Die Angerturnhalle ist ein gesellschaftlicher Mittelpunkt der Gemeinde. Das ist seit Generationen schon so. In den 50er Jahren hat Caterina Valente darin gesungen, das war die Zeit vieler Tanzveranstaltungen. Für manch einen begann darin vielleicht die große Liebe, für viele ist jedenfalls die Halle mit Erinnerungen an Kindheit und Jugend verbunden. Kinderfasching, Rockfete, Party: In der 87 Jahre alten Halle spielt sich immer noch vieles ab, was das Leben in Michelau bereichert - zusätzlich zum sportlichen Angebot. Der Turnverein, dem die Halle gehört, schultert diese Veranstaltungen, um Geld in die Kasse zu bekommen. Geld, das er für den Unterhalt dieses stattlichen, altehrwürdigen Gebäudes dringend braucht. Rund 25 000 Euro im Jahr gehen für die laufenden Kosten - Öl, Strom, Wasser - drauf, wie Vorsitzender Clemens Weisser wissen lässt. Und da darf noch nichts kaputt gehen.

Erhalt eines Kulturzentrums


Nun hatte der Verein, der heuer 150-jähriges Bestehen feiern wird, einen Hilferuf an die Gemeinde gerichtet. Es stehen dringende Sanierungsarbeiten an. An der Ostfassade geht es um den Erhalt der Bausubstanz. Innen müssen Wände, die Decke unter der Galerie und der Fußboden renoviert werden. Für Ausbesserungsarbeiten wie Türenschleifen und neu streichen stehen Helfer aus dem Verein parat. "Ich hoffe, dass 15 bis 20 Leute kommen", sagt Clemens Weisser, am Aschermittwoch soll's in einer konzertierten Aktion losgehen. Aber alles alleine stemmen kann der TV nicht. Sein Schreiben an die Gemeinde habe den deutlichen Hinweis enthalten, dass langfristig der Unterhalt des Gebäudes dem Verein aus eigener Kraft schwer möglich sein werde, berichtet der Vorsitzende.
Der Ruf blieb nicht ungehört. Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) informierte in der jüngsten Gemeinderatssitzung da rüber, dass in einer Verwaltungsausschuss-Sitzung entschieden worden sei, die Sanierung der Angerturnhalle zu unterstützten. Auf Nachfrage erklärte Fischer, dass diese grundsätzliche Zusage Geld und Manpower, sprich: den Einsatz von Gemeindearbeitern, beinhalte. Über die Kostenhöhe gab er nach der nichtöffentlich gefassten Entscheidung keine Auskunft. Die höchste Summe, über die der Verwaltungsausschuss per Beschluss verfügen darf, sind aber 15 000 Euro.
Die Unterstützung ist, wie auch in der Gemeinderatssitzung deutlich wurde, keine Finanzspritze in die Vereinskasse des TV, sondern dient dem Erhalt eines Kulturzentrums.
Die Angerturnhalle mit ihrer außergewöhnlichen Dachform wurde 1922 bis 1925 erbaut. 1924 erhielt der Verein die Konzession zur Schankwirtschaft, ursprünglich gedacht, um die am Bau Beschäftigten zu verpflegen. So jedenfalls hat es der frühere Bürgermeister Herbert Perzel in seiner Ortschronik festgehalten.