Was gilt es bei einer CD-Veröffentlichungsparty eigentlich zu beachten - das Veröffentlichte oder die Party? Im Falle des Lichtenfelsers Sandro Weich könnte man sagen: Chapeau, der Kerl hat musikalisch was drauf und Entertainer ist er auch noch. So ungefähr.
Doch, es gibt interessante Nachwuchsbands in Oberfranken! Bands, die den Rock glaubwürdig am Tropf erhalten. So wie Mandrax Queen mit ihren ausgeklügelten Phrasierungen oder Mi Fisto mit eigener düsterer Poesie. Und es gibt Bands, die es glatt fertigbringen, "fällst" auf "Welt" und "perfekt" auf "rechts" zu reimen. Nun ja, kühn. Aber um diese insgesamt fünf Vorgruppen ging es bei der Party im "Hairkiller" ja gar nicht, denn sie wollten eigentlich dem Konzert ihres Bekannten bewohnen, etwas Referenz erweisen, ein Akt der Höflichkeit.

Nichts an ihm wirkt platt

Mit "Kinderchen" spricht Ex-Petty-Tyrant-Frontmann Weich sein Publikum an, zupft dabei stimmend an der Gitarre und ordnet mit Füßen den Kabelsalat am Boden. Oder er sagt so Sachen wie "Das Lied ist zum Bejubeln freigegeben". Überhaupt redet der ausreichend tätowierte Mann viel und gekonnt und schlagfertig, eher nobel als platt. Positiv verrückt nennt man Typen wie ihn. Monatelang hatte er unter dem Projektnamen He told me to ganz alleine an seiner CD "While Elephants sleep" komponiert, getextet, gewerkelt.
Seit vorgestern ist sie im Handel und jetzt, gegen 22.45 Uhr, stand ihre Live-Präsentation bevor. Rund 100 junge Menschen zog es in den Friseursalon "Hairkiller", einem Friseursalon mit Club-Atmosphäre und Bühnentechnik. Und - eigens für diesen Abend - mit großformatig nach Origami aussehendem Elefanten an der Wand.
"Nein, heute flippt er nicht aus", sagt einer der Besucher, jemand, der Weich schon anders erlebte. Tatsächlich kann der 23-Jährige zur ausgelassenen Rampensau werden, irgendwo zwischen Poet und Berserker. Aber was ist dran an seinen Songs, die irgendwo zwischen Joni Mitchell und Placebo angesiedelt zu sein scheinen? While Elephants sleep - während Elefanten schlafen also - ist ihm ein Chiffre für den Zustand zur Ruhe gekommener Sorgen und "ein Ruf nach Leichtigkeit", wie Weich zu seiner CD einmal bemerkte.

Publikum ließ ihn nicht gehen

Seine Lieder, zu denen er sich über Synthesizer per Pedal und ab und an zu tätigendem Knopfdruck selbst zur Gitarre begleitet, machen neugierig. Wenn er bei Titeln wie "Welcome to my World" sauber ins Falsett fällt, beispielsweise. Oder wenn er bei "Imperfect Circle" mit einem ausnehmend schönen Refrain daherkommt. "Heute würde ich gerne in meiner Haut stecken", kommt es ihm angesichts der guten Laune beim Publikum über die Lippen.
Gegen Ende dann ein weiteres melodisches Glanzstück der CD: "Are you an Elephant?" - "Bist du ein Elefant?" Zwar stammt der Song noch aus früheren Zeiten, aber auch an ihm hat Weich kompositorische Teilhabe. Bis weit in die Nacht hinein wurde gefeiert, durfte sich "He told me to" alias Weich beglückwünschen lassen. Mit dem Salon "Hairkiller" hat er für While Elephants sleep eine Verkaufsstelle. Ansonsten noch auf seiner Webseite hetoldmeto.de.
Vielleicht wird der Lichtenfelser in Zukunft beruflich verstärkt auf Musik setzen. Gerüchte dazu kursieren jedenfalls.