Die bayerische Staatsregierung klassifiziert die Region Obermain-Jura als "Raum mit besonderem Handlungsbedarf". Als wenig attraktiv wird sie innerhalb des Landkreises Lichtenfels wahrgenommen. Prognosen zufolge wird die Bevölkerung bis 2030 um 30 Prozent schrumpfen. Es ist höchste Zeit, etwas dagegen zu tun, meint das Wirtschaftsforum Obermain-Jura. Ein Verantwortungs-Kompass soll helfen, die Region attraktiver zu machen.
"Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir aber die Unterstützung der Bevölkerung", betonte Vorsitzender Erhard Ströhl bei einem Informationsgespräch. Unter dem Motto "Gemeinsam für die Region" haben alle Bürger und Arbeitnehmer der Kommunen Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain die Möglichkeit, sich bei einer Online-Befragung zur Situation der Region zu äußern.


Meinung der Bürger gefragt

Arbeiten und leben Sie gerne in der Region? Welche Angebote sind besonders gut, welche fehlen Ihnen? Wie gut funktioniert die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit? Das sind nur einige Beispiele aus dem Fragenkatalog, zu dem das Wirtschaftsforum die Meinung der Bürger erfahren möchte. Aus den Antworten lassen sich Ströhl zufolge Maßnahmen entwickeln, die mit den beteiligten Kommunen und der regionalen Wirtschaft umgesetzt werden können.
Wer sich an der Online-Befragung beteiligen möchte, ruft die Website des Wirtschaftsforums unter www.oj-wifo.de auf. Bürger, die über kein Internet verfügen, erhalten den Fragebogen ausgedruckt in den Einwohnermeldeämtern der Kommunen. Die Befragung, die anonym erfolgt, endet am 15. Dezember. Alle Daten werden streng vertraulich behandelt. Die Online-Befragung ist Bestandteil des Verantwortungs-Kompasses, den das Wirtschaftsforum Obermain-Jura in Zusammenarbeit mit den Städten Burgkunstadt und Weismain sowie der Gemeinde Altenkunstadt ausarbeitet. Unterstützt wird das Projekt von der Universität Bayreuth in Kooperation mit der concern GmbH.


Kirchturmdenken vorbei

Das am 21. April 2015 von 17 Unternehmen ins Leben gerufene Wirtschaftsforum Obermain-Jura hat laut Ströhl mittlerweile 31 Mitglieder: "Unser Verein ist aber keine neue Fraktion. In Zusammenarbeit mit der Politik und der Wirtschaft versuchen wir, unsere Region voranzubringen". Der Raum habe tolle Unternehmen und sei folglich gar nicht so unattraktiv: "Aus einem Kirchturmdenken heraus haben wir ihn schlecht geredet. Dabei haben wir einen Lebensraum zu bieten, der sehr wertvoll ist. Doch leider verstehen wir es nicht, ihn wirksam zu verkaufen".
Nach Aussage des Zweiten Vorsitzenden Michael Limmer befindet sich das Projekt "Verantwortungs-Kompass" in der dritten Stufe, der Bestandsaufnahme. 25 Personen habe man für Experteninterviews ausgewählt. "Wir wollten wissen, wo ihrer Ansicht nach Handlungsbedarf besteht und welche Chancen sie für unsere Region sehen." Als Betätigungsfelder hätten sich die Bereiche Bildung und Soziales, Freizeit, Tourismus, Struktur und Entwicklung, Verkehr und Verwaltung herauskristallisiert. "Mit einer erhöhten Attraktivität können wir nicht nur dazu beitragen, dass weniger junge Leute unsere Region verlassen. Wir können damit auch neue Arbeitnehmer herlocken. In eine Region, die auch für deren Familien attraktiv ist", erklärte Erhard Ströhl.
Aber auch die Menschen, die bereits hier leben, und dabei vor allem ältere Mitbürger, müssten in die Überlegungen einbezogen werden. Was kann speziell für sie getan werden? Das Wirtschaftsforum ist mit Schulen in Kontakt getreten, denn auch die Meinung der Jugendlichen ist gefragt. "Es hat sich dabei gezeigt, dass den jungen Leuten die Verbindung zur Wirtschaft und die daraus resultierenden berufsorientierenden Maßnahmen wichtig sind", erklärte Michael Limmer.
Erhard Ströhl zufolge soll die inhaltliche Arbeit für den Verantwortungs-Kompass im Frühjahr 2017 abgeschlossen sein. Dann beginne die Umsetzungsphase, deren Dauer schwer abzuschätzen sei. Man werde daher "Quick Wins", also schnellgreifende Maßnahmen ermitteln, deren Ergebnisse bereits in ein oder zwei Jahren sichtbar würden. Die Kommunen Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain müssten zeigen: "Wir können miteinander. Es bewegt sich in die richtige Richtung". Eine große, wichtige und spannende Aufgabe für alle Beteiligten. Die Region kann sich nach den Worten Ströhls nur dann entwickeln, wenn alle an einem Strang ziehen. Die Wirtschaft wolle nichts aufsetzen.