Am Samstag wurde mit einem Ringelnatz-Abend in der Alten Darre an den Schriftsteller und Kabarettisten erinnert. Rund 70 Personen kamen, um der Stimme Wolfgang Krebs' zu lauschen, der mit lebendiger Gestik und Mimik aus seinem Ringelnatz-Büchlein rezitierte, selbstverständlich mit dem Konterfei des Autors als Cover.
Wie sich zeigte, zündeten Ringelnatz' "Klassiker" am besten, weshalb sie diese Bezeichnung auch verdienen. Darunter, um nur einige zu nennen: "Ein männlicher Briefmark erlebte", "Die Schnupftabaksdose" und "Die Ameisen". Auch über den Igel, der sich alle Stacheln abrasierte, wurde viel gelacht und in der Pause noch gesprochen. Ringelnatz zelebrierte die Unsinnspoesie, beschrieb dabei Karl Mays Nachlass, sinnierte über Pflastersteine und Geburtenzahlen. Immer schelmisch, doch stecken auch tiefe Wahrheiten in Ringelnatz' Scherzen, wie zum Beispiel bei "Versuchungen bekämpft man am besten mit Geldmangel und Rheumatismus."
Gerade Letzteres verweist auf noch eine ernstere Seite des Humoristen. Krebs erinnerte daran, dass Ringelnatz ein Zeitgenosse Charlie Chaplins war. "Genau wie bei Chaplin gibt es bei Ringelnatz nicht nur eine komische, sondern auch eine tragikomische, herzzerreißende, anrührende Seite", unterstrich er. Aber am liebsten witzelte Ringelnatz über den Nonsens des Alltags, über Tiere und über die Liebe.
Ganz hingerissen war das Publikum von der Geschichte des Nagels und seiner Frau, die mit den Worten endet: "Ja, alte Liebe, die rostet nicht!" Ringelnatz beschrieb in seinen Gedichten sämtliche Stationen und Varianten der Liebe, von der zaghaften Annäherung bis zum Ende. Die Liaison zwischen einem Känguru und einem Taschenkrebs - so viel sei verraten - ging nicht gut aus.
Eigentlich braucht man keine Auflockerung des Programms, wenn man Ringelnatz rezitiert, doch der musikalische Beitrag von Tanja Schaller und Thomas Schimmel gefiel. Mal überleitend, mal kommentierend, man stimmungsverstärkend brachten sie Musik verschiedener Stilrichtungen ein. Stücke aus dem Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns wurden zum Beispiel beim Themen-Block "Tierisches" herangezogen. Besonders bei "Der Schwan" konnte Tanja Schaller zeigen, welch schönen, vollen, vibratodurchzogenen Klang sie mit der der Querflöte hervorbringt. Ihr stärkstes Stück an diesem Abend. Sie wechselte von der großen Flöte zur Piccolo-Flöte, vom Akkordeon zum Glockenspiel. Ganz zauberhaft wirkte die Klangmelange von Glockenspiel und Klavier. Thomas Schimmel beherrschte das Klavier souverän und sang auch ein Ständchen auf der Gitarre. Entzückt reagierte das Publikum, als er endlich die Ukulele in die Hand nahm - hatte es diese Verniedlichung eines Zupfinstruments schon die ganze Zeit am Bühnenrand stehen sehen.


Publikum war bester Laune

Das Publikum war überhaupt bester Laune an diesem Abend und stimmte bei manchen Liedern sogar mit ein. Summend erwiderte es die Melodie zu "Die Gedanken sind frei". Durchaus "intim" fand eine Besucherin das Ambiente der Alten Darre, so dass es nicht verwunderte, dass in dem kleinen Raum eine gewissen Behaglichkeit zu verspüren war. Hier und da machten es sich Zuhörer auch mit einem Glas Wein gemütlich. Ein gelungener Abend, der das Publikum mit viel Heiterkeit entließ. Ein Abschiedsgruß mit den Worten Ringelnatz': "Freude soll dir die Seele durchschauern. Freude soll weiterschwingen."