Wäre Albert Klein Lehrer, er würde seiner Firma die Note "befriedigend" für das abgelaufene Geschäftsjahr geben. Befriedigend - das klingt nach Durchschnitt. So ist es im Schnitt - aber dann wieder doch nicht.
Das Wichtige vorweg: Bei Baur wird weiter Geld verdient, die Umsatzrendite liegt bei rund fünf Prozent, sagte Klein, Vorsitzender der Baur-Geschäftsführung, bei der Vorstellung der Bilanz für das Geschäftsjahr 2016/17. Es endete im Februar dieses Jahres.


Verluste bei der Kernmarke

Nach Jahren konstanten Wachstums beim Umsatz verzeichnet Baur einen leichten Rückgang von zwei Prozent von 683 auf 667 Millionen Euro. Besonders die Kernmarke, den Baur-Versand, hat es mit rund sechs Prozent Umsatzrückgang besonders getroffen, so Klein. Ein schwacher Geschäftsjahresauftakt sowie ein sehr schlechter September, bei dem vor allem Damenbekleidung schlecht gelaufen sei, habe auf den Umsatz gedrückt. Das habe man im Verlauf der weiteren Monate nicht mehr auffangen können. Gut sei es dagegen im Dienstleistungsgeschäft gelaufen, wie bei der Tochterfirma Baur Fulfillment Solutions (BFS).
Die Zahl der Mitarbeiter liegt bei rund 3900 Personen - und damit um 110 höher als im Vorjahreszeitraum. Etwas über 3500 davon in Oberfranken, überwiegend im Raum Burgkunstadt, Altenkunstadt und Weismain. Knapp 400 sind bei der Tochterfirma Unito beschäftigt, unter deren Dach verschiedene Marken wie Quelle und Otto online in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben werden. Unito plant für 2017 den Marktstart von Otto in der Schweiz. Bei Unito sei man mit der Umsatzentwicklung von plus zwei Prozent ebenfalls sehr zufrieden, betonte Klein.
Klein ist optimistisch, dass man im laufenden Geschäftsjahr den Umsatz auf über 700 Millionen Euro ausbauen wird. Unter anderem plant Baur erstmals einen neuen Logistikstandort für BFS außerhalb von Oberfranken. Man stehe in Verhandlungen in Nordrhein-Westfalen, um dort die Nähe zu pontenziellen Kunden zu haben und leichter Arbeitskräfte zu finden, was im Landkreis Lichtenfels und angrenzenden Regionen immer schwerer falle, sagte Olaf Röhr, Geschäftsführer "Abwicklung und Dienstleistungen".


Potenzial besser ausschöpfen

Baur will zudem im Versandhandel sein Kundenpotenzial besser ausschöpfen, sagte Albert Klein. Der Focus werde weiter auf Frauen im Alter von 40 bis 50 Jahren liegen. Aber man müsse überlegen, wie man stärker neue Kundinnen gewinnen könnte. Eine neue, bessere Softwareplattform für die Webshops habe in den letzten Wochen schon dazu beigetragen, dass sich die Umsätze sehr erfreulich entwickelt hätten. Dazu ging im März die neue "Angebotswelt Lifestyle" online. Damit will Baur seine Zielgruppen anders ansprechen - mit Themenwelten, bei denen es auch um Beratung und Inspiration geht. "Wir wollen, dass unsere Kunden auch untereinander über uns sprechen."