Für Norbert Dicker, Postzusteller in Bad Staffelstein, brachte der Streik der vergangenen Wochen keine Umstellung des täglichen Dienstes. Zum einen, weil er als Beamter selbst nicht streikte und zum andern, weil die Menge an Paketen und Briefsendungen weder größer noch geringer war als sonst auch. In der Kernstadt von Bad Staffelstein war die Auslieferung der Post nicht durch den Streik behindert, wohl aber in Uetzing, Stublang und Unterzettlitz, wo die Zusteller im Ausstand waren.

Was jedoch in den Briefzentren alles liegen geblieben ist, kann jetzt noch kein Mensch sagen. Die Post sitzt auf einem riesigen Berg von Briefen. Die nicht zugestellten Sendungen türmen sich. Nach dem Ende des Streiks gehen die Mitarbeiter wieder einem geregelten Dienstbetrieb nach. Doch es wird einige Tage dauern, bis alle aufgelaufenen Sendungen zugestellt sind.

Nun wird nachgeliefert

Anton Hirtreiter von der Gewerkschaft Verdi erklärt, dass seit Dienstag alle Zusteller wieder arbeiten. Sie seien nun damit beschäftigt, die liegen gebliebenen Briefe und Pakete zuzustellen. "Ich schätze, dass da einiges da ist", sagt Hirtreiter. Ein bis zwei Wochen dürfte es wohl dauern, bis diese Briefberge abgetragen sind, schätzt er. "Nach unserer Auffassung hat der Streik zu lange gedauert, es hätte schneller gehen können", kommentiert Hirtreiter die nach langen Verhandlungen gefundene Einigung.

"Wir gehen von einigen Tagen aus, bis alles normal läuft", sagt Post-Pressesprecher Alexander Böhm. "Jetzt heißt es: Alle Mann an Bord, alle die Ärmel hochkrempeln!" Seiner Einschätzung zufolge sei nun durchschnittlich die zwölffache Tagesmenge zuzustellen. Ein Bote allein könne diese Menge aus Kapazitätsgründen an einem Tag gar nicht schaffen. Die Post, ergänzt Böhm, werde beim Abtragen der aufgelaufenen Sendungen weiter Aushilfskräfte einsetzen. Vertreterpozenzial habe die Post vor allem mit Studenten. Normalerweise kämen sie nur in den Semesterferien zum Einsatz, in diesem Fall werde aber versucht, die studentischen Hilfskräfte außerhalb der sonstigen Zeiten zu buchen.

80 Prozent wurden zugestellt

Der Streik habe sich deutschlandweit ganz unterschiedlich ausgewirkt, sagt Böhm. Im Schnitt seien rund 80 Prozent der Sendungen zugestellt worden, etwa 20 Prozent seien liegen geblieben und landen mit zeitlicher Verzögerung im Briefkasten des Adressaten. So lässt sich auch erklären, dass zum Beispiel die Staffelsteiner Postkunden kaum etwas vom Streik bemerkten, während die Sendungen in Uetzing, Stublang und Unterzettlitz ausblieben.