Nett, liebreizend, sympathisch, spritzig reicht nicht aus um die vier Musikerinnen und ihren Gitarristen zu beschreiben. Es ist die einzigartige Mischung aus erfrischender Lebendigkeit, Professionalität und Natürlichkeit, mit dem sie das Lichtenfelser Publikum bezaubern.
Eigentlich ist "aufmischen" richtiger - doch die stoische Gelassenheit, bis sich ein Franke zum Tanzen bringen lässt, sobald ein Stuhl herum steht, ist es nicht so einfach zu durchbrechen. Mehrmals fordert Teresa Horgan (Gesang und Flöte) zum Tanz auf und ganz zum Schluss schafft sie das tatsächlich - immerhin nach der zweiten Zugabe. Das Publikum amüsiert sich quasi über sich selbst und schon das allein ist originell zu betrachten, weil das so viel von der fränkischen Seele und Mentalität offenbart. Im Grunde sind die Leute hingerissen, ihre Gesichter zu beobachten, wie sie die Musik aufsaugen, tut gut.
Wenn Mairi Rankin steppt, hüpft, springt und auf ihrer Fidel spielt, überträgt sich soviel Lebensfreude, dass man sich einen Pub-Besuch bildlich vorstellen kann. Man weiß ohnehin, dass irgendwo in Irland oder Schottland die Menschen in den Pubs so viel leidenschaftlicher sind. Sofort fühlt man sich dorthin versetzt, wo man bei Livemusik beim Guinness, Stout oder Whisky auf engstem Raum mit ganz vielen Menschen spricht und feiert.


Nicht jeder kann aus seiner Haut

Wer einmal dort gewesen ist, in einem Pub möchte nur eines: Nochmal die Lebenslust spüren, die die Iren und Schotten mit ihren Mitmenschen teilen, auch mit Fremden. Und fast ist man ein bisschen neidisch, dass man im reservierten Franken manchmal nicht aus seiner Haut kann, obwohl man es vielleicht im tiefsten Innersten möchte. Und das ist ein sehr ambivalentes Gefühl.
Dieses wird den Menschen genau bei diesem Konzert bewusst - ja bewusst gemacht. Das geht so weit, dass man über sich selber lachen muss. Diese Verschmelzung von fröhlicher aber auch melancholischer Folkmusik mit der selbstironischen Stimmung des Publikums erzeugt eine einzigartige Atmosphäre.
Eine Stimme wie Samt, Haare wie Seide - so oder so ähnlich wirkt Teresa auf die Zuhörer. Gänsehaut pur, ihre Stimme jagt sanfte Schauer über den Rücken und lullt wohlig ein, ohne im entferntesten schnulzig zu sein. Es klingt einfach wunderschön. "Irgendwie zwischen Amy McDonald und Enya, aber am besten man fängt erst gar nicht an, zu vergleichen, weil sie einzigartig ist." Das sagt auch der Campingwart aus Lichtenfels, der ganz vorne sitzt, samt Gefolge, bestehend aus zwei reizenden Dauercamperinnen aus Schweinfurt und Ebern.
Die Mädels erzählen viele Geschichten, das Englische kann man, obwohl man vielleicht irischen oder schottischen Slang befürchtet hat, wunderbar verstehen. Und der "lucky" oder vielleicht auch "unlucky" Gitarrist Michael Ferrys begleitet sie gelassen mit einem Dauergrinsen im Gesicht. Es liegt wohl an der Internationalität der Künstler aus Irland, Schottland und Kanada, die sich beim Musikstudium an der Universität von Limerick kennengelernt haben.
Alle Jokes werden beklatscht. Sie sind aber auch wirklich lustig, die Fünf. Fiona Black am Schifferklavier ist dabei der absolute Reißer. Ihre komische Art und wie sie die Lieder ankündigt fordert Lachsalven heraus. Man vergisst, dass sie Englisch spricht und man kann sich ihrem Charme nicht entziehen. Es ist wirklich zum Schießen, wenn sie the Song"The Canadian" ankündigt und einen kanadischen sehr gut und sexy aussehenden "very charming" Kanadier beschreibt und sich auf deutsch versucht auszudrücken: "Er hatte tolle Pobacken."
Ellie Robertson aus Eddinburgh begeistert mit begnadetem Harvenspiel und interpretiert einfühlsam den Song "Flash company": "It is about a lady who is old and partied too much! (eine alte Frau, die zu viel gefeiert hat)."
Es ist eine Mischung aus Melancholie und Hoffnung, immer getragen vom wunderbaren Zusammenspiel der Musiker. "Get me through december" ist eine süße, wehmütige Ballade, in der sich Teresas Stimme nochmal in aller Schönheit zeigt. Aber auch Mairi und Fionas harmonischer Gesang überzeugt im Wechsel von frech, keck, aufgekratzt und warm.


Keltisches und Modernes

Ihr Repertoire ist definitiv ungewöhnlich und bedient sich vieler Stilrichtungen. Ganz klar keltische Einflüsse aber auch Modernes, gemischt mit traditionellem irischen und schottischen Folk genauso wie Polka und sogar Csardasklänge aus Ungarn. Bei "Trouble in the Field" von Nancy Griffith besingen sie eine Familie, die alles verloren hat, untermalt von den bittersüßen Querflötenklängen. Letztendlich eine wechselvolle Bandbreite zwischen heiterer und wehmütiger Musik.
Am Ende wird's nochmal richtig fröhlich, wenn das Publikum beim Refrain von "Mountain Road" mitgerissen wird und im Refrain "Reckedee, Reckedoo. Reckedaddy, Reckeday ..." johlt.