In einem herrschaftlichen Haus auf einer abgeschiedenen Insel vor der britischen Küste treibt ein Mörder sein Unwesen, dem nach und nach alle Gäste zum Opfer fallen. Agatha Christies gruselige Geschichte "Und dann gab's keines mehr" feierte am Samstagabend am Meranier-Gymnasium Premiere.

Grausames Spiel des Gastgeberehepaars

Das P-Seminar "Theater" des Gymnasium stellte sich der nicht ganz einfachen Herausforderung, das grausame Spiel des Gastgeberehepaars Mr. und Mrs. Onym auf die Bühne zu bringen. Den perfekten Rahmen dazu bildete das vom P-Seminar gestaltete Bühnenbild, das die Illusion eines noblen Sommerhauses am Meer vermittelte. Die unsichtbaren Gastgeber haben ganz unterschiedliche Personen eingeladen, die sich alle im Salon des Hauses einfinden: Die junge hübsche Vera Claythorne (Christina Fichtner), der ihr zugeneigte Abenteurer Philip Lombard (Emma Maier), der misstrauische William Henry Blore alias Davis (Rebekka Gründel) und der alte unter Schwerhörigkeit leidende General John Gordon Mackenzie (Annalena Deuerling). Weiter treffen ein Lady Emily Brent (Sarah Taumann), eine bigotte ältere Dame mit hohen sittlichen Ansprüchen, der Playboy Anthony Marston (Margit Wiesmann), die nervlich labile Psychiaterin Edna George Armstrong (Jasmin Wölfel) sowie der ehemalige Staatsanwalt Lawrence Wargrave (Simon Stromer), der sich selbst als hart, aber gerecht bezeichnet. Zum Personal des Hauses zählen der Butler Thomas Rogers (Sandra Röseler) und dessen Ehefrau und Köchin Stella Rogers (Alicia Poth).

Prekäre Situation

Zehn höchst unterschiedliche Menschen, die sich zuvor noch nie begegnet sind. Schnell finden sie heraus, dass sie alle von einer anonymen Person (Onym) eingeladen wurden, in ein Haus in dem es weder ein Telefon gibt, noch irgendeine andere Möglichkeit um mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen. Zudem fehlt ihnen jegliche Voraussetzung die Insel wieder zu verlassen.
Prekär wird die Situation, als eine Schallplattenstimme jeden Einzelnen von ihnen eines Verbrechens bezichtigt, entweder Schuld am Tod eines oder mehrerer Menschen zu sein, aus Prinzipientreue, Habgier oder Achtlosigkeit. Playboy Antony Marston ist der Erste, der an einem hastig eingenommenen Drink stirbt, Zyankali konstatiert Edna Armstrong. Noch glaubt niemand an eine Mordserie, obwohl sich der Mörder am Kinderreim "Zehn kleine Negerlein" orientiert, dessen Noten mit Texten auf dem Klavier zu finden sind. In der ersten Strophe heißt es: "Zehn kleine Negerlein, die tranken ein Glas Wein. Das erste, das verschluckte sich - da waren's nur noch neun." Dass das Kinderlied noch weitere Strophen besitzt, von denen jede den Tod eines Anwesenden beschreibt, wird beim zweiten Mord zur grausigen Wahrheit.

Gerechtigkeitswahn führt zu Morden

Keiner der Anwesenden ist bereit, seine Schuld zuzugeben. Weder der pensionierte General, der den heimlichen Liebhaber seiner Frau bei einem aussichtslosen Himmelfahrtskommando sehenden Auges in den Tod schickte, noch die ehrenwerte Lady Emily Brent, die ihren Neffen nicht vom Selbstmord abhielt, ihn vielmehr noch dazu animierte. Von den zehn Figuren auf einem Beistelltisch verschwindet nach jedem Mord eine weitere, bis schließlich keiner mehr übrig bleibt. Letztlich werden sie alle Opfer von Staatsanwalts Lawrence Wargrave, dessen Gerechtigkeitswahn sich im Laufe seines Lebens in der Lust am Morden entlädt. Wargrave - selbst zum Mörder geworden - erschießt sich, die hübsche junge Vera Claythorne erhängt sich dagegen. Wie hätte sie auch die neun Leichen im Haus erklären können, ohne selbst als Mörderin dazustehen?

Humor und Spannung

Trotz des ausgiebigen "Mordens" zeigt das P-Seminar "Theater" ein mit Humor und Spannung garniertes Stück. Mit bemerkenswerter Behutsamkeit werden die Charaktere herausgearbeitet, ihre Schuld und ihre Unfähigkeit zur Reue. Die Rollen sind durchwegs alle bestens besetzt, den jungen Theatermachern gelingt es vorzüglich, die Doppelbödigkeit des Stücks herauszuarbeiten. Die Abgründe hinter einer scheinbar heilen Fassade. Wobei es schon eine reife Leistung ist, die zum Teil starrsinnigen Protagonisten zu spielen. Insgesamt eine sehr stimmige Projektarbeit, am der auch die technische Umsetzung ihren Anteil hat. Bühnenbild, Licht, Ton und nicht zu vergessen die Maske trugen viel bei. Das Programmheft wurde in einer Form einer Zeitung unter dem Titel "The Times" gestaltet. Die Gesamtleitung lag bei Paul Endres.