Als gesundes und hochwertiges Getränk für jedermann soll Milch am heutigen Weltmilchtag beworben werden. Während die Produktionsstandards in Deutschland weiterhin gleichbleibend auf einem hohen Niveau bleiben, befinden sich die Milchpreise aktuell im Sinkflug. Bei Marktführer Aldi kostet der Liter Milch aktuell nur noch 55 Cent, auch die Preise von anderen Molkereiprodukten wurden teilweise um bis zu zehn Prozent gesenkt. Gut für den Verbraucher, besorgniserregend für die heimischen Landwirte. Die bekommen derzeit für das Kilo Milch nur noch knapp über 30 Cent von den Molkereien. "Das tut schon etwas weh. Man muss versuchen durch mehr Technik und größere Einheiten das Produkt immer günstiger zu erzeugen", erklärt Rudi Steuer, Landwirt aus dem Burgkunstadter Ortsteil Hainzendorf.

Mit der Abschaffung der europaweiten Milchquote vor zwei Monaten hat sich die Preissituation für Landwirte weiter verschärft. Nachdem die Menge der produzierten Milch für 31 Jahre reglementiert war, können Milchbauern seit dem 1. April theoretisch so viel Milch erzeugen, wie sie möchten. Die langfristigen Auswirkungen dieser neuen Maßnahme seien laut Rudi Steuer noch nicht absehbar: "Es gibt Argumente für und gegen die Milchquote. Es wurde politisch beschlossen und jetzt müssen sich die einzelnen Betriebe irgendwie darauf einstellen", sagt er. Der Landwirt rechnet damit, dass die Preisschwankungen in Zukunft noch heftiger werden. Sollte der Milchpreis sogar unter 30 Cent fallen, werde die Erzeugung für die meisten Milchbauern aber unrentabel. Entscheidend sei vor allem eine positive Entwicklung der internationalen Absatzmärkte. "Die Probleme mit Russland und der Ukraine bremsen das Ganze, dazu ist auch der Markt in China nicht mehr so gut, wie er einmal war", erklärt Rudi Steuer.

Um sich nicht komplett abhängig von den schwankenden Milchpreisen zu machen, versucht sich Rudi Steuer mit seinem Hof sehr vielseitig aufzustellen. Neben seinen Milchkühen, bewirtschaftet er Ackerflächen auf rund 130 Hektar und setzt darüber hinaus mit Photovoltaik auf Dächern und einer Biogasanlage stark auf den Sektor der Erneuerbaren Energien.
Auswirkungen auf die tägliche Arbeit von Rudi Steuer hat der Wegfall der Milchquote bisher noch nicht. Sein Stall sei mit rund 65 Milchkühen gut ausgelastet, eine Steigerung der Produktion aus Kapazitätsgründen daher kaum möglich.

Bei einer durchschnittlichen täglichen Milchleistung von 27 Kilo Milch pro Kuh, ergibt sich eine Tagesproduktion von rund 1500 Kilo Milch. Was auf dem ersten Blick auch bei einem Milchpreis von 30 Cent noch stattlich klingt, wird durch stetig steigende Nebenkosten schnell revidiert. Für einen Außenstehenden sei es schwer nachzuvollziehen, wie viel Geld täglich für Futter und Energiekosten ausgegeben werden müsse, so Steuer.
Dazu kommen technische Großinvestitionen wie ein Melkroboter, den sich der 60-jährige Landwirt im letzten Jahr geleistet hat. Die Anschaffung der über 150 000 Euro teuren Maschine musste sich Rudi Steuer dabei gut überlegen. "Solche Investitionen sind immer ein Risiko. Aber die Landwirtschaft ist heutzutage eine hoch entwickelte Branche, da wäre Stillstand tödlich", sagt er. Dass seine 27-jährige Tochter Anna bereits auf dem Hof mitarbeite, erleichterte die Entscheidung für den Kauf der Maschine zusätzlich.


Mehr Kontrollen durch Roboter

Durch den neuen Roboter werde laut Steuer sowohl die Arbeitsbelastung des Melkers reduziert, als auch die Milchqualität und Tiergesundheit durch ständige Kontrollen sichergestellt. Der Bauer betont aber auch, dass ein solcher Roboter keinesfalls von alleine laufe. "Das Ganze wird nicht funktionieren, wenn jemand keine Freude an der Arbeit am PC hat", erklärt der technikbegeisterte 60-Jährige. Mithilfe eines Computerprogramms und einer App kann Steuer jederzeit alle wichtigen Daten seiner Milchkühe einsehen und auf etwaige Unregelmäßigkeiten sofort reagieren.

Und das Melken selbst erledige der Roboter mindestens genauso gut und zuverlässig wie die Menschenhand, erklärt Rudi Steuer und fügt schmunzelnd hinzu: "Und Schläge hält die Maschine auch noch besser aus."


Aktionstage am 1. Juni

Weltbauerntag
Der Tag wurde im Jahr 2002 zum ersten Mal von der UNESCO und der UNO ausgerufen. Der Weltbauerntag soll auf die rund 2,6 Milliarden Menschen aufmerksam machen, die weltweit in der Landwirtschaft tätig sind.

Weltmilchtag Zum 58. Mal wird in über 30 Ländern für den Konsum von Milch als gesundem Getränk geworben.