"Man kann sich das Wetter leider nicht schnitzen", sagt Hans Vetter, Behördenleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg. Ein Satz, mit dem er wohl allen Landwirten aus der Seele spricht. "Es ist eben so, dass man in der Landwirtschaft immer auf das Wetter angewiesen ist, daran kann man nichts ändern", sagt Landwirt Dieter Lorenz aus Unterzettlitz. Seine Erntebilanz für das Jahr 2016 fällt durchschnittlich bis leicht unterdurchschnittlich aus. "Das Frühjahr war sehr nass und kalt. Durch die Feuchtigkeit war der Krankheitsdruck sehr hoch, vor allem Weizen hat bei mir unter Pilzbefall gelitten und war dadurch unterdurchschnittlich", erklärt Lorenz.


Qualität nicht wie erwartet

Hans-Jürgen Rebelein, Geschäftsführer des BBV-Kreisverbands Lichtenfels, macht den hohen Krankheitsdruck dafür verantwortlich, dass die Ernte nicht so gut war, wie man lange Zeit in Fachkreisen vermutete. "Die Bestände beim Getreide waren gut, man hatte sich höhere Erträge erhofft. Beim Dreschen hat man dann aber gesehen, dass die Qualität durch die Feuchtigkeit etwas gelitten hat", erklärt Rebelein. "Es war keine Spitzenernte, aber auf jeden Fall besser als im Vorjahr."

2015 bereitete die lange Trockenperiode den Landwirten über das ganze Jahr Probleme und sorgte für große Ernteeinbußen. Heuer war hingegen das Frühjahr zu niederschlagsreich - aber wie müsste denn das Klima für eine überdurchschnittliche Ernte aussehen? "Das Frühjahr sollte trocken sein, dass man die Böden schön bearbeiten kann und sie nicht zu schwer werden", sagt Dieter Lorenz. "Gelegentlich braucht man aber auch Niederschläge, denn die Winterfeuchte alleine reicht bei uns nicht aus." Die jährlichen 550 Liter Niederschlag pro Quadratmeter würden zwar für eine gute Ernte ausreichen, müssten aber gleichmäßig fallen, erklärt Lorenz. Und das war in diesem Jahr nicht der Fall.

Das Wetter im Frühjahr hat vor allem dem Mais zu schaffen gemacht. "Nasskaltes Wetter mag der Mais überhaupt nicht. Bis der Kolben kommt, braucht er sehr wenig Wasser. Das erklärt auch, warum er vor allem in südlichen Gefilden verbreitet ist", erklärt Lorenz. Im Spätsommer wiederum fehlte dem Mais im Endspurt der Niederschlag. "Wir hatten drei Wochen extreme Trockenheit, der Mais reifte schnell ab. Die Landwirte mussten sofort reagieren. So stand schon Mitte September kaum mehr etwas auf den Feldern", sagt Hans-Jürgen Rebelein. Die Maisernte fiel in der Region laut Hans Vetter sehr unterschiedlich aus, pauschale Aussagen seien daher kaum möglich.

Erntezeit ist aktuell bei den Kartoffeln. "Die Kartoffel ist ja mittlerweile mehr oder weniger die Exotenfrucht im Landkreis Lichtenfels", sagt Vetter. Stützen kann Hans-Jürgen Rebelein diese These mit Zahlenmaterial. Wurde die Knolle 1980 im Landkreis Lichtenfels noch auf über 1000 Hektar angebaut, sind es heute nur noch 23 Hektar. Immerhin auf einem Viertel Hektar bewirtschaftet Dieter Lorenz noch mit zwei anderen Landwirten ein Kartoffelfeld. Das Resümee für dieses Jahr fällt ernüchternd aus. "Die Erträge sind nicht toll, das Frühjahr war zu nass, dann war es lange Zeit zu trocken. Die Kartoffeln lagen wie einbetoniert in der Erde, haben keine Luft bekommen", erklärt Lorenz.


Preise nicht "weltberühmt"

Unabhängig von den klimatischen Bedingungen sieht es bei den Getreidepreisen aktuell nicht gut aus. "Die Preise sind nach wie vor sehr mau, aktuell gibt es zwölf Euro pro 100 Kilogramm Futtergetreide", sagt Rebelein. Die Preisbildung für Getreide sei sehr komplex und oft von globalen Ereignissen abhängig. "In Russland hatten sie dieses Jahr eine Spitzenernte, die drängen auch auf unseren Markt. Außerdem wird aktuell spekuliert, was die Maisernte in Amerika macht", weist Rebelein auf die Unwägbarkeiten des Weltmarkts hin. Während die Preise früher schon mal von Herbst bis Weihnachten gleich blieben, würde sich dies mittlerweile täglich verändern, so Rebelein.

Aufgrund der aktuell "nicht weltberühmten" Preise ist es laut Hans Vetter eine Option, Getreide bei entsprechender Kapazität zu lagern und erst im November oder später zu verkaufen: "Da ist der Markt möglicherweise wieder etwas besser. Aber am Ende sind das alles nur Spekulationen."