Es war nicht irgendein Fahrstuhl, sondern es war der Fahrstuhl, den der Chef benutzte, um zu seinem Büro zu kommen. "Da hatten Leute immer wieder Schilder aus der Anzeigentafel herausgenommen", erinnert sich Norbert Fuhrmann. Und Adalbert Neubert habe natürlich darauf gedrängt, dass das in Ordnung gebracht wird. So fragten alle beim Lieferanten - erst der Hausmeister, dann ging es die Hierarchieleiter hinauf, bis zum Chef selber, denn mit einer Lieferzeit von zwölf Wochen wollte man sich nicht abfinden. Und auch Adalbert Neubert muss wohl gescheitert sein. "Wen er am Apparat hatte und wie das Gespräch ablief, weiß ich natürlich nicht", sagt Fuhrmann.
Das ist ein Teil der Geschichte, der quasi direkt zum Flughafen führt, denn Fuhrmann lieferte schneller und das Möbelhaus wurde so das erste Referenzprojekt für die junge Firma.
Fuhrmann studierte in Stuttgart Marketing-Design, verdiente sich nebenbei Geld in einer Schilder-Firma - und führte später eine Filiale in Albstadt der Unternehmensgruppe Heinrich Schmid, einem der größten Malerunternehmen in Deutschland. Denn der 55-Jährige ist auch Malermeister, da spielt der familiäre Hintergrund mit hinein, seine Eltern haben ein Malergeschäft in Weidhausen bei Coburg: "Dort bin ich geboren und aufgewachsen."
Aus familiären Gründen zog es ihn 1988 aus Schwaben nach Weidhausen zurück, wo er sich selbstständig machte. Die Firma Fuhrmann Werbeservice bestand zunächst aus einem Mann und einem Lehrling, erinnert er sich, wenn er zusätzliches Personal benötigte, konnte er auch auf Mitarbeiter seines Vaters zurückgreifen. Aber schon damals flossen hier mehrere Dinge zusammen: Sein Studium, seine Erfahrung in der Abwicklung von Großprojekten, die handwerkliche Ausbildung. So wuchs der Betrieb kontinuierlich, heute hat er 20 fest angestellte Leute, dazu kommt noch einmal die selbe Anzahl an externen Mitarbeitern, die regelmäßig für das Unternehmen tätig sind. 2001 zog man nach Lichtenfels um.
Als eine der ersten Firmen in Deutschland schaffte sich der Betrieb Ende der 1980er-Jahre einen Plotter an, eine Schneidemaschine für Folien. "Der Vertriebsleiter war damals ganz erstaunt, wo er das Gerät aufstellen lassen sollte. Sie leben hier doch auf dem Land, was machen sie hier damit, fragte er mich", erinnert sich Fuhrmann. "Wissen sie", antwortete er, "die Kühe sind bei uns alle weiß, wir plotten die Folien, damit die die braunen Flecken bekommen."
Doch dieses Gerät lieferte die Qualität, um anspruchsvolle Kunden zufriedenstellen zu können. So gelangte Fuhrmann in den Kreis derjenigen, die große Projekte umsetzen - und im Unternehmen sammelte sich immer mehr Know-How über die Abwicklung solcher Vorhaben an. Inzwischen macht allein die Arbeit für Flughäfen mit visuellen Leitsystemen ein Drittel des Geschäftes aus. "Hier geht es nicht darum, wer das Schild am billigsten liefert." Solche Projekte müssen im laufenden Betrieb abgewickelt werden - was bei einem komplexen Gebilde wie einem Flughafen vor allem reibungsloses Arbeiten vor Ort erfordert. In Abi Dhabi, Bangalore (Indien), Leipzig, Köln-Bonn und Athen finden sich Schilder aus Lichtenfels, in diesem Jahr wird Casablanca hinzukommen. Abgehoben hat Norbert Fuhrmann nicht. Er fertigte auch die Schilder für das Radwegenetz im Kreis Bamberg. "Und wenn ein Bäcker zu mir kommt und zwei Schilder braucht, bekommt er die auch."