Der Reitverein Maintal schrammte an seiner Auflösung vorbei. Durch einen Schuldenberg und nicht bezahlte Rechnungen drohte dem Verein die Geschäftsunfähigkeit und damit das Aus. Darüber hinaus fehlten an manchen Tagen Stroh oder Sägespäne, und die Vorratshaltung ist knapp bemessen.
Bei der Hauptversammlung am Freitag im Vereinsheim konnte Unheil abgewendet werden. Vorsitzende Kerstin Fiedler-Rank "zauberte" einen Spender aus dem Reiterhelm, der mit einer namhaften Summe gewillt ist, den Freizeitsport für die 128 Reiterinnen und Reiter am Leben zu halten.
Es wurde mucksmäuschenstill in der Wöhrdstraße 47, als die Vorsitzende den Rettungsschirm öffnete. Was bis dato unfassbar schien, entpuppte sich als gangbarer Weg, die Finanzklemme zu überwinden. Die Vorsitzende machte deutlich, dass es sich bei dem Vereinsfreund nicht um einen Investor handle, der auf lange Sicht seinen persönlichen Nutzen aus einer Investition ziehen wolle, sondern um einen uneigennützigen Geldgeber, der keine Rückzahlung des Geldes verlange.

Helfer will ungenannt bleiben


Allerdings knüpfe der nicht genannte Spender sein Engagement an einige Bedingungen, ohne die er keinen Cent locker machen wolle: Der Verein muss seine Beiträge und Gebühren stark anheben. Diese Pille zur Gesundung der Vereinsfinanzen mussten die drei Dutzend anwesenden Mitglieder schlucken. "Wir haben keine andere Wahl", stellte die Vorsitzende fest, "entweder wir stimmen zu, oder wir können morgen dicht machen". Es gebe nur zwei Alternativen, sagte sie. Zustimmung zum Finanzplan oder die Auflösung des Vereins.
16 stimmberechtigte Mitglieder befürworteten schließlich das Rettungspaket, sechs enthielten sich der Stimme, bei einer Gegenstimme.
Die Finanzplanung sieht vor, das Koppelgeld und die Boxenmieten zu erhöhen. Jeder Pferdehalter, der seinen Vierbeiner im Reitstall einstellen möchte, muss Mitglied im Verein werden. Von den insgesamt vier Arbeitseinsätzen im Jahr sind zwei Pflicht.
Bei dem Punkt "Verpflichtung zum Arbeitseinsatz" muckten dann aber einige Mitglieder auf. Es wurde an der Rechtmäßigkeit gezweifelt. Hier stellte die Vorsitzende fest, dass es laut Vereinssatzung mit der Zustimmung der Mitglieder möglich sei, Vereinsangehörige zum Arbeitseinsatz zu verpflichten. Diese Zustimmung sei in der Abstimmung über das ganze Paket enthalten. Eine Mutter wollte die Kinder davon ausnehmen. Die Vorsitzende lehnte das entschieden ab. Auch der Nachwuchs könne sich mit zumutbaren Arbeiten beteiligen. "Wir machen keine Altersunterschiede", sagte sie.
Wenn ein Mitglied verhindert sei, könne es auch einen Vertreter mit dem Arbeitseinsatz beauftragen, fuhr Kerstin Fiedler-Rank fort. Außerdem handle es sich um lediglich zwei Pflichteinsätze im Jahr. Eine Anwesende machte deutlich, dass bisher immer nur einige wenige beim Arbeitseinsatz dabei seien. Es sei jedoch ungerecht, wenn diese für die anderen die Arbeit machten.

Keine Angaben zu den Schulden


Der Schuldenstand zum Ende des Geschäftsjahrs wurde nicht bekannt gegeben. Dazu teilte die Kassiererin mit, dass Lieferantenrechnungen schon vor einem Jahr "vorausgeschoben" wurden. Die Finanzsituation sei durch Reparaturen und den kalten Winter weiter verschärft worden. Aufgrund der schlechten Ernten in den vergangenen zwei Jahren hätten sich die Unterhaltskosten der Pferde - wie Futter und Einstreu - dramatisch erhöht. Für die Instandsetzung der Koppeln und die Erneuerung der Koppelstangen werde Geld benötigt. Trotz der finanziellen Probleme sah die Vorsitzende positiv in die Zukunft: "Wir schaffen es, wenn jeder mitmacht", schloss sie den Tagesordnungspunkt.
Einstimmig wurde eine neue Schriftführerin gewählt, Gabriele Freitag löst Anna-Maria Beck ab. Als Kassenprüfer stellten sich Anna Enzmann und Markus Schütz zur Verfügung. Für den Schulbetrieb soll ein Pferd angeschafft werden. Im Mai beginnen die Instandsetzungsarbeiten an den Koppeln. Die Vorsitzende legte Wert darauf, dass die Koppeln stets den Sicherheitsanforderungen entsprechen; danach hatte ein Mitglied gefragt. "Kein Pferd kann auf die Autobahn laufen", versicherte sie.
Am 24. und 25. März findet ein "Fallkurs" statt. Dabei wird geübt, wie man vom Pferd fällt, ohne sich zu verletzen.
Am 30. und 31. März sowie am 1. April wird ein Dressurkurs auf hohem Niveau mit der Dressurreiterin Tina Röttgen durchgeführt. Tina Röttgen ist bayerisches Kadermitglied und Trägerin des Goldenen Reitabzeichens.
Am 20. und am 22. April findet ein Springkurs mit Turnierreiter Siggi Haaf statt. Jeden ersten Sonntag im Monat wird von 15 bis 17 Uhr Ponyreiten angeboten. Im Mai ist ein Kurs über verschiedene gymnastische Bodenübungen mit dem Pferd an der Hand geplant.