1462 war ein schwarzes Jahr in der Geschichte Weismains: Eine verheerende Feuersbrunst richtete in der Jurastadt großen Schaden an. Auch die Kemenate von Heintz von Giech wurde ein Opfer der Flammen. An ihrer Stelle ließ er in der Niestener Straße ein Spital für alte und pflegebedürftige Menschen errichten, an dem in jüngster Zeit ganz gehörig der Zahn der Zeit genagt hatte. "Auf dem PVC-Boden im Obergeschoss standen die Wasserpfützen. Die Bleche um die vier Kamine herum waren undicht und so hatte es hereingeregnet", beschreibt Matthias Murrmann im Gespräch mit unserer Zeitung den Zustand.
Gemeinsam mit seinem ehemaligen Schulfreund Bernd Knauer, dessen Elternhaus sich in der Niestener Straße befindet, hatte sich der Architekt aus dem Weismainer Ortsteil Bernreuth entschlossen, das historische Gebäude, das sich im Besitz der von der Stadt verwalteten Wohltätigkeitsstiftung befand, zu erwerben und zu sanieren. Am Montagabend gab der Bauausschuss grünes Licht für das Vorhaben.


283 Quadratmeter Wohnfläche

"Wir wollten schon lange etwas gemeinsam machen, was der Altersvorsorge dient. In einem barocken Gebäude entstehen in enger Absprache mit der Denkmalpflege vier barrierearme Wohnungen: im Untergeschoss zwei Zwei-Zimmer-Wohnungen, im Obergeschoss eine Drei- und eine Zweizimmerwohnung", geht der Experte ins Detail. Die Wohnfläche beziffert er auf insgesamt 283 Quadratmeter. Den Ausführungen Murrmanns zufolge wird die alte Treppe durch eine zweiläufige mit einer Breite von 1,10 Metern ersetzt. "Ein älterer Herr oder eine ältere Dame kann so mit einer Begleitperson problemlos in den ersten Stock gelangen. Auch eine Nachrüstung mit einem Treppenlift ist problemlos möglich", erläutert der Architekt. Zu jeder Wohnung gehört ein Abstellraum mit einer Größe von rund zwölf Quadratmetern. Untergebracht sind diese in einem Nebengebäude. Auch der Dachboden kann als Abstellfläche genutzt werden.
Wie sieht es mit Stellflächen aus? "Es werden acht Parkplätze geschaffen. Vier entlang der Niestener Straße und vier im Innenhof." Zu der 450 Quadratmeter großen Außenfläche gehört laut Murrmann neben den bereits genannten Parkplätzen auch eine Rasenfläche. Der Architekt schwärmt von der barocken Außenfassade mit ihrem Sandsteingewand und den Fledermausgauben an der Südseite. "Letztere sind ortsprägend und typisch für Weismain." Bis zum April oder Mai nächsten Jahres soll das Weismainer Spital in neuem Glanz erstrahlen ohne seinen "historischen Charme", wie es Murrmann formuliert, zu verlieren.
"Das ist eine gute Sache", schwärmte Bürgermeister Udo Dauer (CSU). Zudem erläuterte er dem Gremium die Gründe, warum man sich zu einer Veräußerung entschlossen habe. Die von der Stadt verwaltete Wohltätigkeitsstiftung habe aufgrund des geringen Eigenkapitals und der geringen Erträge ihren Stiftungszwecke nicht mehr erfüllen können. Bis auf die Waldbewirtschaftung habe man keine Erlöse generieren können. "Eine Sanierung des Spitalgebäudes war finanziell nicht mehr durchführbar gewesen. So entschieden wir uns für einen Verkauf."
Stadträtin Jasmin Schardt (Bündnisgrüne) freute sich darüber, dass man für die Schaffung von Wohnraum einen Leerstand beseitigt und kein Land verbraucht habe.


Kinderhort für 25 Plätze

In der jüngsten Bauausschusssitzung ging es Schlag auf Schlag - folgte ein wichtiges Bauvorhaben auf das nächste. Der Kinderhort der Children Time GmbH am Weismainer Stadtgraben platzt aus allen Nähten. Und so entschloss sich die Leiterin der Einrichtung, Erika Dauer, ein 1200 Quadratmeter großes Grundstück mit Wald oberhalb der Heinrichshöhe im Neubaugebiet Kalkberg II, von der Stadt zu erwerben. Dort soll ein Kinderhort für 25 Buben und Mädchen entstehen. Der Ausschuss erteilte einstimmig das gemeindliche Einvernehmen für die Bauvoranfrage.
Im Gespräch mit unserer Zeitung zählte Erika Dauer noch weitere Gründen für den geplanten Umzug auf: "Im Stadtgraben verfügen wir über keinerlei Außenflächen. Außerdem wollen wir unsere pädagogischen Ansätze weiterentwickeln und uns noch mehr als bisher integrativer ausrichten." Die Planungen sehen ein zweigeschossiges Gebäude mit einer Nutzfläche von 160 Quadratmetern vor, das in Holzständerbauweise errichtet werden soll. Im Januar nächsten Jahres soll der Umzug erfolgen. "Es wird auf jeder Etage zwei Gruppenräume geben. Dazu gesellen sich unter anderem ein Intensivraum für eine gezielte Förderung bestimmter Kinder, eine große Essküche, ein Labor, ein Musikzimmer, Toiletten und ein Büro", erläuterte Erika Dauer.
Auch die Kindergartengruppe, die derzeit im Hort untergebracht ist, soll mit in die Josef-Rebhan-Straße umziehen. Zukünftig soll viel mit den Kleinen im Freien unternommen werden. Für denkbar hielt es Dauer, im Garten ein Gemüsebeet anzupflanzen oder ein Lager im dazugehörigen Wald zu bauen. Auch einen Namen hat der neue Hort bereits: "Eine Mama hat sich ein wunderschönes Logo einfallen lassen, auf dem steht: ,Haus für Kinder - Waldspatzen‘". Bereits 2012 hatte sich Erika Dauer mit dem Gedanken getragen, umzuziehen. Schon damals hatte sie eine Bauvoranfrage eingereicht, die das gemeindliche Einvernehmen erhalten hatte. "Damals ließ sich ein Umzug nicht realisieren, da ich das Grundstück auf der Heinrichshöhe wider Erwarten nicht erhalten hatte."
Die Pflege Fischer GmbH in Weismain betreibt bereits erfolgreich einen Pflegedienst und eine Einrichtung für Tagespflege in der Weismainer Sandleite. Nun soll dort eine Seniorenresidenz hinzukommen. Auch gegen dieses Vorhaben regte sich kein Widerstand im Gremium. Ganz im Gegenteil - es wurde einhellig begrüßt. Bürgermeister Udo Dauer stellte mit Blick auf den geplanten Neubau des Kinderhorts und der Seniorenresidenz fest: "Sowohl bei den Kindern als auch bei den Senioren decken wir die gesamte Betreuungskette ab."


Betreutes Wohnen geplant

Bei der Seniorenresidenz handele es sich laut Dauer um eine Einrichtung für betreutes Wohnen. Die geplante Einrichtung verfügt über insgesamt fünf Geschosse. Im Kellergeschoss sollen die Haustechnik und die Lagerräume untergebracht werden. Das Untergeschoss ist für Pflegezimmer mit Einzel- oder Doppelbetten vorgesehen. Die Pflege erfolgt rund um die Uhr. Für das Erdgeschoss und das Obergeschoss sieht die Planung jeweils acht bis zehn Appartements für betreutes Wohnen vor. Die Wohnfläche beträgt jeweils 35 bis 60 Quadratmeter. Des Weiteren ist eine Parkanlage für die Bewohner zur Erholung angedacht.