"Es läuft genau so, wie wir es uns vorgestellt haben: locker-flockig", meinte Dagmar Dietz von den "Aktiven Bürgern", nachdem sie gerade mit einer Handvoll Besucher zu Trommelklängen durch den Weismainer Schönborn-Saal getanzt war. Die von der Stiftung für die Asylbewerber organisierte "Mulitkulti-Nikolausfeier" am Samstagnachmittag wurde ihrer Vorgabe, eine etwas andere Adventsveranstaltung zu werden, vollauf gerecht.
Wer ein festes Programm, besinnliche Texte und klassische Weihnachtslieder im Kastenhofgebäude erwartet hatte, war bei dem ungewöhnlichen und erstmals angebotenen Adventstreffen fehl am Platze. Auch auf christliche Symbolik wurde verzichtet, um die Muslime unter den Flüchtlingen nicht auszugrenzen.
Dass eine solche Feier auch ohne das Verweisen auf die Geburt Jesu funktionieren kann, lag vor allem an einem vorweihnachtlichen Hauptdarsteller: Mit überraschten "Santa Claus"-Rufen wurde der Nikolaus empfangen, fast jeder der rund 70 anwesenden Asylbewerber wollte sich oder sein Kind mit dem Gast vom Nordpol fotografieren.
"Ich fühle mich wie ein Superstar", musste Sigurd Sundby unter seinem Rauschebart im Blitzlichtgewitter schmunzeln, bevor er nach einem halbstündigen Fotoshooting im rot-weißen Kostüm seiner eigentlichen Bestimmung nachkommen konnte: Er verteilte von einer Firma gestiftete Süßigkeiten an die kleinen und großen Besucher, die sich anschließend noch am Gabentisch bedienen konnten, für den Bürger Kleidung und Spielsachen gespendet hatten.
Freilich bestand der Nachmittag aber nicht nur aus der Bescherung. So ungezwungen er mit einem Tanzspiel endete, so beschaulich war der Beginn. Teilnehmer aus acht Nationen (Äthiopien, Irak, Iran, Pakistan, Russland, Serbien, Syrien, Tschetschenien) saßen gemeinsam am Kaffeetisch, an dem der Hintergrund der Aktion deutlich wurde. Die Idee kam nämlich von den ehrenamtlichen Deutschlehrerinnen der "Aktiven Bürger", weshalb zunächst der Satz "Ich esse Kuchen" unter der Anleitung von Dagmar Dietz durchkonjugiert wurde.
Zwar hätten es am Samstag ruhig auch etwas mehr Weismainer im Kastenhof sein dürfen, doch zumindest hatten sie selbst gebackene Kuchen, Lebkuchen, Kaffee und Tee spendiert. "Der Anfang ist gemacht", fand Dagmar Dietz, die weitere Begegnungsveranstaltungen für das kommende Jahr im Auge hat. Schließlich wünschten sich die Asylbewerber, die größtenteils aus jungen Familien bestehen, vor allem mehr Kontakt zu jüngeren Einheimischen. Den Einsatz der Hauptorganisatorin würdigten am Samstag die Vertreter des Führungsteams der "Aktiven Bürger". Lohn des Einsatzes von Dagmar Dietz sei laut Josef Breunlein und Harald Rausch aus Lichtenfels, "dass sich die Asylbewerber sichtlich wohl und willkommen gefühlt haben".