"Der Kies kitzelt." Ein Lächeln huscht über Martin Zecks Gesicht, wird abgelöst von einem Gefühl des Wohlbehagens: "Ist das Heu schön weich." Für den 23-jährigen Heimbewohner von Regens Wagner in Burgkunstadt wird der Fußparcours der Sinne beim fünften integrativen Frühlingsfest zu einem Quell der Freude.
Und auf der Taststraße geht es für den jungen Mann barfuß "auf und ab wie im richtigen Leben". Seine Gehstöcke braucht er nicht mehr, denn an seiner Seite hat er zwei starke Frauen vom katholischen Kindergarten St. Theresia: die beiden Erzieherinnen Katrin Gick und Karin Taubald, die ihn mit ihren Händen bis ans Ziel führen.

Zotteliger Gefährte

Ein paar Stationen weiter schart der kuschelige Bär eines Burgkunstadter Drogeriemarktes die Teilnehmer des Festes um sich. Süß: Die 66-jährige Regitta Becker von Regens Wagner schmiegt sich ganz verträumt an das Kuscheltier Anschließend legt der zottelige Gefährte freundschaftlich seine Arme auf die Schultern der zwölf-jährigen Benedikt Erhardt und Patrizio Gueli und des um einige Jahrzehnte älteren Hedwig Herttig. Ob behindert oder nicht behindert - für ihn sind alle gleich.
Während die einen noch vom Rendezvous mit Meister Petz schwärmen, gehen die anderen schon wieder neuen Vergnügungen nach: Sebastian Knorr (4) aus Kaspauer fegt mit einem Löffel, auf dem ein Ball liegt, über den Parcours des Weismainer Kindergartens St. Anna, ohne dass der Ball herunterfällt. Seine Schwester Anna (8) im Rollstuhl tut es ihm mit Feuereifer gleich.
Bilder voller Symbolkraft, in denen sich das Miteinander zwischen Behinderten und Nichtbehinderten eindrucksvoll widerspiegelt. Die zugleich aber auch den Satz des Elternbeiratsvorsitzenden Siegbert Utzmann von der Regens Wagner Schule in Erinnerung rufen: "Wenn stumme, behinderte Kinder reden könnten, würden sie sagen: ‚Nehmt mich so auf, wie ich bin.‘"
Beim Integrativen Frühlingsfest in der Kordigasthalle, an dem Hunderte von Besuchern teilnehmen, dürfen sich alle auf- und angenommen fühlen. Einer von ihnen ist Zeck. "Wahnsinn, was für eine Lebensfreude er ausstrahlt. Und dann dieser wache Geist und das rege Erinnerungsvermögen."
Taubald ist verblüfft von den Fähigkeiten des geistig Behinderten. Als Leiterin einer integrativen Gruppe weiß sie, wie wichtig das Miteinander zwischen Menschen ohne und mit Handicap ist. "Kinder, die Schwächen haben, schauen sich im Spiel von den Regelkindern viel ab." Wie ist es, wenn gesunde Mitbürger auf solche mit einem Handicap treffen? "Dann erkennen diese oftmals, dass manch andere ein noch viel schlimmeres Schicksal zu tragen haben und nehmen vieles im Leben nicht mehr ganz so bierernst."
Ausgerechnet im Jubiläumsjahr versteckt sich die Sonne hinter dunklen Regenwolken. Ein Umzug in die Kordigasthalle ist unvermeidlich. Die Gemeinde Altenkunstadt mit Bürgermeister Georg Vonbrunn an der Spitze stellt sie dem Veranstalter, dem Elternbeirat von Regens Wagner Burgkunstadt, kurzerhand kostenlos zur Verfügung.
Die Ganztagesklasse Sechs von der Mittelschule Altenkunstadt erfreut die Besucher mit einem pfiffigen Schattenspiel.
Bei einem Schätzwettbewerb gibt es Preise zu gewinnen. Auch die Integration darf sich zu den Gewinnern zählen. Sie hat im östlichen Landkreis Lichtenfels weitere Wurzeln geschlagen. Gueli spricht aus, was viele über dieses Fest der Heiterkeit und des Miteinanders denken: "Behinderte sind Menschen wie Du und Ich, mit denen man viel Spaß haben kann."