Ein Bungalow in einem Lichtenfelser Wohngebiet. Niemand würde vermuten, dass hier die Stromversorgung für eine Schiffswerft an der Küste Angolas konzipiert wurde. Beratung, Planung, Fertigung, Lieferung und Aufbau - für all das zeichnete die Firma "Meco Energies" verantwortlich. Schaltschränke, Module, Speicher und andere technische Ausstattung findet man an dem unauffälligen Firmensitz nicht. Sie entstehen, wie Firmengründer Martin Endres erläutert, an "verlängerten Werkbänken", bei diversen Unternehmen, die für ihn arbeiten.

Das müssen sehr zuverlässige Partner sein, denn das Geschäftsmodell fußt auf Komplettlösungen rund um die Stromversorgung, aus einer Hand und termingerecht. In jahrzehntelanger Tätigkeit im Bereich Elektroinstallationstechnik, für verschiedene Firmen und weltweit, hatte sich Endres diese Kontakte aufgebaut, ehe er 2007 seine eigene Firma "Meco Electric" gründete. Diese Vernetzung ist das A und O. Wenn es beispielsweise um Veränderungen bestehender Leitungen geht, reiche es nicht, eine gute Baufirma zu kennen, erklärt Endres, man sollte auch wissen, welcher ihrer Mitarbeiter mit dem Bagger besonders vorsichtig umgehen kann. Solche Operationen erfolgreich durchgeführt zu haben, womöglich bei laufendem Betrieb einer industriellen Produktionsstätte, das schafft Vertrauen und wird zur Empfehlung für weitere Aufträge.

Endres kann deshalb Arbeiten für Firmen wie SMIA oder die Hofmann Innovation Group als Referenzen nennen. Das eigene Unternehmen ist familiär geblieben, auch wenn 2009 eine Niederlassung in Abu Dhabi und 2015 in der Rechtsform einer GmbH die "Meco Energies" mit Schwerpunkt auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien hinzu kamen. Sohn Thomas Endres hatte sich bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaft für die Aufgabenfelder seines Vaters interessiert - und stieg anschließend als Geschäftsführer mit ein. Ein weiterer Angestellter in Lichtenfels, drei Mitarbeiter in Abu Dhabi und Sohn Stefan, der sich als angehender Grafik-Designer bei Bedarf um Informationsmaterialien und Internetauftritt kümmert, ergänzen das Team.


Entlegene Standorte versorgen

Der Umsatz ist projektabhängig schwankend, eigenen Angaben zufolge zwischen 500 000 Euro und 1,5 Mio. Euro im Jahr. Weil die Aufträge so speziell sind, sieht man es auch gelassen, dass den meisten Leuten der Firmenname eher kein Begriff sein dürfte. "Der normale Bürger wird uns nicht kennen und auch nichts von uns kaufen", sagt Thomas Endres. Obgleich eine autarke Energiestation, wie "Meco Energies" sie entwickelt hat, nicht nur die entlegenste Farm in Australien, die bewirtschaftete Hütte irgendwo in den Alpen oder die Stromtankstelle für E-Autos am Rand eines Firmengeländes, sondern auch das Gartenhäuschen ohne Zuleitung mit Strom versorgen könnte. Box oder Container, je nach Bedarf, sind vorinstalliert und werden vor Ort nur noch mit Photovoltaik-Modulen oder auch mit einem Kleinwindrad verbunden.

Ein Speicher sorgt dann für umweltfreundlichen Strom mit entsprechender Power rund um die Uhr. Um bei kritischen Anwendungen auf Nummer sicher zu gehen, kann die Anlage mit einem dieselbetriebenen Notstromaggregat ergänzt werden. So eine Station wäre schon ab 20 000 Euro zu haben und nach oben ließe sich die Investition, je nach Ausführung und Möglichkeiten, bis ums Dreifache steigern. Eine autarke Stromversorgung zu haben wird aber vor allem dort angestrebt, wo das Netz zu wünschen übrig lässt oder schlicht nicht existiert. Folglich ist sie in Deutschland nicht das große Thema, das wissen Martin und Thomas Endres. In Krisengebieten oder sehr entlegenen Gegenden sieht das schon anders aus. Und selbst in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo das Erdöl fließt und billig ist, wird das Interesse an der Nutzung von Sonne und Wind größer, wie die beiden beobachtet haben.

So erspare man sich nämlich in abgelegenen Wüstengebieten den Kraftstofftransport und die Motorenwartung. Zudem seien den Verantwortlichen dort durchaus die Endlichkeit der fossilen Energiequellen und die weltweiten Folgen des hohen CO 2 -Ausstoßes bewusst. Und deshalb sieht man bei "Meco Energies" in Lichtenfels auch noch großes Potenzial in den eigenen Entwicklungen.