Seit vielen Jahren hatte Bernhard Schug genau so ein Fahrzeug gesucht. Der Bauer aus Horsdorf, der gute Verbindungen in der Bulldog-Szene hat, hatte von einem Bekannten erfahren, dass ein Eicher ED 33 in einer Scheune in Oberbayern vor sich hin roste. Er sah sich den Bulldog an, und für ihn stand fest, dass er dem ausgedienten Fahrzeug zu neuem Glanz verhelfen werde, denn dieser Traktor erinnerte ihn an die Zeit, als auf seinem Hof ähnliche Fahrzeuge benutzt wurden.
Bernhard Schug holte den rostigen Eicher also von Oberbayern nach Bad Staffelstein. Er restaurierte ihn liebevoll mit Hilfe des Oldtimerspezialisten Emil Hauck und der Staffelsteiner Oldtimerfreunde. Dabei hatte er die Reparaturbedürftigkeit des Fahrzeugs stark unterschätzt. Mit viel Geduld gelang das Werk, und der alte Eicher erstrahlt in neuem Glanz. Problemlos bekam das Fahrzeug einen neuen Kfz-Brief und eine TÜV-Plakette.

Drei Tote bei einem Unfall


Von der folgenden Geschichte, die der Eicher auf dem Buckel hat, erfuhr Bernhard Schug erst hinterher: Im März 1958 hatte ein Bauer, der einen Betrieb mit ca. 100 Hektar bewirtschaftete, den Traktor gekauft. Die Freude über das neue Fahrzeug war groß. Im Mai 1958 holten der Landwirt, seine Frau und sein Sohn mit dem Eicher und einem Ladewagen Futter. Auf dem Rückweg fuhren sie einen abschüssigen Hang hinunter. Auf nasser und verschmutzter Fahrbahn drehte der volle Ladewagen das Fahrzeug plötzlich zur Seite. Der Traktor kippte um und wurde vom Ladewagen in den Graben geschoben. Der zwei Tonnen schwere Bulldog begrub die Familie unter sich. Alle drei Personen starben noch an der Unfallstelle. Ein Sturzbügel war damals noch nicht vorgeschrieben.

Traktor wird weiter genutzt


Die Schwester des verunglückten Bauern war mit einem Nachbarn der Familie verheiratet. Nach dem Tod der Familie wurden beide Höfe zusammengelegt. Den Traktor reparierte man, um ihn weiter zu nutzen. Die Werkstatt hatte das Fahrzeug repariert und alpenblau lackiert, so dass der Traktor in restauriertem Zustand wenig später an einen kleineren Betrieb als Zweitschlepper verkauft werden konnte.
Der 16-jährige Sohn des neuen Besitzers hatte gerade seinen Führerschein Klasse 4 gemacht. Gleich am darauf folgenden Montag fuhr er mit dem Traktor mit angehängter Heumaschine auf eine Wiese. Ein Metallteil der Heumaschine brach während der Fahrt ab und traf den jungen Mann am Hinterkopf, so dass er nach einigen Tagen im Krankenhaus starb. Trotzdem wurde der Eicher-Traktor weiter zur Arbeit benötigt. Nach mehreren Jahren wurde er jedoch erneut wegen Unrentabilität in einer Feldscheune abgestellt.
Als Bernhard Schug von diesen Unfällen erfahren hatte, beschloss er, mit seinem neuen Bulldog bald eine Wallfahrt nach Gößweinstein zu unternehmen. Zudem nimmt er an der Traktorwallfahrt nach Vierzehnheiligen am 8. September teil.