Zwischen Weihnachten und dem Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar liegen die "Zwölf heilichn Nächd". Da durften früher nur die allernötigsten Arbeiten verrichtet werden, um Mensch und Tier zu versorgen, erinnert sich der 76-jährige Adolf Dirauf. 34 Jahre lang war er Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbandes in Schönbrunn. Zusammen mit seiner Schwester Katharina bewirtschaftet er heute noch den Bauernhof, den er einst von seinen Eltern geerbt hat.

Jedes Jahr freuen sich die Kinder im Maintal-Kindergarten Schönbrunn, wenn sie auf dem Kartoffelacker der Diraufs die Ernte mit einbringen können. Aber auch die Nachbarn schätzen den Kontakt mit dem Landwirt und helfen gerne bei der Arbeit mit. Schließlich bewirtschaftet Adolf Dirauf noch einen Bauernhof mit "allem Drum und Dran", mit Kühen, Schweinen und Hühnern wie er früher üblich war, heute aber immer seltener anzutreffen ist.


Auszeit für alle Arbeiten

Bei den Altvorderen, den Eltern und Großeltern, die noch viel mehr von ihrer Hände Arbeit leben mussten und viel weniger durch Maschinen entlastet wurden, herrschte zwischen Weihnachten und Dreikönig eine "Auszeit", so Adolf Dirauf. Draußen im Wald durfte nicht gearbeitet werden, auch in der Scheune waren Reparaturarbeiten an den landwirtschaftlichen Geräten verboten.

Die Hausfrau durfte nicht nähen und stopfen, geschweige denn waschen: Wer nämlich ein Wäschestück auf den Dachboden zum Trocknen hänge, der hänge gleichsam eine Tierhaut oder Menschenhaut auf. Mit anderen Worten: Er würde für das Nichteinhalten des Arbeitsverbots damit bestraft werden, dass im nächsten Jahr ein Tier im Stall oder ein Mitglied der Familie plötzlich sterben müsste.

Das "wilde Heer" würde in den zwölf Nächten, die auch "Raunächte" genannt wurden, über den Staffelberg fliegen, angeführt vom Göttervater Wotan und in Begleitung der "eisernen Berta", so eine alte Überlieferung aus dem Staffelsteiner Land. Am 28. Dezember, dem "Tag der Unschuldigen Kinder", durften die Buben mit ihren Ruten die Mädchen und Frauen "fitzeln" und "pfeffern", am Neujahrstag war es umgekehrt und die Mädchen ergriffen die Initiative.

Während der "zwölf heiligen Nächte" war es am Obermain auch üblich, leere Nussschalen mit Salz zu füllen und sie draußen zu deponieren, erinnert sich Adolf Dirauf. Die zwölf Nuss-Schalen dienten als Fingerzeig für das Wetter der zwölf Monate im kommenden Jahr. Aus dem Feuchtigkeitsgrad des Salzes schloss man auf die Niederschlagshäufigkeit des jeweiligen Monats.

Seit Jahrtausenden hat die Zwölf quer durch die Religionen und Kulturen einen positiven Symbolwert. Im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, im alten Mesopotamien, stand die Zwölf für kosmische Vollkommenheit. Das Kalenderjahr wurde in zwölf Monate, der Tag in zwölf Tagstunden und zwölf Nachtstunden eingeteilt. Unter den "heiligen Zahlen" in der Bibel symbolisiert die Zwölf die Multiplikation aus der Drei für das Göttliche und der Vier für die Welt. Im Alten Testament ist von den zwölf Söhnen des Jakob, im Neuen Testament von den zwölf Aposteln die Rede. Im letzten Buch der Bibel, der "Offenbarung des Johannes", werden die Zwölf und ihre Potenz, die Zahl 144; häufig genannt.


Zahlemmystik mit der 12

Auch außerhalb des jüdisch-christlichen Kuturkreises nimmt die Zahl Zwölf eine prominente Stellung ein. Keine Zahl unter 24 ist durch mehr Zahlen teilbar (zwei, drei, vier und sechs). So empfahl sie sich auch zur praktischen Anwendung bei Maßen und Gewichten, wie es im Alltag der Engländer heute noch beobachtet werden kann.