Eine Krankenschwester der Klinik in Dresden sollte ihn dabei fotografieren, als ihm Stammzellen aus seinem Blut gefiltert wurden. Das Bild hat Marcel Straub dann auf Facebook gepostet. Im Internet erreichte seine Nachricht binnen kürzester Zeit Tausende von Menschen - genau das wollte er. "Es wäre toll, wenn es für jeden Blutkrebspatienten einen Spender gäbe", sagt er. Dazu müssten sich mehr registrieren lassen, und dann auch den Weg mitgehen, wenn sie ausgewählt werden. Davon will der 23-Jährige aus Bad Staffelstein offen erzählen, um das Ganze bekannter zu machen und vielleicht manchem die Scheu zu nehmen.

Mit einem Stäbchen kann man den Abstrich im Mund selbst machen. Die Utensilien dazu bekommt man auf Wunsch und schickt alles wieder an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zurück. Damit ist man mit seinen grundlegenden Gewebemerkmalen registriert.

Die Registrierung lag bei Marcel Straub schon gut zwei Jahre zurück, als er Post bekam. Er erinnert sich noch genau an den Brief, den er am 27. September erhielt. "Es war ein richtig großer Brief", sagt er, und als er den Absender sah, ahnte er schon, was es sein könnte. Er war als potenzieller Spender ermittelt worden. Es gebe nach den bekannten Werten eine 80-prozentige Übereinstimmung, in der engeren Auswahl befänden sich aber noch 13 weitere Personen. Eine Blutprobe beim Hausarzt sollte einen genaueren Abgleich ermöglichen. "Die DKMS hat sich um alles gekümmert", erzählt er. Als ihm zwei kleine Röhrchen Blut abgenommen wurden, wartete vor der Praxis bereits ein Kurierfahrer.

Am 24. Oktober kam ein kleinerer Brief mit noch wichtigerer Botschaft: "Da stand, dass ich der potenzielle Stammzellenspender für eine Frau aus Kanada bin, mit 100-prozentiger Übereinstimmung!" Er habe sich gefreut, sei aber auch ein bisschen aufgeregt gewesen, denn nun wurde es ernst. Man erklärte ihm, dass der Zeitpunkt der Spende mit dem Befinden der Empfängerin zusammenhängt. Im November war es soweit: eine Voruntersuchung in Dresden, dann der Termin für die Stammzellenentnahme am Nikolaustag. Vorher sorgte ein an vier Tagen in die Bauchdecke gespritztes Medikament dafür, dass die gewünschten Zellen aus dem Beckenknochen ins Blut übergehen. Dieses Verfahren ist die Alternative zum Punktieren der Beckenknochen unter Vollnarkose; der Spender kann wählen. Die Nebenwirkungen waren ihm erklärt worden: grippeähnliche Symptome mit Gelenkschmerzen und Schwächegefühl. "Nicht der Rede wert, wenn man weiß, dass man damit Leben retten kann", findet Marcel. Die Spende selbst, das Herausfiltern der benötigten Zellen aus dem Blut, habe bei ihm weniger Zeit als üblich in Anspruch genommen. Er konnte nicht mal den James-Bond-Film, den er sich aus dem Klinikfundus ausgesucht hatte, zu Ende gucken...

In einer Kühlbox wurde die kostbare Luftfracht sofort losgeschickt. Inzwischen müsste die Patientin ihre Chance zum Weiterleben bekommen haben. Er möchte der Unbekannten einen Brief schreiben, ihr alles Gute wünschen. Zumindest wird er erfahren, ob ihr Körper die Zellen angenommen hat. Er würde seinen genetischen Zwilling auch gerne kennen lernen. Das ist in Deutschland nicht vor Ablauf von zwei Jahren möglich. Wie auch immer. Marcel Straub könnte sich auf alle Fälle vorstellen, noch einmal Stammzellen zu spenden.