"Wir sind als Gebende vor allem Beschenkte, als Helfende selbst Hilfebedürftige. Im gegenseitigen Nehmen und Geben erleben wir Gemeinschaft." Dieser Kernsatz aus der Präambel des Leitbildes der Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen trifft besonders auf die Kranken- und Seniorenstation des Mutterhauses zu, die wir im fünften Beitrag unserer Serie "100 Jahre Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen" beschreiben wollen.
Das zehnköpfige Team unter der Leitung von Schwester Selvi Mary betreut 20 kranke und behinderte Brüder und Schwestern. Sieben professionelle Pflegerinnen und Pflegehelferinnen sind neben den drei Schwestern rund um die Uhr für die ihnen anvertrauen Patienten da. Bei Bedarf stehen Ärzte aus der Umgebung zur Verfügung.
Das Besondere an dieser außergewöhnlichen Senioren- und Pflegestation ist, dass die drei leitenden Schwestern ihre Aufgabe in ihrer christlichen Verantwortung sehen und ihre Verpflichtung zum Gehorsam gegenüber dem Orden gerne erfüllen. Mit ihrer Arbeit helfen sie Alten, Kranken und Gebrechlichen, einen neuen Lebensmittelpunkt zu finden, und schaffen damit eine Grundlage für Geborgenheit und Sicherheit.
Auch die Frage, wie mit lebenserhaltenden Maßnahmen bei schwer kranken oder sterbenden Menschen umzugehen ist, beantworten die Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen: Ihr Ziel ist es, eine dem betroffenen Menschen dienende und unserem christlichen Menschenverständnis entsprechende Form der Begleitung und Unterstützung auf dem letzten Abschnitt des Lebensweges, bis hin zur Sterbehilfe, zu leisten und damit ethisch verantwortlich zu handeln.
In der Seniorenbetreuung wird viermal in der Woche ein Programm angeboten. Am Montag und Samstag findet in der Mutterhauskapelle eine Anbetungsstunde statt.
Einmal in der Woche treffen sich die knapp 20 Senioren zu einem gemütlichen Beisammensein. Da geht es auch lustig zu, es werden Geschichten vorgelesen, oder es wird einer Hörbuch-CD gelauscht. Es gibt Plätzchen, Kuchen, oder Eis. Gelegentlich wird auch vom Personal etwas geboten, eine Art Vorstellung, oder ein Spiel. Die Ordensbrüder spielen auch gerne einen Schafkopf.

Ehrenamtlich tätige Frauen

An jedem Donnerstag trifft sich der Singkreis. Die beiden Schwestern Antonia Pickl und Waltraud Kerner gestalten das Programm herzlich und einfühlsam und werden von Pater Bernhard oder Bruder Paul von den Franziskanern begleitet.
Unterstützung finden die zwölf singenden Schwestern durch Brüder des Franziskanerklosters und zwei oder manchmal drei Senioren von der Krankenstation. Aber auch ehrenamtlich tätige Frauen finden in der Seniorenbetreuung eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Monika Jakob spielt Gitarre oder Ukulele, Angela Ledermann und Lidwina Friedrich singen gern mit.
Und wenn man die Sängerinnen und Sänger verlassen hat und durch den Garten geht, schallt es aus dem geöffneten Fenster: "Auf, du junger Wandersmann, jetzo kommt die Zeit heran, die Wanderzeit, die bringt uns Freud". Die Alten, die auf der Wanderung durch ein erfülltes Leben am Ziel angekommen sind, singen das alte Wanderburschen-Lied aus Franken dankbar und aus vollem Herzen.