Den Tourismus ankurbeln ist eine Aufgabe, der sich die Stadt Lichtenfels auch in den kommenden Jahren vorgenommen hat. Die Sanierung der unterirdischen Gänge am Stadtgraben ist beschlossene Sache, ebenso die Ausstattung der Innenstadt mit Korbmöbeln oder der Bau einer massiven "Advent-Hüddn" auf dem Marktplatz.
Jetzt könnte auch der Obere Torturm am ehemaligen Kronacher Tor für die Öffentlichkeit zugänglich werden. Ein entsprechender Antrag der SPD-Fraktion im Stadtrat wurde am Donnerstag im Ausschuss für Stadtentwicklung, Tourismus und Wirtschaft diskutiert. Zuvor hatten die Mitglieder des Ausschusses und der Stadtverwaltung den Turm besichtigt.
Monika Faber (SPD) sah in der Öffnung des Turms einen weiteren und wichtigen Baustein im touristischen Gesamtkonzept und eine Bereicherung für Gäste der Korbstadt und der Bevölkerung. Allerdings müssten die Probleme der Verkehrssicherheit und des Brandschutzes gelöst werden. Die Ausschussmitglieder standen dem Projekt positiv gegenüber. Womit keiner gerechnet hatte, waren die hohen Kosten, die Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) nach einer Berechnung des Lichtenfelser Architekten Andreas Klerner andeutete. Mit 279 000 Euro könnte die Öffnung des Turmes zu Buche schlagen. Darin enthalten seien die Sanierung, der Brandschutz und die Einrichtung einer Ausstellung. Hügerich betonte, dass es eine vorläufige unverbindliche Kostenschätzung sei.


Viele Baumängel

Ulrich Sünkel vom Stadtbauamt hatte bereits im März 2014 eine Untersuchung durchgeführt. Er verlas eine lange Liste mit Baumängeln. Für die Nutzung des Oberen Torturms müsste die Treppenanlage erneuert werden. Die bestehende Treppe aus Weichholz biete keinen ausreichenden Brandschutz. Die Eingangstür müsste mit einem Panikschloss von innen zu öffnen sei. Der Bodenbelag im Eingang weise Stolperstellen auf.
Die Kopfhöhen mit 1,70 Meter seien zu niedrig und die Nischen bildeten Gefahrenstellen. Auch die Fenster genügten nicht den Sicherheitsanforderungen. Der Brandschutz erfordere umfassende Maßnahmen, da es sich um ein Hochhaus nach der Bauordnung handele, allerdings seien bei Denkmälern Ausnahmen zulässig. Sünkel betonte mehrmals, dass Sanierung und Brandschutz getrennt behandelt werden müssten.
Architekt Klerner, der auch den Umbau und die Sanierung des historischen Rathauses leitet, sah Möglichkeiten, Kosten zu sparen. Die Sanierung des Fußbodens im Untergeschoss mit Trockenlegung der Grundmauern mit geschätzten Kosten von 20 000 Euro könnte entfallen, auch die Einrichtung einer Ausstellung oder Dokumentation, die er mit 35 000 Euro veranschlagt hatte. Die Anregung von Roland Lowig von der Wählergemeinschaft Leuchsental Jura, die Treppenanlage durch die Fachleute des Bauhofs zu erstellen, wies Klerner zurück. Die Arbeiten müssten von einer Firma durchgeführt werden, die bei möglichen Unfällen für Versicherungsfragen zuständig ist. Allerdings könnte der Bauhof den arbeitsintensiven Rückbau übernehmen.
Güner Reinlein (SPD) hatte das Projekt Torturm mit auf den Weg gebracht. Er erinnerte an die Vision 2020, die von Professor Auwi Stübbe vom Designzentrum Coburg entwickelt wurde und den Torturm mit einschloss. Für Robert Gack (CSU) fehlten Nutzungskonzept und Folgekosten bei der Turmöffnung. Winfried Weinbeer (Freie Wähler) wies auf die Verkehrssicherheitspflicht hin. Monika Faber stellte fest, dass für die Einrichtung einer Aussstellung die dafür notwendige Ausrüstung bereits vorhanden sei. Frank Rubner sah in der weiteren Diskussion keinen Sinn, bevor konkrete Zahlen auf dem Tisch lägen.
Dem pflichtete schließlich Bürgermeister Hügerich bei: "Die Kosten für Sanierung und Brandschutz sollen gesplittet und aufbereitet werden." Wenn die Ergebnisse vorliegen, werde die Öffnung des Oberen Torturms wieder auf die Tagesordnung gesetzt.