Während Reza und die anderen an den Tischen aus millimeterfeinen Weidenschienen Sterne zusammenfügen, sorgen weitere Mitschüler für Nachschub beim Flechtmaterial. Der typisch fränkische Weidenhobel wird jetzt multinational bedient. In dem großen Arbeitsraum erlebt man Teamwork, wie es sein soll: Man hilft sich gegenseitig, arbeitet - jeder nach seinen Möglichkeiten - auf ein gemeinsames Ziel hin. Dieses Ziel heißt in dem Fall Weihnachtsmarkt und Sterne verkaufen für einen guten Zweck. Aber es steckt noch mehr dahinter.
Brigitte Klitzner, Lehrerin an der Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung, hat die Leitung dieser auch für sie ungewöhnlichen Gruppe. Es handelt sich nicht um angehende Flechtwerkgestalter, sondern um Flüchtlinge, die aus verschiedenen Ländern ohne Eltern nach Deutschland kamen, hier unter der Obhut des Jugendamtes stehen und auf eine Berufsausbildung vorbereitet werden sollen. Flechten bot sich als handwerkliches Unterrichtsfach an, weil die Ausbildungsstätte der Lichtenfelser Berufsschule angegliedert ist. Schulleiter Hans-Jürgen Lichy sieht im ersten so genannten Berufsintegrationsjahr vor allem den Spracherwerb als Unterrichtsprinzip für alle Fächer. Darüber hinaus sollen die Jugendlichen mit unserer Kultur vertraut gemacht werden und Hilfestellung bei der Persönlichkeitsbildung sowie zur Bewältigung des Alltags bekommen. Noten gibt es erst in einem zweiten Schuljahr, das sie dann zu einem Schulabschluss hinführen beziehungsweise auf eine Ausbildung vorbereiten soll. Beim Flechten steht nicht das Vermitteln der Techniken im Mittelpunkt, sondern der pädagogische Aspekt. Brigitte Klitzner, selbst Mutter zweier Kinder, stellt von Woche zu Wochen einen Fortschritt bei den Teenagern aus Afghanistan, Eritrea, Somalia und dem Irak fest. Nicht nur, was deren Sprachkenntnisse angeht. "Am Anfang haben sie sich gegenseitig nicht so geholfen." Außerdem lernten sie, genau zu arbeiten.
Die Idee, sich für andere einzusetzen, indem man etwas herstellt, was man verkaufen kann, ist bei den Schülern gut angekommen. "Wir wollen helfen", hört man aus der Runde auf die Frage nach ihrer Motivation. Auch wenn das Weihnachtsfest für sie aufgrund ihrer Herkunft keine Bedeutung hat, wollen beim Verkauf auf dem Markt am kommenden Montag und Dienstag mehr von ihnen dabei sein, als notwendig wäre. Sie haben verstanden, dass sie auf diese Weise etwas zurückgeben können. "Für Kinder." Und dass der Markt auch eine Gelegenheit darstellt, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Dabei möchten sie sich Mühe geben, nach erst vier oder acht Monaten in Deutschland. "Wir sind fleißig", sagt einer von ihnen und strahlt.


Verkauf am Lichtenfelser Weihnachtsmarkt

Die Sterne wurden von jungen Asylbewerbern im Unterricht aus feinen Weidenschienen und verschiedenfarbigem Draht hergestellt. Mit dem eingenommenen Geld - pro Stern vier bis fünf Euro und Spenden, die gerne entgegen genommen werden - unterstützt die Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung Lichtenfels die Hilfsaktion "Sternstunden" des Bayerischen Rundfunks. Das Geld kommt auch Flüchtlingskindern zugute. Verkauft werden die Sterne und kleine Holzarbeiten beim Lichtenfelser Weihnachtsmarkt, am Montag, 21., und Dienstag, 22. Dezember, jeweils von 14 bis 17 Uhr im Stand des Städtepartnerschaftskomitees.