In Wolfgang Fischer, einem engagierten Heimatforscher und Bewahrer fränkischen Kulturguts, fanden rund 40 Teilnehmer einen hervorragenden Kenner der Geschichte Döringstadts. In seinem gedanklichen Streifzug nahm er die Exkursionsteilnehmer der Kulturinitiative mit in das späte Mittelalter und in die Barockzeit. Dabei verknüpfte er Vergangenheit und Gegenwart der Döringstadter gekonnt miteinander.
Zunächst ging er auf sein eigenes Haus ein, auf die ehemalige dompropsteiliche Amtsvogtei. Seine Vorfahren hatten das mächtige Gebäude mit den meterdicken Wänden im Erdgeschoss und dem Fachwerkaufbau des Obergeschosses nach der Säkularisation 1803 erworben. Fischer sanierte das denkmalgeschützte Gebäude mit großem Aufwand und schuf seiner Familie ein wohnliches Heim.
Besonderen Schutz genössen Kulturdenkmale von hervorragender Bedeutung, sagte der Referent. Sie würden von der Höheren Denkmalschutzbehörde im Denkmalbuch geführt. Dazu zähle auch die Propstei, die eine überörtliche Bedeutung habe.
Der alte Weinstock vor dem Haus erinnere daran, dass einst in Döringstadt Weinbau betrieben wurde. Die Äbte von Banz und Klosterlangheim hätten den Rebensaft gern getrunken, sagte Fischer, und es sei bestimmt kein Sauerampfer gewesen, der in Döringstadt angebaut wurde.
Der Rundgang begann an der Hinweistafel in der Ortsmitte, die im Zuge der Dorferneuerung vom Amt für Ländliche Entwicklung im Rahmen der 1200-Jahr-Feier dort aufgestellt worden war. Von hier aus führt ein Rundweg mit beschilderten Einzelobjekten durch das Dorf und die Flur. Wolfgang Fischer ermunterte die Teilnehmer anhand der markanten historischen Punkte, die Geschichte Döringstadts in einem Spaziergang selbst zu erkunden.
Anschließend führte er die Gruppe in die Pfarrkirche St. Martin. Das Gotteshaus mit Wehrturm und innerer Befestigungsanlage sei mit der Siedlungsgeschichte des Orts untrennbar verbunden. Fischer datierte den Bau des ursprünglichen Gotteshaues in das 8. Jahrhundert. Döringstadt selbst sei 792 erstmals in einer Schenkungsurkunde erwähnt worden. Der heutige Kirchenbau sei 1412 entstanden. Wolfgang Fischer machte auf eine Tafel am Kirchturm aufmerksam, die an eine Niederbrennung des Dorfes im Jahr 1553 erinnert. Diese Plünderung falle in die Zeit der Markgrafenkriege von 1552 und 1553.
Unter Büschen verborgen ist ein Teil des Etterwegs in Döringstadt erhalten, der von besonderem historischen Wert sei und unter Denkmalschutz stehe. Wolfgang Fischer erklärte das "Gässlein", wie solche Wege in Oberfranken genannt würden. In seiner modellhaften Ausprägung verlaufe er als öffentlicher Weg zwischen zwei Zäunen oder Hecken, von denen die äußere die Flur begrenze und damit das Eindringen von außen verhindern solle, während die innere Begrenzung verhindere, dass Kleinvieh das Hofareal verlasse. Der Etterweg in Döringstadt sei inzwischen leider zu großen Teilen überbaut.
Schließlich passierte die Gruppe das Geburtshaus von Pater Lunkenbein, dem "großen Sohn Döringsstadts". Der Salesianenpater werde als ein Vertreter der "Theologie der Befreiung" angesehen, sagte Fischer, und besonders sein Einsatz für die Armen in Brasilien habe ihn bekannt gemacht. Nach dem Dreischritt "Sehen - Urteilen - Handeln" habe er dem Stamm der Bororos mit Hilfe zur Selbsthilfe das Überleben ermöglicht. Lunkenbein sei von habgierigen Großgrundbesitzern 1976 erschossen worden. Seine Seligsprechung werde vorbereitet.