Vatertag und Alkohol. Genau diese unselige Kombination wurde einigen jungen Männern zum Verhängnis. Vor der Großen Jugendkammer am Landgericht Coburg sitzen seit Mittwoch drei 20- jährige Männer aus Lichtenfels. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, am 17. Mai einen 21-jährigen Mann aus Ebern beim Dorffest in Wiesen schwer verletzt zu haben.
An jenem Nachmittag sollen die drei Lichtenfelser den Geschädigten am Dorfanger geschubst, geschlagen und zu Boden gebracht haben. Dann sollen sie den jungen Mann zuletzt noch mit Fußtritten malträtiert haben. Anschließend liefen sie davon. Einer wurde später an der Bratwurstbude beim Bratwurstkauf festgenommen, die beiden anderen einen Tag später zu Hause.
Der Getretene blieb mit Platzwunden im Gesicht und etlichen Blutergüssen zurück. Seine Verwundungen hatten einen zweiwöchigen Arbeitsausfall zur Folge.

Im Nebeldunst des Alkohols

Was wirklich geschah, liegt im Nebeldunst des Alkohols. Zur Hauptverhandlung sind 33 Zeugen geladen. Diese sollen Licht ins Dunkel bringen. Die Angeklagten befinden sich seit sieben Monaten in Untersuchungshaft. Ihre Erinnerungen an jenen Nachmittag sind sehr vage. Einzig, dass der Alkohol am Vatertag bereits ab Mittag floss, ist noch sicher abgespeichert. Ansonsten gaben alle drei an, Alkohol nur am Wochenende zu konsumieren, dann aber schon in großen Mengen.
"Warum saufen Sie denn das Zeug?", wollte der Vorsitzende Richter Gerhard Amend wissen. " Ich weiß auch nicht, vielleicht um von der Arbeitswoche runterzukommen, aber am nächsten Tag geht es einem dann immer scheiße", gab einer an.
Am Himmelfahrtstag will einer der jungen Männer so betrunken gewesen sein, dass er nicht einmal mehr laufen konnte. Die Gedächtnislücke ist entsprechend groß. " Ich war so besoffen, dass ich mich an nichts erinnern kann", gab er an. Seinen Angaben nach habe er etwa zehn Bier und 15 Schnäpse getrunken. Das wären nach einer Hochrechnung um die vier Promille, stellte der Vorsitzende fest: "Das halte ich für unrealistisch."
Staatsanwalt Johannes Berg fiel auf, dass der Angeklagte die Menge Alkohol, die er getrunken haben will, bei jeder Vernehmung höher ansetzte: "Es werden tendenziell immer mehr Schnäpse, die Sie getrunken haben wollen."
Relativ sicher ist, dass eben dieser Mann laut Zeugenaussagen die Schlägerei angefangen hat. Ein oder zwei Mal habe er dem Opfer ins Gesicht geschlagen, danach sei dieses zu Boden gegangen.
Auch einer seiner beiden Freunde gab zu, einige Bierchen getrunken zu haben. Er konnte sich sogar daran erinnern, mit der Faust gegen das Gesicht des Geschädigten geschlagen zu haben. Auch dass es eine Rangelei zwischen dem Opfer und seinem Freund am Boden gab, wusste er noch. Und er ist sich sicher, dass er nicht gegen das Opfer getreten hat.
Nach Begutachtung von Lichtbildern, die das Opfer direkt nach dem Vorfall zeigen, bemerkte er: "Das sieht schlimm aus", und Richter Amend fügte hinzu: "Das sind nicht nur Faustschläge, was wir hier sehen!"
Dieser Angeklagte wurde von einer Zeugin sicher als derjenige wiedererkannt, der das Opfer auch getreten haben soll. Angeklagter Nummer drei gab als Einziger den Ablauf des Tages detailliert wieder. Er sprach davon, dass der Geschädigte in einer angriffsartigen Haltung auf seinen Freund losgegangen sei, bevor dieser dann zuschlug. Sehr schnell sei alles vorbei gewesen, nur Sekunden habe das gedauert. Man habe eigentlich nicht erkennen können, wer und wie viele Menschen gegen das Opfer gingen. Fünf bis sechs Mann seien dicht an dem Wehrlosen dran gewesen.
Was dort allerdings genau geschah, habe er nicht erkennen können. Plötzlich habe das Opfer blutend am Boden gesessen, alle Schläger seien verschwunden gewesen. Er selbst habe etwas abseits gestanden und könne somit gar nicht geschlagen oder zugetreten haben.

Welche Hose hatte der Täter an?

Die auffällige Hose, die er an diesem Tag trug, wurde als Beweisstück einer Zeugin vorgelegt. Diese hatte eine Beschreibung der Bekleidung eines der Täter abgegeben. "Nein, die Hose von demjenigen der zugetreten hat, sah anders aus", gab sie vor Gericht an. Das Gesicht des Mannes habe sie nicht gesehen.
Insgesamt waren die Zeugenaussagen unterschiedlich ergiebig für die Urteilsfindung. Das stellte auch Richter Amend fest, der betonte, dass nach derartigen Ereignissen eine wahrhaftige Aufklärung extrem schwer sei. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.