Bis auf zwei, drei Meter genau. Dann muss man selber suchen. Unter einem Stein, hinter einem Baum, im Gebüsch. Was die Menschen dann finden, befindet sich in kleinen verschließbaren Döschen oder Tupper-Boxen. Aber ums Öffnen dieser geht es gar nicht - zwar ist das Ziel das Ziel, aber mindestens ebenso ist der Weg das Ziel. Geocaching - Schnitzeljagd im GPS-Zeitalter.
Andrea Musiol zeigt sieben Geräte. Sie sehen aus wie Handys, die vor neun, zehn Jahren noch modern gewesen sein mochten. Aber sie sind GPS-Navigationsgeräte im Bestand der Umweltstation, gedacht für Menschen, die sich mit ihrer Hilfe von einer Rätselaufgabe zur nächsten führen lassen wollen. Denn wenn eines der "Caches" gefunden wurde, dann steht in diesen Döschen, wonach und wo man als Nächstes suchen muss, um sich langsam dem Ziel anzunähern. "Ich muss überlegen, für wen das Angebot abgestimmt sein soll", sagt die Mitarbeiterin der Umweltstation.
Da gibt es zum Beispiel Schulklassen, die über eine GPS-Schnitzeljagd spielerisch die Natur erkunde. Erdkunde und Biologie auf dem Erlebnispfad. Eineinhalb Stunden, so schätzt sie, ist man auf der aktuellen Route am Kalkberg unterwegs. Dort entlang hat sie Caches versteckt. In ihnen können Botschaften stecken oder Spielanleitungen oder Rätsel. Welche Pflanze riecht wie? Wo gibt es diese oder jene Bäume? Fragen wie diese können es sein, und sie können Aufgaben stellen. "Wenn es Kinder gibt, die darin aufgehen, ist das für mich total genial." Und: "Man kann die Kinder damit in die Natur locken - dann gehen sie wenigstens mal raus." Seit sechs, sieben Jahren ist diese Art Mode. Freilich ist das Geocaching auch ein Spiel für Erwachsene - vornehmlich sogar.
"Da gibt es in Deutschland eine ganz abgefahrene Community", weiß Musiol. Diese Gemeinschaft steigt bei ihrer Schatzsuche sogar in Kanäle und auf Bäume. Und sie informiert sich über eine Webseite zur Lage von bundesweiten Routen, nimmt Reisen in Kauf. Sogar touristisches Potenzial sieht die Mitarbeiterin im Geochaching, für das sich Touren anbieten ließe. Umweltschonend, versteht sich. Die Menschen, die sich wegen Geocaching an die Umweltstation wenden, sind kaum Urlauber oder Auswärtige. "Es sind eher Einheimische, die auf das Angebot zurückgreifen", weiß Musiol. Sie ist es ja auch, die die Routen jährlich neu absteckt und mit neu zu findenden Caches versieht. Sie muss die Strecke auch "warten", denn sie überprüft auch, ob die Döschen samt Inhalt von den Findern wieder ordnungsgemäß an den alten Platz gelegt wurden, damit spätere Nutzer auch spielen können. Sie hat auch das Verzeichnis der Fundstücke, und zudem geht sie auch manchmal Strecken ab und bedenkt dabei, was diese für eine Geochaching-Tour hergeben könnte.