser, wie Geschäftsführer Matthias Strunz von der Planungsgruppe Strunz in Bamberg erläuterte. "Die vorhandenen Rohre werden saniert und für die Ableitung des Regenwassers genutzt. Dieses Oberflächenwasser werde zunächst in den alten Klärteich eingeleitet. Er diene als eine Art Regenrückhaltebecken, das das kostbare Nass gedrosselt mit sechs Litern pro Sekunde in einen namenlosen Graben einleitet. "So kommt es dem natürlichen Wasserkreislauf wieder zugute", schloss der Fachmann seine Ausführungen zur Kanalsanierung.

Für das Abwasser wird Strunz zufolge ein zweiter, bis zu vier Meter tiefer Kanal zur Kleinkläranlage gebaut. Den Durchmesser der Rohre bezifferte er auf 200 Millimeter. Das geklärte Wasser wird ebenfalls dem Graben zugeführt.

Als Alternativen standen eine zentrale - ein Anschluss Spiesbergs an die Kläranlage in Burgkunstadt - oder eine dezentrale Lösung - Kleinkläranlagen in jedem Anwesen - zur Debatte. Doch letztendlich entschied man sich für die semizentrale Lösung. "Das ist von den Kosten und den technischen Anforderungen her die optimale Lösung", sagte Strunz.

Geschäftsführer Steffen Groschupp von der Baufirma Günthe" wünschte eine unfallfreie Zeit, Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) allen Beteiligten ein gutes Miteinander. Die Einweihung soll im Frühjahr 2019 erfolgen.
Der alte Klärteich erreicht nicht mehr die erforderlichen Reinigungswerte. Er wird zum Regenrückhaltebecken. Unweit davon wird eine neue Kleinkläranlage gebaut. Foto: Stephan Stöckel.
3-D-Grafik Spiesberg Abwasseranlage 3: Bildunterschrift: Blick ins Innere einer SBR-Kläranlage: Während der einstündigen Ruhephase, in der keine Belüftung erfolgt, trennt sich der Reaktorinhalt horizontal in eine Schlamm- und eine Klarwasserzone. Der entstandene Belebtschlamm setzt sich am Behälterboden ab. 3-D-Grafik: Firma Utp.