Was passiert denn da auf dem Baur-Parkplatz an einem Tag, an dem nicht gearbeitet wird? Das haben sich sicherlich viele Vorbeikommende gefragt. Obwohl sich dort 20 Motorradfahrer mit ihren alten MZ-Maschinen positioniert hatten, war es bei leibe kein Oldtimertreffen.

Bei näherem Hinhören bemerkte man einen anderen Motorensound als gewöhnlich, und auch der Geruch der Auspuffanlagen der Zwei-Takt-Boxermotoren erinnerte an längst vergangene Zeiten.


Schmuckstücke auf zwei und drei Rädern


Die MZ sind in Deutschland die am meisten bewegten Motorradoldtimer. Einige stolze Besitzer hatten sich zu einem Fahrsicherheitstraining mit ihren zwei- und dreirädrigen Schmuckstücken eingefunden. Sie kamen aus dem ganzen Bundesgebiet.

Möglich gemacht hatte diese Veranstaltung Thomas Ruch aus Burgkunstadt, selbst stolzer Besitzer eines alten MZ-Motorrads. In der sächsischen Stadt Zschopau und im Nachbarort Hohndorf wurden ab 1922 Motorräder gebaut. Bekanntheit erlangten die Hersteller ab 1952 unter dem Kürzel MZ. Das Kürzel steht für VEB Motorradwerk Zschopau. Seit 2009 heißt der Betrieb Motorenwerke Zschopau GmbH.


Das erste Motorrrad-Fließband der Welt


In Zschopau stand das erste Motorrad-Fließband der Welt. Bis zur Wende 1989 gehörte MZ zu den größten Motorradherstellern der Welt. Zum 1. Januar 2016 waren in Deutschland 85 240 MZ-Krafträder zugelassen, was einem Anteil von zwei Prozent entspricht. Seit geraumer gibt es ein weltweites MZ-Internetforum das jedoch nur von Besitzern solcher Maschinen genutzt werden kann. Hauptgrund ist sicherlich, dass kaum mehr Ersatzteile zu bekommen sind.

Gunter Six ist nicht nur ausgebildeter Motorrad-Sicherheitstrainer, sondern auch großer MZ-Fan und Ersatzteillieferant. "Dies hier ist keine Show, sondern absolutes Sicherheitstraining", erklärte Thomas Ruch, als die Teilnehmer mit ihren Beiwagen über eine Rampe fahren mussten und Gunter Six sofort Verbesserungsvorschläge kundtat.


Finesse und Fahrkunst gefragt


Als "Badewannen" bezeichnen die Besitzer liebevoll ihre Beiwagen. Was bei den heutigen Motorrädern an Technik besonders im Bremssystem vorhanden ist, muss man mit einer Maschine aus den 50er Jahren mit Finesse, Geschick und Fahrkunst ausgleichen können.

Aber auch Verhaltensweisen nach einem Unfall wurden durchgespielt. Wie nimmt man einen Verunglückten den Helm ab oder bringt ihn in die stabile Seitenlage? Ein derartiges Fahrsicherheitstrainig wird in ganz Deutschland durchgeführt. Wenn man in diesen Fragen fit ist, macht es unglaublich viel Spaß, mit den alten Maschinen zu fahren. Und auch ein reger Wissensaustausch führt zu besseren Fahrverhalten.

Auch das Fachsimpeln über mögliche neue Teile für die Motorräder gehört natürlich zu einem derartigen Treffen.