Gemeinsam mit den vier Damen vom Salonorchester "Weiße Lilien" gastierte die "gewichtige" Kabarettistin aus der Oberpfalz am Samstagabend im perfekten Ambiente des Kaisersaals.
Die Karten für die Veranstaltung der Kulturinitiative Staffelstein waren schon lange ausverkauft. Für alle, die leer ausgingen: Der nächste Auftritt ist an gleicher Stelle am 19. Januar 2013. Wenn es klappt, wird Lizzy Aumeier außerdem im Sommer zu einem Openair der KIS, möglicherweise auch mit Gerhard Polt, wieder da sein.
Wer sie schon einmal erlebt hat, weiß, dass Lizzy Aumeier sich gern Zuschauer aus den vorderen Reihen "herauspickt" und diese frech mit in das Geschehen einbindet. Diesmal, beim Programm "Märchenhaft", erwischte es vor allem den 15-jährigen Valentin aus Weismain, der "leider noch unter Jugendschutz" fiel. Er war kein Spielverderber und ließ sich sogar ein knallrotes Lippenstift-Küsschen gefallen, mit dem er unter tosendem Gelächter und Applaus aus der Garderobentür herauskam, als alle nach der Pause wieder auf ihren Plätzen saßen.
Als selbst ernannte "Oberhexe" lud Lizzy Aumeier das Publikum zum Beispiel zum heiteren Märchenraten ein: "Blick in den Ofen täuscht kannibalistische Rentnerin" (=Hänsel und Gretel), "Chirurgischer Eingriff rettet Menschenleben" (=Rotkäppchen). Köstlich war auch das Rollenspiel rund um die Rotkäppchen-Geschichte, wobei Lizzy Aumeier den feministisch-sozialkritischen Part hatte und erklärte, was Rotkäppchen ja eigentlich meinte. Fazit: "Sie leben jetzt glücklich in einer WG in der Oberpfalz, wo sonst? Und Rotkäppchen entwickelt sich prächtig."
Die wirklich wichtigen Dinge hätten sich Frauen ausgedacht (Bier, Scheibenwischer, Wegwerfwindeln...), die leider alternativlosen Männer aber auch viele bedeutende Sachen (Atombombe, Zölibat, Viagra...) entwickelt, will sie ja nicht als männerfeindlich gelten. Die tollsten Erfindungen aber kämen aus der Oberpfalz und die sind bei Lizzy Aumeier durchwegs kulinarischer Natur, angefangen beim Schweinebraten und -haxen und Sauerbraten bis hin zur Linzer Torte. Die rechnet sie dazu, das sei quasi ein Vorort ihres Geburtsorts Neumarkt.
Die Oberpfalz muss sich auch an diesem Abend allerhand gefallen lassen. "Was ist der Unterschied zwischen Russen und der Oberpfalz? Die Russen haben Sympathisanten", spottete die langjährige Bühnenkollegin Tatjana Shapiro am Flügel. Die darf das dank ihrer ukrainischen Herkunft.
An spritzigen Ideen und Sprücheklopferei auf hohem Niveau mangelte es wahrhaft nicht und die Grimassen tun bei Lizzy Aumeier ihr Übriges. Sie stellte stolz ihr Ensemble vor. Flötistin Christina Anders sei allerdings "zu jung und zu dünn". Irene von Fritsch spielte das Cello, sie stammt aus dem Erlanger Raum. Svetlana Klimova war klasse, sie hat Violine an der Musikhochschule in Moskau studiert und war dort bei den Symphonikern sogar Konzertmeisterin. Doch auch Lizzy Aumeier sollte gewürdigt werden, genauso wenig bierernst. Als Salonorchester, so die Baronesse von Fritsch mit gnädigem Tonfall, sehe man es als seine Aufgabe an, sich um Mitbürger aus der Oberpfalz zu kümmern.
Bei Lizzy Aumeier handle es sich um einen besonders schwer vermittelbaren Fall und das Instrument Kontrabass, das sei ja ganz hübsch. Es war, wie nicht anders zu erwarten die augenzwinkernde Mischung aus Kabarett und schwungsvollen Klassikern der Salon-Musik.