Es gab am Mittwoch nur ein bestimmendes Thema am Amtsgericht: Unerlaubter Handel, Besitz oder Erwerb von Betäubungsmitteln. Drei junge Männer aus dem Landkreis hatten sich in drei voneinander unabhängigen Fällen zu diesem Vorwurf zu verantworten. Zwischen Herbst 2010 und Frühjahr 2011 deckten sich die Männer mit Crystal Speed ein. Das Bindeglied zwischen ihnen hielt sich auch im Haus auf: eine 37-jährige Ex-Lichtenfelserin, die heute im Bayerischen lebt und - wie sie versicherte - mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen hat. Sie war es, bei denen die drei Angeklagten unter anderem Drogen kauften. Am Mittwoch sagte auch sie gegen ihre ehemaligen Kunden aus.

Angeklagter mit Hafterfahrung


Für einen 29-jährigen Mann aus dem östlichen Landkreis, der auf einige Jahre Hafterfahrung zurückblicken kann, ging der Vormittag überraschend glimpflich aus. Mehrmals beschuldigte die 37-Jährige den Arbeiter, Abnehmer von aus Tschechien geschmuggeltem Crystal Speed gewesen zu sein. In mindestens zwei Fällen. "Mir kommt es so vor, als ob die sich Hafterleichterungen erschleichen wollte", hielt der Beschuldigte dagegen und spielte damit auf die mehrmonatige Haft der Frau an. Sie hat selbst ein Verfahren hinter sich, wurde während ihres Aufenthalts im Gericht von zwei Beamten bewacht und trat unter Bewachung auch wieder ihren Rückweg an. Zwar mochte das Gericht geneigt gewesen sein, der jungen Frau Glauben zu schenken, aber es musste ihr doch häufiger als erwartet die Stichworte für ihre teilweise unsicheren Erinnerungen liefern. In der Beweisaufnahme mochte der Anwalt des 29-Jährigen, Rechtsanwalt Bernd Legal, jedenfalls "keine konkreten Ergebnisse" sehen und plädierte für seinen Mandanten auf Freispruch. Tatsächlich entschied das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Armin Wagner auch auf Freispruch. Begründung: Das Prinzip der Unschuldsvermutung und die Fraglichkeit mancher Angaben der Zeugin.

Über ein Jahr Haft auf Bewährung


Des vorsätzlichen unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln wurde hingegen ein 28-jähriger Müller aus dem Coburger Raum schuldig gesprochen. Ein Jahr und fünf Monate Haft auf Bewährung erhielt er dafür, in drei Fällen mit Vorsatz unerlaubt mit Betäubungsmitteln Handel betrieben zu haben. Allerdings verwahrte sich der Mann, der der Polizei selbst wertvolle Hinweise zur Festnahme der Zeugin und ihres damaligen ebenso dealenden Lebensgefährten gab, dagegen, sich in dem Maße schuldig zu bekennen, in dem Staatsanwalt Gillot es befürwortet hätte. Dass er überhaupt vor Gericht sitzt, nannte er eine "Retourkutsche" seitens der Zeugin. Ihm wies das Gericht jedoch nach, dass er mit der 37-Jährigen sogar eine Beschaffungsfahrt in die Tschechische Republik plante, um dort selbst für 1000 Euro und zum Zwecke der Gewinn bringenden Weiterveräußerung einzukaufen. "Belastungseifer", eine Retourkutsche also, konnte das Gericht aus den präzisen Angaben der Zeugin nicht sehen.

Beschuldigter ist geständig


Zuletzt wurde die Angelegenheit um einen 29-jährigen Mann aus dem Raum Lichtenfels verhandelt. Mit "Ja, ich räume alles ein - das war so", eröffnete er seine Einlassungen. Ein drittes Mal trat die 37-Jährige als Zeugin auf. Auch ein Häftling, der in Handschellen vorgeführt wurde, gehörte zu den Lieferanten des Angeschuldigten. Gegen Zahlung von 1200 Euro händigte der dem Beschuldigten in der zweiten Jahreshälfte 2010 rund 150 Gramm Marihuana aus.
Die Zeugin und ihr damaliger Lebensgefährte gaben überdies an, dem jungen Mann zwischen Herbst 2010 und Januar 2011 52 Gramm Crystal Speed verkauft zu haben. Dem Paar wurde aber nicht immer jede Lieferung bezahlt. Es blieb auf manchen Kosten sitzen. Kosten, die "nicht einklagbar sind", wie Armin Wagner süffisant kommentierte.
"Die Geburt des Kindes ist ein Schnitt in meinem Leben", ließ der Angeklagte wissen. Er sprach davon, dass er jetzt, da er Vater ist, erkannt habe, dass es "keinen Zweck auf der schiefen Bahn" zu bleiben habe. Auch sei er nun in einen Familienverbund integriert und eine Arbeit habe er auch. Darum bat der Beschuldigte um eine Strafe auf Bewährung. Gillot sah dafür keinen Spielraum, aber das Schöffengericht entschied anders: zwei Jahre auf Bewährung und 2500 Euro Bewährungsauflage.