Die Main-Post wird die Druckerei und Teile der Vorstufe des Obermain-Tagblatts in Lichtenfels schließen. Das sagte der neue Geschäftsführer Peter Tischler in einem Interview im Obermain-Tagblatt (OT). In beiden Abteilungen arbeiten jeweils acht Beschäftigte, dazu kommen noch Aushilfen in der Druckerei. Zusammen geht es um etwa 25 Personen. Redaktionsleiter Roger Martin sprach in einem Kommentar in der Montagsausgabe der Zeitung von "schmerzlichen Einschnitten", die diese Entscheidung und "weitere Veränderungen" mitbringen werden.

"Mit dem heutigen Tag beginnen sozusagen die Verhandlungen", sagt Bernd Bauer vom Fachbereich Druck der Gewerkschaft Verdi, die in die Abwicklung der Druckerei eingebunden ist. Der Betriebsrat habe inzwischen eine externe Anwältin beauftragt, die Verhandlungen zu führen.

Peter Tischler kündigte an, dass das Obermain-Tagblatt und die anderen Verlage der Mediengruppe Pressedruck in Augsburg, zu der die Main-Post gehört, in einem ersten Schritt "näher aneinander rücken" würden. Ob das weitere Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahl und andere Abteilungen haben könnte, sagte er nicht. Für eine Stellungnahme war Tischler trotz mehrmaliger Nachfrage gestern nicht zu erreichen. An seinen Geschäftsstellen in Lichtenfels, Bad Staffelstein und Altenkunstadt wolle die Zeitung weiter festhalten.

Vorläufig steht die Zukunft von acht Mitarbeitern in der Druckerei sowie acht Mitarbeitern in der Druckvorstufe zur Diskussion, "dazu kommen noch um die acht Aushilfen in der Druckerei", sagt Dieter Pfarrdrescher, Betriebsratsvorsitzender beim Obermain-Tagblatt. Tischler machte in dem OT-Interview keine Angaben zur Zahl der betroffenen Kollegen. Um die Druckerei in Lichtenfels halten zu können, wäre eine Millionen-Investition am Standort in Lichtenfels-Seubelsdorf notwendig gewesen, sagt er weiter. Die Main-Post sieht dafür keine wirtschaftliche Perspektive, der Druckereimarkt sei hart umkämpft.

Bislang musste die Belegschaft mit allgemeinen Aussagen leben, obwohl sich die Entscheidung schon länger abzeichnete. Denn es geht auch darum, ob die betroffenen Mitarbeiter an anderen Orten in dem großen Konzern weiterbeschäftigt werden. Und der hat nominell erst seit Montag im Zeitungshaus das Sagen, obwohl der Kauf schon Mitte Januar bekannt wurde.

Nach Informationen von Verdi wurde der Hälfte der Mitarbeiter angeboten, an anderen Orten zu arbeiten. Mit "anderen Orten" sind die 80 bis 120 Kilometer entfernten Städte Schweinfurt und Würzburg gemeint. "Da ist man aber noch am miteinander Reden", so Bauer.

Noch kein neuer Druckstandort


Bislang steht wohl auch noch nicht fest, wo das Obermain-Tagblatt künftig gedruckt wird, deshalb gibt es gegenüber der Belegschaft noch keine Signale, wann mit Kündigungen zu rechnen sein könnte. Würde die Main-Post den Druck übernehmen, müsste das Obermain-Tagblatt auf ein größeres Zeitungsformat wechseln.

Auch inhaltlich kündigen sich bereits Veränderungen an: Das Obermain-Tagblatt hat schon im Januar seinen Zuliefervertrag für die Mantelseiten mit dem Ring Nordbayerischer Tageszeitungen (RNT) in Bayreuth gekündigt. Er endet zum 31. Dezember 2013. Aus Bayreuth bezieht die Lichtenfelser Zeitung Seiten wie Politik und Sport oder die Wochenendbeilage. Der RNT beliefert neben dem Obermain-Tagblatt die Bayreuther Tageszeitung Nordbayerischer Kurier.

Die ehemalige Geschäftsführerin und Besitzerin Irmgard Wilkening hatte sich mit einem Essen auf der Karolinenhöhe in Trieb am vorletzten Samstag von ihren ehemaligen Beschäftigten im privaten Kreis verabschiedet. Vor rund 30 Personen ging es eher ruhig zu, Reden wurden nicht gehalten, auch der neue Geschäftsführer Peter Tischler war nicht dabei.

Irmgard Wilkening war eine Verlegerin, die sich in der Öffentlichkeit eher zurückhielt, in der Arbeit im Unternehmen aber stets präsent war und als sozial gilt. Ihre Worte zum Abschied in der Zeitung in der Samstagsausgabe fielen, wie man das von ihr kannte, kurz aus. Peter Tischler, ein vor allem im Bereich Internet erfahrener Manager, wird den Betrieb mit rund 80 Mitarbeitern leiten. Er übernimmt diese Aufgabe zusätzlich, denn er zeichnet weiterhin bei der Main-Post als Leiter des Bereichs digitale Medien verantwortlich.

Teil eines großen Konzerns


Das Obermain-Tagblatt ist damit nun Teil eines Großkonzerns, denn hinter dem Würzburger Unternehmen steht ein nochmals größerer Betrieb, die Mediengruppe Pressedruck in Augsburg, zu der die Augsburger Allgemeine und ihre Heimatzeitungen (Auflage 330.000 Exemplare) gehören. Die Mediengruppe Pressedruck hatte die Main-Post im Dezember 2010 von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck erworben. Mitte des Jahres kam außerdem eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent am Südkurier in Konstanz hinzu, ebenfalls ein Holtzbrinck-Unternehmen, dessen Auflage bei 128.000 Exemplaren liegt. Die Main-Post bewegt sich mit allen ihren Außenausgaben bei rund 130.000 verkauften Zeitungen täglich.