Die Verleihung der Auszeichnung durch den Arbeitskreis Bauen und Gestalten im Fränkische-Schweiz-Verein fand diesmal in Streitberg bei Forchheim statt. Mit dem "Schmuckziegel" werden Bauwerke ausgezeichnet, die Verbundenheit mit der fränkischen Heimat und dem Einklang zwischen traditionsbewussten und modernen Bauen aufweisen.
Um dem Zerfall der Bautradition in der Fränkischen Schweiz entgegenzuwirken, wurde 1973 der Arbeitskreis "Bauen und Gestalten" im Fränkische-Schweiz-Verein gegründet. Gudila Freifrau von Pölnitz stiftete 1974 diese Anerkennung, welche 1975 erstmalig vergeben wurde. Der Arbeitskreis erkundete die alten Bauweisen turnusgemäß am 5. April dieses Jahres während einer rund 210 Kilometer langen "Schmuckziegel-Rundfahrt" durch die Region.
Nach der Vorauswahl wurden die gemeldeten Neubauten und Sanierungen durch die Mitglieder begutachtet und bewertet. Die Bewertung der einzelnen Objekte fand anonym nach dem Schulnoten-Prinzip statt. Im Anschluss wurden die diesjährigen Preisträger für die Schmuckziegel ermittelt.
Die gelungenen Objekte werden durch eine Urkunde in Verbindung mit einem entsprechend nummerierten Tonziegel ausgezeichnet. Ein Schmuckziegel hat in etwa Größe und Form eines Biberschwanzziegels und wird vom Bildhauer Harro Frey jeweils handgefertigt. Der Ziegel zeigt als Überschrift: "Der Väter Rat - der Jungen Tat"; abgebildet sind die Insignien des Bauhandwerks : Hammer, Kelle und ein mit einem Steildach verknüpfter Zirkel.
Die Kirche in Weiden ist Erzählungen zufolge zur gleichen Zeit wie der Bamberger Dom und mit dem gleichen Stein erbaut, also vor zirka 1000 Jahren. Im 30-jährigen Krieg wurden Wehrkirche und halb Weiden von schwedischem Kriegsgesindel geplündert und niedergebrannt. Trotz aller Schrecken und Leid wurde das Gotteshaus nach kurzer Zeit bereits 1645/46 wieder aufgebaut.

Bohlenbalkendecke in alter Pracht

Zu der Dach- und Deckenkonstruktion des Langhauses aus dieser Bauepoche gehören die gut erhaltenen Holzbauteile der spätmittelalterlichen Bohlenbalkendecke, die somit das älteste hölzerne Konstruktionsrelikt ist. Diese Decke in ihrer Pracht wieder zu zeigen, war Herausforderung der Sanierung und zugleich Wertschätzung der damaligen Handwerkskunst. Die Bauleistung aus dieser geschundenen Zeit, ohne großen Einsatz von Geldmittel und Maschinen sowie mit einfachen Mitteln und Materialien, erfordern größten Respekt.
Im 18. und 19. Jahrhundert erfuhr das Gotteshaus weitere Um- und Einbauten wie den barocken Altar und die Orgel. In den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde es unter der Leitung des kürzlich verstorbenen Pfarrers Pfarrer Erhard Meissner auf den damaligen Stand der Technik gebracht.

Neues Lichtkonzept

Bei den rund siebenmonatigen Sanierungsarbeiten, die im Dezember 2012 fertig gestellt wurden, war vor allem die Sanierung des Holztragwerks des Kirchturmes mit der Schiefereindeckung sowie ein neues Lichtkonzept der Raumschale erforderlich.
"Die verschiedenen Bauepochen mit ihren typischen Bauteilen wieder zusammenzufügen und als Einheit erscheinen zu lassen", sah Architekt Georg Schilling aus Hollfeld, der die Auszeichnung im Namen der Weidener entgegen nahm, als Verpflichtung.
Er zeigte erfreut darüber, dass der Respekt vor alten Werten und altem Wissen, Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Umsetzung dieses Erbes in die Gegenwart durch die Vergabe des Schmuckziegels "Fränkische Schweiz" anerkannt und gewürdigt werden.