"Am 12. April 1945 werden Staffelstein und Ebensfeld von der US-Armee besetzt", damit steigt Josef Motschmann in seinen historischen Abriss der Nachkriegsgeschichte in der Region ein. In seinem Vortrag im Pfarrheim in Ebensfeld beleuchtete der Vorsitzende der CHW-Ortsgruppe Bad Staffelstein die Jahre zwischen 1945 und 1947 am Obermain mit etwas Ebensfelder Lokalkolorit, wie er sagte.
Das Jahr 1945 brachte eine geschichtliche Wende, allerdings eine andere als sich Adolf Hitler in seiner Neujahrsansprache vorstellte. Am 27.Januar 1945 wurde das KZ-Auschwitz durch Soldaten der Roten Armee befreit. Im gleichen Monat scheiterte die Ardennen-Offensive, und Nürnberg wurde in Schutt und Asche gelegt. "Den Feuerschein soll man bis zum Obermain gesehen haben", berichtete Motschmann aus der Erinnerung von Zeitzeugen. Im Verlauf des Februar und März wurden Flüchtlinge aus Schlesien und Menschen aus den bombardierten Städten auf dem "ruhigen Land" untergebracht.
Dennoch wurden auch hier Tiefflieger zu einer ständigen Bedrohung für die Menschen am Obermain. Essen, Kleidung und Hygieneartikel gab es nur noch gegen Marken. Wertgegenstände mussten abgegeben werden. Kontrollen waren an der Tagesordnung und "schwarzes" Schlachten war natürlich verboten. Woran sich angesichts des großen Hungers nicht jeder hielt. Wer erwischt wurde, war durchaus findig: In Grundfeld hatte man eine halbe Sau kurzerhand in ein Bett gelegt, ihr eine Haube aufgesetzt und dem Kontroller erklärt, dass die Tante TBC habe, worauf die Sache erledigt war. Motschmann schilderte die letzten Kriegsmonate anhand einiger Zahlen und Ereignisse: Am 22. Februar starben in Bamberg 200 Menschen bei einem Bombenangriff. Am 16. März wird Würzburg nach einem Angriff der Royal Air Force zum Grab am Main. 5000 Menschen finden den Tod. Soldaten, die sich von ihrer Einheit abgesetzt haben, versuchten sich in Bauerhöfen zu verstecken um nicht wegen Fahnenflucht an die Wand gestellt zu werden. Am 1. April 1945, einem Ostersonntag, bombardierten Tiefflieger einen Munitionszug in Zapfendorf. Die Feuerwalze war bis Ebensfeld zu sehen.


Drehkreuz Ebensfelder Bahnhof

Dadurch, dass Ebensfeld einen Bahnhof hatte, wurden auch viele Kriegsgefangene durch den Ort getrieben. Manchmal zeigte die Bevölkerung Mitleid mit den Männern und hinterlegte Stücke von Brot. Dies kostete manchen Kriegsgefangenen das Leben, der, nachdem er sich nach dem Stück Brot bückte von der Wachmannschaft erschossen wurde. Die Kriegsgefangenen wurden in Ebensfeld in mehreren Scheunen einquartiert. "Manchmal haben sie den Kindern ein kleines Geschenk gemacht, wie ein geschnitztes Tierchen. Dafür haben sie ein Stück Brot erhalten oder ein paar Kartoffel", berichtete Motschmann. Solche Geschichten sollten, solange sie noch jemand erzählen kann, aufgeschrieben und an die Archive weitergegeben werden, appellierte Motschmann.
Nach Ebensfeld und Staffelstein wird einen Tag später am 13. April 1945 auch der östliche Landkreis und der Jura von der US-Armee besetzt. Viele Nazis haben sich damals das Leben genommen. Andere wieder, wie Zwangs- und Fremdarbeiter, erlebten den Einmarsch der US-Truppen als Befreiung. Bereits 1944 hatte man den Frauen die Angst vor Vergewaltigungen eingetrichtert. Bei vielen Frauen haben die Erlebnisse auch Jahrzehnte später noch nachgewirkt.
Die von den Amerikanern neu eingesetzten Bürgermeister mussten im Mai und Juni 1945 Listen mit Namen von Mitgliedern der NSDAP erstellen. Darüber hinaus bestand ihre Hauptaufgabe darin, die hohe Zahl an Flüchtlingen und Heimatvertriebenen unterzubringen. Am 27. Januar 1946 fanden die ersten demokratischen Wahlen in Ebensfeld statt. Wahlberechtigt waren damals 440 Frauen und 163 Männer. Der geringere Männeranteil lag nach Ansicht von Motschmann daran, dass viele Männer noch in Kriegsgefangenschaft oder im Krieg gefallen waren.