Reden, das können sie. Das stellen die beiden Radiomoderatoren Susanne Rohrer und Matthias Matuschik alias Matuschke nicht nur in ihren Kultsendungen bei Bayern 3 unter Beweis. Auch mit ihrem Kabarettprogramm "Wir müssen reden" - ein Satz, mit dem man jeden Mann problemlos in die Flucht schlagen kann, - fesselten sie im Michelauer Gemeindezentrum ihre zahllosen Zuhörer.


Es ist was faul im Staate Bayern

Viel Hirnschmalz haben die beiden in ihr Zweistundenprogramm investiert. Doch dabei geht es, und das betont Matuschke immer wieder, nicht um eine problembehaftete Beziehung zwischen den Geschlechtern - auch wenn sich die beiden auf der Bühne nicht ganz von ihrer Rolle als Mann und Frau freimachen können. Doch hinter den zahllosen Anspielungen verbirgt sich eine unterschwellige politische Botschaft. Da wird der Zeigefinger auf ironische und höchst amüsante Art in die Wunden und Kuriositäten unserer Gesellschaft gelegt. Denn da ist einiges faul, finden die Zwei.
"Wir haben uns zusammengesetzt und haben gesagt, wir lassen uns von nichts und niemandem beschneiden." Womit das erste Reizwort bereits gefallen ist. Über die Vorhaut spannt sich der Bogen zu nicht immer glücklichen Zoten über "Schwule" und "Zigeuner". Wobei, stellt Rohrer fest, diese Begriffe natürlich nicht mehr politisch korrekt seien.
Als Schuldige an die allgemeinen "Sprachverwirrung" machen sie die Grünen aus. Die hat Matuschke ebenso gefressen wie die Veganer. "Die sind doch nur zu blöd zum Jagen." Mancher Hardcore-Veganer sei längst auf Kai Pflaume umgestiegen. Und Umweltzonen und Elektroautos seien den beiden Autofetischisten sowieso ein Graus. Weiter geht's unter der Gürtellinie, denn, was Matuschkes Vorhäutchen, das sei Susannes Warndreieck.


Alle haben mehr Feiertage als wir

Das "Praeputium sanctum" der katholischen Kirche gibt Anlass zu Spekulationen hinsichtlich der Himmelfahrt von Jesus Christus: Mit oder ohne heilige Vorhaut? Da kennen die beiden kein Tabu - auch nicht, wenn es um die Zahl der religiös begründeten Feiertage geht. Zehn sind es bei den Evangelischen, elf bei den Katholischen, denn die feiern zusätzlich die Raumfahrt von Maria. Aber wäre da der Islam mit 17 Feiertagen nicht noch interessanter als das Christentum oder gar der Hinduismus mit 47?


Gefährlicher Kevinismus

Vorsicht ist auch angezeigt bei der Namensfindung für den Nachwuchs. So treten innerhalb der Bevölkerung immer mehr Symptome des Kevinismus auf. Besonders Lehrer scheinen davon betroffen zu sein. Ihr Negativ-Ranking lautet Kevin, Chantal, Jaqueline, Dustin und Justin.
Ausgiebig beleuchten die beiden unter Hintanstellung ihres Geschlechts ihre Gender-Rolle. "Wir haben jetzt Gender-Zeiten, und da kann ich mein Geschlecht wechseln, so oft ich will, bis hin zur mentalen Zwischenblutung" weiß Matuschke und wettert gegen Frauenparkplätze als gelebtem Sexismus. Nur mit den Toiletten im Gemeindezentrum ist das so eine Sache, denn die sind nicht gendergerecht. Und darf denn Mannheim noch Mannheim, oder Frauenaurach noch Frauenaurach heißen?


"Atemlos" durch den Abend

Zum Ende wird's richtig harmonisch, nicht nur, weil die beiden feststellen müssen, dass sie sich "ja so ähnlich" sind. Susanne Rohrer outet sich mit "Atemlos" als Akkordeon-Virtuosin und Matuschke legt mit "Die Sakristei ist dunkel, es brennt nur Kerzenlicht" noch eins drauf.
Sie sind eben nicht "Jenseits von Eden" die beiden. Deshalb würde man sich gern über eine Neuauflage der Pärchen-Comedy freuen.