Ein Kellerfund bringt Licht ins Dunkel der Lokalgeschichte: In einem feuchten Gewölbe des ehemaligen Landratsamts wurden 2013 alte Akten gefunden, weil das Gebäude umgebaut werden soll. Die Papiere waren in keinem guten Zustand. Staub und Feuchtigkeit hatten ihnen sehr zugesetzt, so dass sie modrig geworden waren.

Um herauszufinden, ob die Rechnungen, Quittungen, Protokolle, Zeichnungen und Statistiken einen Wert haben, schaltete Hans Vetter, der mit dem Umbau befasste Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die Staffelsteiner Stadtarchivarin Adelheid Waschka ein. Sie sah die vergilbten Papiere durch und kam zu dem Schluss: Diese Akten gehören ins Staatsarchiv Bamberg.

Dort sind sie inzwischen auch. Im September 2013 nahm Archivoberrat Klaus Rupprecht die Lieferung in Empfang. "Wir sind zuständig für die Archivierung der Unterlagen von Staatsbehörden", sagt er, "denn zu unserer Kernaufgabe gehört es, die Akten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen." Doch zunächst einmal landete die Lieferung aus Bad Staffelstein für ein halbes Jahr im Trocknungsraum des Staatsarchivs. Mit einer speziellen Absauganlage wurde verschmutztes Material entfernt.

Konserviert und katalogisiert

Inzwischen sind die Staffelsteiner Aktenbündel nicht nur getrocknet und vom Staub befreit, sondern auch nach dem Einheitsaktenplan katalogisiert. Bis es jedoch soweit war, hatten Klaus Rupprecht und sein Team viel zu tun. Die Dokumente waren wohl jahrzehntelang in dem Landratsamtskeller vergessen worden. "Sie waren konservatorisch in einem miserablen Zustand", kommentiert Rupprecht. Seine nun folgende Aufgabe beschreibt er so: "Sichten, was ist potenziell archivwürdig und was können wir zu unserem ursprünglichen Bestand des Bezirks- und Landratsamts Staffelstein hinzufügen."

Nicht alles wird aufbewahrt

Nachdem die Papiere konservatorisch aufbereitet waren, konnte er sich ans Bewerten und Sortieren der neu hinzu kommenden Akten machen. Denn nicht alles, was angeliefert wird, ist wert, aufbewahrt zu werden. Unter den Staffelsteiner Papieren fand Klaus Rupprecht jedoch etliche interessante Dokumente aus der Zeit des Dritten Reichs und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Rundschreiben der Gestapo sind darunter und Berichte von Polizeibeamten, die in evangelische Kirchen entsandt wurden, um dort Spitzeldienst zu leisten und Rapport über die Predigt des Pfarrers abzugeben. Aus anderen Schriftstücken ergibt sich ein Bild des Flüchtlingswesens bei Kriegsende. Wo waren die Menschen untergebracht, wie wurden sie ernährt? Ein Wirtschaftsamt im Landratsamt hatte die Federführung bei diesen Fragen.

"Hilfswerk Zapfendorf"

Archiviert hat Klaus Rupprecht alle Schriftstücke über die ersten Gemeinderats- und Landratswahlen der Nachkriegszeit. Die Papiere geben eine detaillierte Momentaufnahme jener Zeit, etwa was den Wiederaufbau von Brücken und Verkehrsinfrastruktur betrifft. Daraus lässt sich auch ersehen, dass es damals ein "Hilfswerk Zapfendorf" gab, das es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Spenden für den Wiederaufbau des Ortes zu erwirtschaften, der am 1. April 1945 bombardiert worden war.

"Diese Akten ergänzen unsere Bestände", sagt Rupprecht. Aus dem Schriftverkehr über den Wiederaufbau lasse sich unter anderem ganz gut herauslesen, woher das Hilfswerk seine Gelder generierte, erklärt er. Spendenquittungen dokumentieren, dass man damals Tanzveranstaltungen organisierte, deren Erlöse zweckgebunden in den Wiederaufbau flossen.

Nicht nur hand- oder maschinengeschriebene Manuskripte finden sich zwischen den Aktendeckeln, sondern auch Zeichnungen - etwa der Aufriss einer Holzkonstruktion zum Wiederaufbau der Mainbrücke bei Ebensfeld vom 6. August 1945.

Sorgsam archiviert wurden auch jene Akten, die das Haushalts- und Kassenwesen des Landkreises Staffelstein und seiner Gemeinden sowie die Statuten der nach dem Krieg neu oder wieder gegründeten Vereinen betreffen. Ein Fundus, aus dem mancher Wissenschaftler schöpfen kann, wenn er die Zeitgeschichte der Region am Obermain erforschen möchte.


Staatsarchiv Bamberg

Sprengel Das Staatsarchiv Bamberg bewahrt Akten und Schriftstücke aus dem heutigen Regierungsbezirk Oberfranken (ohne kreisfreie Stadt und Landkreis Coburg) auf.

Bestände Die Archivalien stammen aus den im östlichen Teil des ehemaligen Fränkischen Reichskreises gelegenen Territorien, insbesondere vom Hochstift und Domkapitel Bamberg und vom Markgraftum Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth, zudem von staatlichen Mittel- und Unterbehörden sowie Gerichten im Regierungsbezirk Oberfranken ab Anfang des 19. Jahrhunderts.
Umfang Im Staatsarchiv in der Bamberger Hainstraße 39 sind rund 22 600 laufende Meter mit ca. 2,3 Millionen Archivalieneinheiten eingelagert. Aus dem ursprünglichen Bestand des früheren Bezirks-, bzw. Landratsamts Staffelstein befinden sich rund 5000 Akten in den Regalen.

Kontakt Per E-Mail ist das Staatsarchiv unter der Adresse poststelle@staba.bayern.de zu erreichen. Weitere Angaben zu den Beständen sowie über Öffnungszeiten und Nutzungsbedingungen finden Sie unter www.gda.bayern.de im Internet.