Seit einigen Jahren gibt es in Marktzeuln kein Lebensmittelgeschäft mehr. Der Versuch, einen Laden neben der Turnhalle zu eröffnen, scheiterte mehrmals und der "Edeka-Kraus" oberhalb des Rathauses hatte, nachdem zum Schluss nur noch ein Getränkemarkt geöffnet war, auch dicht gemacht. Die Bevölkerung wünscht sich, dass wieder ein kleiner Laden in der Ortsmitte eröffnet wird. Das wurde bei der Bürgerversammlung in der Turnhalle deutlich.
Die meisten der rund 200 Teilnehmer stimmten für ein Dorfladenmodell, das Wolfgang Gröll vom Dorfladen-Netzwerk "newway" vorstellte. Bürgermeister Gregor Friedlein-Zech (FW) hatte ihn bei einem Vortrag des Amtes für Ländliche Entwicklung kennengelernt. Gröll sah eine Renaissance der Nahversorger voraus. Geschmacksvielfalt, Abwechslung, Unterhaltung, Qualitätsprodukte und steigender Serviceanspruch würden in Zukunft das Kaufverhalten stimmen. "Tante Emma is back - wer weiter denkt kauft näher ein", war das Thema des Vortrags. Voraussetzungen für ein Lebensmittelfachgeschäft seien ein Einzugsgebiet von mindestens 5000 Verbrauchern, eine Verkaufsfläche bis 1500 Quadratmetern, eine Sortimentstiefe von mindestens 20 000 bis 40 000 Artikeln und eine ausreichende Anzahl von Parkplätzen vor dem Geschäft. Der Dorfladen werde nach den Prinzipien des genossenschaftlichen Gedankens geführt bei dem die Förderung der Mitglieder im Mittelpunkt stehe, sagte Gröll. Die Finanzierung erfolge durch Anteile der Mitglieder. Dabei stehe nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund, sondern der achtsame Umgang mit den regionalen Ressourcen, die Einbindung aller Bürger vor Ort und Mitarbeiter, die nicht nur wegen des Geldes arbeiten, sondern weil sie einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen.
Nach der Bürgerinformation und Aufklärung sei die Gründung eines Arbeitskreises geplant. Dann erfolgten eine Machbarkeitsstudie, die Bestimmung der Rechtsform und die Sicherung der Finanzen. In der dritten Stufe werde ein Rechtsträger bestimmt. Nach der Einzahlung des Gründungskapitals werde ein Feinkonzept erstellt. Schließlich erfolge die Einstellung und Schulung der Mitarbeiter. Zwischen allen drei "Sollbruchstellen" sei ein Abbruch des Projekts möglich, ohne negativen Folgen der Gesellschafter, versicherte der Mitarbeiter des Dorfladen-Netzwerkes. Gröll erläuterte an Hand zahlreicher Beispiele gut funktionierende Dorfläden, nannte aber auch Modelle, wo es nicht geklappt hatte. Meistens sei ein Misserfolg durch einen Geschäftsführer begründet, der den Laden nach professionellen Maßstäben führen wolle.
Bürgermeister Friedlein-Zech dämpfte die Euphorie im Saal: "Wir entwickeln eine Vision." Als möglichen Standort nannte er den ehemalige Edeka-Laden Am Flecken. Die Eigentümer hätten das Gebäude zum Kauf angeboten. In den nächsten Monaten würden alle Möglichkeiten ausgelotet und dem Gemeinderat vorgetragen. Bei einer Abstimmung hoben sich meisten Hände der Versammlungsteilnehmer.