Sie ist bekannt für ihre schrille Farbe: die Warnweste. In den meisten EU-Ländern, wie zum Beispiel Frankreich, Spanien und Italien, ist das Mitführen in Pkw und Lkw schon lange Pflicht. Seit dem 1. Juli gilt dies auch in Deutschland. Von diesem Gesetz sind alle Fahrzeuge, ausgenommen Krankenwagen und Arbeitsmaschinen, betroffen. Diese Weste verbessert bei einem Unfall oder einer Panne die Sichtbarkeit des Trägers und kann tödliche Folge-Kollisionen verhindern. Denn Sichtbarkeit bedeutet auch Sicherheit.

Nur Mitnahmepflicht

Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern gilt in Deutschland nur die Mitnahmepflicht. Das heißt: Das Anziehen der Weste bleibe freiwillig , und es sei keine Verhaltensvorschrift gegeben, erklärt der Lichtenfelser Polizeihauptkommissar Jürgen Kremer. Wo die Weste aufbewahrt wird, bleibe ebenfalls dem Fahrer überlassen. Jedoch empfiehlt die Polizei, sie nicht im Kofferraum, beim Verbandskasten, zu verstauen.

Im Passagierraum sei die Weste jederzeit griffbereit, so dass sie notfalls bereits beim Aussteigen zur Hand ist.
Bei den polizeilichen Kontrollen werde kein Schwerpunkt auf die Warnweste gelegt, fährt Kremer fort, sie sei aber seit Anfang Juli in der ganzheitlichen Verkehrsüberwachung mit inbegriffen. Wenn die Warnweste fehle, werde ein Bußgeld von 15 Euro erhoben.

Farbe und Norm sind wichtig

Es gebe bestimmte Richtlinien und Normen, denen Warnwesten entsprechen müssen. Erlaubt seien die Farben Gelb, Rot und Orange mit Reflektorstreifen. Außerdem müsse die Kennzeichnung EN 471 oder EN 20471 vorhanden sein, betont Kremer. Diese befinde sich auf dem Etikett an der Innenseite der Warnweste. Pro Fahrzeug müsse nur eine Weste vorhanden sein. Sinnvoll sei es jedoch, wenn alle Mitfahrer mit Westen versorgt wären.
Neben der Polizei wird der TÜV ebenfalls bei der Fahrzeugüberprüfung und Hauptuntersuchung darauf achten, dass neben Verbandskasten und Warndreieck eine Weste vorhanden ist.

Die Versicherungen konnten sich zu dem Thema noch nicht eindeutig äußern: Die Schadensabdeckung sei immer vom Verlauf des Unfalls, beziehungsweise der Panne und nicht vom Tragen einer Warnweste abhängig, erklärt Holger Brendel, Pressesprecher der HUK-Coburg.

Umsatz für Verkäufer

Dass die Bürger, die neue Regelung ernst nehmen, zeigt sich an den Verkaufszahlen bei den Geschäften. Markus Meißner, Leiter Öffentlichkeitsarbeit und interne Kommunikation des Auto-Zubehörhändlers ATU, erklärt, dass die Nachfrage der Kunden seit dem Einführen der Warnwestenpflicht stark gestiegen sei. "Es musste viel nachgeliefert werden, und vorsorglich wurden die Lager gefüllt."

Zu Engpässen werde es aber nicht kommen, versichert Meißner. Außerdem verweist er auf eine Pressemitteilung, in der die Firma ATU allgemeine Informationen und Empfehlungen zum Gesetz veröffentlicht hat.
Fazit: Wichtig ist, dass die Warnweste die vorgeschriebenen Normen erfüllt und griffbereit im Auto gelagert wird. So ausgestattet kann der Fahrer ohne schlechtes Gewissen den Verkehrskontrollen entgegensehen. Und sollte eine Panne eintreten, kann der Fahrer seinen Wagen mit gelber, roter oder orangefarbener Warnweste absichern und reparieren - oder warten, bis der Abschleppdienst kommt.





Eine Verhaltensregel gibt es nicht

In Österreich ist die Warnweste für den Fahrer verpflichtend. Bei schlechter Sicht müssen die Westen auf der Landstraße übergezogen werden. Die Strafe liegt zwischen 14 und 36 Euro.

In Belgien ist die Warnweste für Auto- und Motorradfahrer Pflicht. Die Geldbuße beträgt mindestens 50 Euro. Wer bei einer Kontrolle keine Weste dabei hat, wird aber nicht belangt.

In Frankreich gibt es die Mitnahme- und die Tragepflicht: Auch Mitfahrer müssen Warnwesten noch vor Verlassen des Fahrzeugs anziehen. Strafe: mindestens 90 Euro. Motorräder und Quads sind ausgenommen.

In Italien sind für den Fahrer außerhalb geschlossener Ortschaften auf der Fahrbahn Westen Pflicht. Strafe bei Nichtbeachtung: mindestens 41 Euro. Motorradfahrer sind ausgenommen. Kontrolliert wird aber anders als in Deutschland nur die Tragepflicht, nicht die Mitnahme.

In Kroatien müssen Auto- und Motorradfahrer außerhalb geschlossener Ortschaften eine Weste dabei haben und bei Pannen und Unfällen überziehen. Verstöße werden aber nicht geahndet.

In Portugal riskieren Auto- und Motorradfahrer, die keine Warnweste dabei haben, Geldbußen von 60 bis 300 Euro. Wer im Notfall auf der Fahrbahn keine trägt, sogar 120 bis 600 Euro.

In Spanien müssen Fahrer von Autos, Omnibussen und Lastwagen Westen tragen, Moped- und Motorradfahrer hingegen nicht. Geldbuße: bis zu 100 Euro. dpa