Industriell produzierter Apfelsaft aus dem Supermarkt - allein schon bei diesem Gedanken schüttelt es Herbert Ahles aus Roth. "Selbst hergestellter Apfelsaft schmeckt einfach besser, weil er ganz ohne Chemie auskommt." In den vergangenen Jahren hatte er noch zu Hause mit seiner Frau Apfelsaft gemacht. "Das war ein mühsamer Prozess: Einen Tag mussten wir für das Hobeln und Pressen aufwenden, einen Tag für das Einkochen", erzählt er. Diese Zeiten gehören der Vergangenheit an: Gestern öffnete die Kelterei der Altenkunstadter Obst- und Gartenbauvereine in Burkheim ihre Pforten für die Allgemeinheit.
Elf Leute mit rund 28 Zentnern Obst haben sich nach Auskunft von Gottwald Siebert vom Obst- und Gartenbauverein Burkheim angemeldet. Bereits um neun Uhr stehen die ersten Kunden vor dem ehemaligen Feuerwehrgerätehaus in der Franz-Josef-Ahles-Strasse.

Heuer eine geringere Ernte

Ahles ist einer von ihnen. Er hat zwei Zentner Obst mitgebracht. In seinen Eimern befinden sich unterschiedliche Sorten aus seinem heimischen Garten, wie "Golden Delicious", "Rote Sternrenette" oder "Boskop". Wie bei so vielen Gartenbesitzern ist auch bei ihm die Ernte geringer ausgefallen als in den Vorjahren. Hansjürgen Köstner vom Obst- und Gartenbauverein Burkheim nennt die Gründe: "Das Frühjahr war einfach viel zu kalt. Die Bienen schwärmten nicht aus, um die Blüten der Obstbäume zu bestäuben."
Ahles stimmt ihm zu und ergänzt: "Der trockene Sommer tat sein Übriges."

Goldgelber Apfelsaft

Ratternd zerkleinert der Häcksler die Äpfel. Nebenan surrt und pumpt die hydraulische Presse. Lange Schürze, Handschuhe und Gummistiefel - Konrad Graßmann, Gottwald Siebert und Wolfgang Schnabel sind nicht nur passend gekleidet, sondern auch in ihrem Element. Während Ersterer am Häcksler immer wieder für Nachschub sorgt, kümmern sich die anderen beiden um die Presse.
"Eineinhalb Zentner Äpfel können mit der Obstpresse zu Saft verarbeitet werden", erklärt Siebert. Gemeinsam mit Schnabel schichtet er den Brei aus dem Häcksler zwischen Filtermatten und Holzbretter. Sieben Stapel kommen so zu Stande. Ein Knopfdruck - und die Presse senkt sich langsam auf die geschichteten Bretter. Aus einem Rohr zischt goldgelber, wohlriechender Apfelsaft in einen Eimer. Es ist vollbracht, möchte man meinen - mitnichten!
Jetzt kommt das Saftmobil ins Spiel. Auch hier sind fleißige Hände am Werkeln. "Zunächst wird der Saft in zwei Edelstahlbehälter gepumpt, die jeweils über ein Fassungsvermögen von 200 Liter verfügen. Von dort aus wird die wohlschmeckende Flüssigkeit weiter in den Durchlauferhitzer gepumpt, wo sie auf 80 Grad erhitzt wird", schildert Bernhard Püls den technischen Ablauf. Er unterstützt seine Frau Maria von der Umweltstation.
Mit Hilfe der automatischen Abfüllanlage füllt er den Apfelsaft in Fünf-, beziehungsweise Zehn-Liter-Beutel ab. "Darin hält sich der Saft bis zu einem Jahr." Püls taucht die Beutel kurz in Wasser und übergibt sie an seine Frau, die sie in Kartons einpackt und an die Kundschaft weitergibt.

Sehr positive Resonanz

Die Kunden sind voll des Lobes über das neue Angebot. Bislang mussten die Einwohner aus Altenkunstadt und seinen Ortsteilen nach Burgkunstadt oder Schwarzach fahren, wenn sie aus ihren Äpfeln Saft machen wollten. "Das Angebot vor Ort finde ich gut und trägt zur Unterstützung der heimischen Obst- und Gartenbauvereine bei", meint Günter Popp aus Altenkunstadt.
Auch Herbert Ahles strahlt übers ganze Gesicht. Mit seinem Apfelsaft möchte er seinen vier Enkeln eine Freude bereiten. "Die trinken ihn so gerne", verrät er.

Der nächste Termin in Burkheim

Saftmobil Am Freitag, 18. Oktober, wird noch einmal ab 9 Uhr in der Burkheimer Kelterei Apfelsaft hergestellt. Auch das Saftmobil steht dann wieder vor dem ehemaligen Feuerwehrgebäude, um den Saft der Apfellieferanten haltbar abzufüllen.

Anmeldung Um telefonische Anmeldung bei Anja Nüsslein, Rufnummer 09572/603030, wird gebeten.