Schwedischer Glühwein oder "Augenblicksversagen"? In dem Verfahren um Alkohol am Steuer und Fahrerflucht wurde mit der Verfahrenseinstellung am Dienstag im Amtsgericht eine Art Kompromiss geschlossen. Allerdings ein vierstelliger.

"Ich will auch nicht sagen, dass er hier völlig ungeschoren rausgehen soll", erklärte Christian Reimesch, Anwalt des Beschuldigten. Letztlich wird der 5000 Euro für die Verfahrenseinstellung aufbringen müssen.

Rückblende: 23. Dezember 2014. Der 50-jährige Bad Staffelsteiner beabsichtigt, abends seinen Besucher und Beifahrer zum Bahnhof zu bringen. Vorher aß man zu Abend und genoss nach Aussage des Angeschuldigten je ein Gläschen Wein. Allerdings habe es auch auf der Arbeit noch ein weihnachtliches Festessen gegeben, bei dem es verhängnisvolle kleine trinkbare Bierwerbegeschenke gegeben haben soll. Aber auch davon habe man nicht allzu viel genommen. Beim Abendbrot daheim habe er sich nüchtern gefühlt. Bald stieg er ins Auto und geriet an einer für Unfälle wohlbekannten Kurve von der Straße. So wie schon "Generationen" an dieser Kurve gescheitert seien. Ein "Augenblicksversagen", wie der Bad Staffelsteiner bemerkte.

Bemerkt hatte er auch den Schaden in Höhe von knapp 1100 Euro, den er durch seinen Spurverlust Installationen der Straßenmeisterei zugefügt hatte. Doch an dieser Stelle unterschied sich sein Verhalten von dem anderer Menschen, die in Verdacht der Fahrerflucht geraten: Er rief seinen Onkel an, der Kontakte zum Straßenmeisterei hat, und legte ihm mit der Bitte um Weiterleitung das Geschehene ans Herz. Dass das so nicht ausreichend sei, habe er "nicht eingeschätzt", sagt der 50-Jährige. Dennoch kam Staatsanwalt Stefan Jäger nicht umhin, anzuerkennen, dass dieses Verhalten des bislang Unbescholtenen eben auch ein tatverschleierndes war. Auch sei der Schaden baldigst beglichen worden.

Im Sinne seines Neffen konnte auch der Onkel bestätigen, dass sein Anrufer nicht alkoholisiert geklungen habe. Der Mann hätte nur nicht weiterfahren dürfen. Tat er aber doch. Vor allem aber habe er später noch gehaltvollen Glühwein schwedischen Ursprungs getrunken, darauf anstoßend, dass nicht mehr passiert sei.

"Das war wahrscheinlich das Dümmste, was ich nur machen konnte", so der 50-Jährige. Dieser Nachtrunk erkläre den später festgestellten Wert von über einem Promille. Ungelegenheiten hatte der Unfallfahrer selbst schon genug. Über sieben Monate ist sein Führerschein einbehalten worden. Aber den benötigt er dringend für seine Arbeit. Am Dienstag händigte ihm nach Verfahrenseinstellung Richter Hoffmann den Schein aus.