"Kjak, Kjak". Der unverkennbare Ruf eine Dohle durchbricht die Stille des Waldes. "Ihr Warnlaut klingt hell und metallisch”, erklärt Gebietsbetreuer Norbert Wimmer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg. Gemeinsam mit seinem Chef, Forstdirektor Oliver Kröner, Bernd Flieger von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Lichtenfels und Forstwirt Alfons Will macht er sich im Kleinziegenfelder Tal auf die Suche nach dem Vogel des Jahres 2012. In einem Waldstück, dass dem Waldbauern gehört, wird das Quartett fündig: Hoch oben in den Wipfeln der 120 bis 140 Jahre alten Buchenbäume sitzt auf einem Ast ihr "Objekt der Begierde".

Während andernorts die Dohlenbestände rückläufige Tendenzen aufweisen, hat sich im Landkreis Lichtenfels aufgrund seiner kleinstrukturierten Landwirtschaft ein stabiler Bestand erhalten, den Wimmer auf 300 bis 500 Brutpaare schätzt. Darüber hinaus hat der Landkreis noch eine Besonderheit aufzuweisen, auf die Flieger aufmerksam macht: "Hier findet man Dohlen noch in ihrem ursprünglichen Lebensraum: in Felsnischen und Bäumen. Dabei nützen die Vögel die geräumigen Schwarzspechthöhlen zur Brut." Bayernweit, so der Experte, gebe es nur noch wenige Buchenbestände, in denen die Voraussetzungen für solche Baumbrüter unter den Dohlen gegeben seien. Eine solche Kolonie, deren Größe Wimmer auf sechs Brutpaare schätzt, lebt im Kleinziegenfelder Tal.

Hier fühlen sich die Tiere wohl. Lichtdurchflutete Buchenwälder mit offenen Bodenflächen und alten Baumbeständen, die Teil eines europäischen Vogelschutzgebietes sind, bieten ihnen den idealen Lebensraum. "Hier können Sie dem Habicht, der es auf sie abgesehen hat, besser entkommen", führt Wimmer als Grund an. Mit seiner linken Hand deutet er auf die alten Schwarzspechthöhlen, die man in so manchem Baum findet und die einen Durchmesser von 20 bis 40 Zentimeter haben. In den Höhlen der alten, morschen Bäume herrscht eine ideales Mikroklima. "Es ist wie geschaffen als Kinderstube für die Dohlen", sagt Wimmer. Seit Jahren beschäftigt er sich beruflich mit solchen Baumhöhlen. Darin fühlten sich nicht nur Dohlen, sondern auch andere Folgebesiedler, wie Eichhörnchen, Fledermäuse, Hohltauben, Hornissen Stare oder Rauhfußkautze wohl. "Letztere verwenden die Höhlen nicht nur zur Aufzucht ihrer Jungen, sondern auch als Nahrungsdepot. Bis zu 20 Mäuse findet man in einer solchen Höhle."

Dem Freistaat Bayern liegt der Erhalt solcher Biotope am Herzen. Da diese sich zumeist in Privatbesitz befinden, müssen die Forstwirte mit ins Boot geholt werden. Einer von ihnen ist Alfons Will aus Kleinziegenfeld. Er hat sein fünf Hektar großes Buchenidyll zur Verfügung gestellt, um "einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten", wie er sagt.

Der Waldbauer hat sich entschlossen, fünf Jahre lang keine Buchen mehr zu fällen. Dafür erhält er im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms eine finanzielle Entschädigung von jährlich 80 Euro pro Hektar. Voraussetzung dafür ist: Auf einem Hektar müssen sich sechs Biotopbäume für Folgebesiedler befinden. Bei Will ist das der Fall. "Das Programm lebt von Leuten, wie Herrn Will, die auf einen Teil ihrer Bewirtschaftungsfreiheit verzichten", freut sich Forstdirektor Kröner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg.
Das Gros der Dohlen im Landkreis Lichtenfels lebt jedoch nicht in einem Buchenwald. Als Kulturfolger haben sich die Vögel in der menschlichen Nachbarschaft gut eingerichtet. Hohe Gebäude boten ihnen vorzüglichen Unterschlupf und Weiden, Felder und Wiesen einen reich gedeckten Tisch mit Käfern, Heuschrecken, Würmern und Schnecken. Die Tiere sind bei Hausbesitzern nicht gern gesehen, nisten sie doch mitunter in Kaminen. Wie kann ein harmonisches Miteinander zwischen Mensch und Dohle gelingen? "In dem man Nistkästen am Haus anbringt oder an einem Baum aufhängt", empfiehlt Wimmer. "In Kloster Banz hat das hervorragend geklappt. Die Tiere haben sich an die Touristenströme von nah und fern gewöhnt."