In Weismain musste dabei aber nicht mit dem Gewehr, sondern mit Pfeilen gezielt werden. Wegen der guten Resonanz nimmt nun die neue Bogensportgruppe des Vereins den Betrieb auf.
Warum der zwölfjährige Niklas auf Anhieb so begeistert von dem traditionsreichen Schießsport ist, dass er sich nach eigener Auskunft gleich ein bisschen wie Super-Bogenschütze "Hawkeye" aus dem aktuellen Kinofilm "The Avengers" fühlte, wird deutlich, als er auf stolz auf seine Erfolge hinweist: "Von 18 Schüssen hab' ich dreimal in die Mitte getroffen". Die gleiche Ausbeute hat sein ein Jahr jüngerer Kumpel Konrad Friedrichs, der ebenso wie Niklas aus Kulmbach kommt, vorzuweisen.

Pfeil und Bogen statt Inliner


Beide sind eigentlich zum Inliner-Fahren in die Jurastadt gekommen, entdeckten eher zufällig die von der Schützengesellschaft (SG) im Kastenhof unter freiem Himmel aufgebauten Schießstände und hatten mit Pfeil und Bogen ebenso wie Spaß wie auf acht Rollen. Wenn er es mit seinen bisherigen Erfahrungen mit dem Sport vergleicht, die sich auf Plastikbogen und Saugnapfpfeil beschränken, findet auch Konrad das Schießen mit einem der sieben vom Verein eigens angeschafften und rund eineinhalb Meter langen Recurve-Bogen "viel besser, aber auch anstrengender".
Einschätzungen, die Roland Pachter als Leiter der künftigen SG-Bogensportgruppe teilt: "Es ist schon Einiges an Zugkraft nötig, um die Sehne zu spannen", verrät er. Trotzdem schaffe man es mit etwas Geschick relativ schnell, den Pfeil in der "golde nen Mitte" der Scheibe mit 16 Zentimetern Durchmesser zu platzieren. "Ganz im Gegensatz zum Luftgewehrschießen, wo einem Neuling eher aus Zufall mal einen ,Zehner' gelingt", meint Pachter, der seit fünf Jahren begeisterter Langbogenschütze ist.

Schutz ist äußerst wichtig


Bei den Schnupperstunden hat er alle Hände voll zu tun. Er erklärt den Interessierten beispielsweise, dass der Armschutz wichtig ist, damit die nach vorne schnellende Sehne die Haut nicht verletzt. Oder dass man auf die Zehn-Meter-Distanz wegen des Winkels vom Auge zum Pfeil einen guten Meter tiefer anvisieren sollte.
Außerdem hatte das langjährige Vorstandsmitglied am Schützenhaus ein kleine Ausstellung aufgebaut, bei der neben Pfeil- und Spitzenformen auch unterschiedliche Bogenausführungen begutachtet werden konnten - vom traditionellen Langbogen bis zum Compound-Bogen, der eher etwas für Fortgeschrittene ist.
Neben der Attraktivität für Anfänger nennt Roland Pachter weitere Gründe, warum Bogenschießen in Weismain durchaus eine Zukunft haben könnte. Zum einen sei die SG der einzige Schützenverein im östlichen Landkreis, der den Sport anbietet. Zum anderen benötige dieser keinerlei besondere körperliche Voraussetzungen, verweist Pachter auf einen Rollstuhlfahrer, der ebenfalls im Kastenhof sein Glück probierte. Und weil die Altersgrenze niedriger liegt als beim Luftgewehr oder -pistole, hofft er, viele Kinder begeistern zu können.

Ein Sport auch für Ältere


Wobei nicht nur der Nachwuchs beim Schnupperkurs auf seine Kosten kam. "Bogenschießen ist besonders für ältere Menschen geeignet", findet Karl-Heinz Rehm aus Altenkunstadt. Der 53-Jährige hatte aus der Zeitung von dem Termin erfahren und versicherte nach einigen Schüssen, was er bereits von einem Reha-Aufenthalt wusste: "Dieser Sport tut dem Rücken gut." Allerdings wollte er sich noch nicht festlegen, ob er der neuen Gruppe beitritt, Interesse sei "auf jeden Fall vorhanden". Entschlossener war ein gutes Drittel der Teilnehmer. Von den gut drei Dutzend Interessierten des "Schnupperschießens" meldeten sich zwölf Personen für die Bogensportgruppe an.
Hildebrandt sieht sich bestätigt in dem Bestreben, das Angebot des Vereins zu erweitern und zugleich dem derzeitigen Bogensport-Boom in Deutschland Rechnung zu tragen.