Samstagabend gegen 23 Uhr: Ein 71-Jähriger Rentner beobachtet einen Einbrecher. Dieser macht sich zuerst an einem BMW zu schaffen und versucht dann die Seitenscheibe eines anderen Autos einzuschlagen. Auch in die nebenan liegende Wohnung des 71-jährigen Zeugen und in Büroräume wollte der unbekannte Mann einbrechen. Es liest sich ein bisschen wie die Zusammenfassung des Samstagabend-Krimis auf ZDF. Doch dieser Fall spielte sich tatsächlich in Lichtenfels ab.

Einer von vielen Einbrüchen, mit denen es die Polizeiinspektion Lichtenfels zu tun hat. Dabei ist der Sachschaden meist das geringere Problem. "Eine eingeschlagene Autoscheibe ist ärgerlich. Aber ein fremder in der eigenen Wohnung, das hat nochmal eine ganz andere Qualität. Leute, die so etwas schon einmal erlebt haben, sind für immer verunsichert", sagt Willibert Lankes, Leiter der Lichtenfelser Polizeiinspektion.


Prävention beim Hausbau

Die psychischen Folgen sind für Einbruchsopfer viel schlimmer als der materielle Schaden. "Viele leiden noch länger unter Schlafstörungen oder Angstzuständen", sagt Helmut Eßel von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Bamberg. Der Experte rät deshalb, sich mit der Sicherung der eigenen vier Wände zu befassen. Die Sicherung von Fenstern und Türen sei viel wichtiger als die Installation von teuren Alarmanlagen. "Einbrecher suchen nach den Schwachstellen."

Eingebrochen werde meist über leicht erreichbare Fenster und Wohnungs- bzw. Fenstertüren. Und wenn hier vorgesorgt wurde, bleibt es oft beim Einbruchsversuch. Mehr als ein Drittel aller Versuche scheitern, weil Wohnungen oder Häuser gesichert sind. "Deshalb sollte man sich schon damit befassen, wenn man einen Hausbau plant", sagt Eßel, der Firmen und Privatpersonen in ganz Oberfranken berät.

Spätestens im Herbst häufen sich die Meldungen über versuchte und tatsächliche Wohnungseinbrüche. Fast die Hälfte aller Einbrüche finden in der dunklen Jahreszeit statt, also zwischen Oktober und Januar. Die Täter schlagen meistens zwischen 17 und 19 Uhr zu. Die Polizei versucht, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Denn Einbrecher auf frischer Tat zu ertappen, ist für sie nahezu unmöglich.

Willibert Lankes vergleicht die Zahlen von Einbrüchen von Januar bis November dieses Jahres mit dem gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr. Diebstähle aus Büros, Werkstätten und Diensträumen sind im Landkreis Lichtenfels gesunken. 19 Fälle weniger als 2014. Bei Diebstählen in Hotels, Kantinen und Gaststätten gibt es mit zwei Fällen mehr einen leichten Anstieg. Stark gestiegen sind dagegen die Wohnungseinbrüche - von 14 im Vorjahr auf 23.

Im Kreis Lichtenfels gibt es für Lankes einen beeinflussenden Faktor: die Autobahn. "Seit es die Autobahnverbindung gibt, haben wir hier einen leichten Anstieg an überörtlichen Tätern", sagt Lankes. Die gute Infrastruktur sei ein Anreiz für auswärtige Einbrecher.


Sicht der fränkischen Präsidien

Und so ist die Situation bei den fränkischen Polizeipräsidien: "Im langjährigen Vergleich zeigt sich, dass wir einen Anstieg der Wohnungseinbruchsdiebstähle in Unterfranken verzeichnen", so der unterfränkische Polizeisprecher Peter Häusinger. Die Zahlen für 2015 zeigten derzeit ein ähnliches Niveau wie im Vergleichszeitraum im Vorjahr, in dem es zu 663 Einbrüchen gekommen sei. Der Schwerpunkt liege in Würzburg.

"Im Vergleich zum Vorjahr war im oberfränkischen Regierungsbezirk 2014 eine Steigerung der Einbruchszahlen um 72 Fälle auf 382 Straftaten im Bereich der Wohnungseinbruchskriminalität zu verzeichnen", so Alexander Czech vom Präsidium in Bayreuth. Im laufenden Kalenderjahr bewege sich die Zahl der Einbrüche in Oberfranken etwa auf Vorjahresniveau.

In Mittelfranken gehen die Einbruchszahlen zurück, nach dem sie sich zwischen 2009 und 2014 mehr als verdoppelt haben.
In Bayern registrierte man 2014 einen Anstieg der Fälle um 28,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In diesem Jahr rechnet Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit einem Rückgang dieser Straftaten.


Aufmerksam sein

Die Polizei wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass auch Zeugenaufrufe bei der Aufklärung eminent wichtig sind. Beispielsweise kam bei einem Einbruch in Weismain im April der entscheidende Hinweis von einem aufmerksamen Nachbarn. Drei Einbrecher konnten bei der anschließenden Fahndung festgenommen werden.
"Niemand sollte sich scheuen, einen Fremden in Nachbars Garten einfach anzusprechen oder bei entsprechenden Beobachtungen umgehend per Notruf 110 die Polizei zu verständigen", rät Alexander Czech vom Polizeipräsidium Oberfranken.

Willibert Lankes warnt zudem davor, Tätern auch noch klare Signale zu geben. "Wenn man in Urlaub ist, sollte man nicht alle Jalousien runter oder den Briefkasten überquellen lassen", sagt er.
Und wenn doch einmal eingebrochen wurde? Wie sollen sich die Menschen verhalten? Ganz wichtig: Nicht selbst einschreiten und sich womöglich selbst in Gefahr bringen.

Zudem raten Ermittler, keine Spuren zu vernichten und bei Entdeckung eines Einbruches sofort die Polizei verständigen, damit alles möglichst so bleibt, wie die Täter es hinterlassen haben.
Fakt ist: Durch eine professionelle Spurensicherung hat die Kripo größere Chancen, Täter dingfest zu machen.


Fünf-Punkte-Plan gegen Wohnungseinbruch

Fahndung Die bayerische Polizei verfolgt einen Fünf-Punkte-Plan gegen Wohnungseinbruch. Dazu gehören bayernweite Kontrollaktionen sowie die Verstärkung der Schleierfahndung um 500 Polizisten. Darüber hinaus setzt Innenminister Joachim Herrmann auf den Ausbau der nationalen und internationalen Zusammenarbeit, um den Informationsaustausch zu verbessern und die Täterfahndung zu intensivieren. Zudem sollen effektivere gesetzliche Grundlagen für Ermittlungsinstrumente der Polizei geschaffen werden, beispielsweise mit der sogenannten Vorratsdatenspeicherung. Zusätzliche Impulse erhofft man sich von Präventionsmaßnahmen.

Precobs
Die Prognosesoftware "Precobs" wird seit Oktober 2014 in München und Mittelfranken getestet. Sie errechnet aus den anonymisierten Falldaten der Vergangenheit, wann und in welchem Gebiet mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Einbruch zu rechnen ist. Herrmann äußerte sich zufrieden und plant dauerhafte Beschaffung einer Prognosesoftware gegen Einbrecher. Wie der Innenminister erläuterte, bewerten speziell geschulte Kriminalisten jede Prognose. Beispielsweise fuhren Polizisten das relevante Gebiet an und patrouillierten dort zivil oder in Uniform, um Einbrecher auf frischer Tat zu erwischen oder von ihrer Tat abzuhalten.

www.k-einbruch.de
www.polizeiberatung.de