Um sieben Meter kürzer ist er geworden und unübersehbar zieren drei große Holztafeln das gute Stück. "Obersdorf 2015" steht darauf und darunter "wer den Brauch nicht ehrt, ist den Maibaum nicht wert." Signiert ist der Stamm mit "Maibaamhunter". Dahinter verbergen sich ein Dutzend junge Kerle, die den Obersdorfern in der Nacht und Nebelaktion ihr gutes Stück entführt haben.
Die "Maibaamhunter" sind "echte Profis", wenn es um die Maibäume der Nachbargemeinden geht. Sie sind schon in der dritten Generation tätig, berich-ten sie nicht ohne Stolz. 13 Bäume in elf Jahren haben sie sich unter den Nagel gerissen und stets das Wahrzeichen pünktlich zurückgeben. Für eine zünftige Brotzeit, versteht sich.

Noch einen Baum gefällt

Doch was das anbelangt, verstehen die Männer aus Obersdorf keinen Spaß. Brauchtum hin oder her, ihr Vorsitzender Thomas Wagner wollte sich nicht auf solche Forderungen einlassen. Dann fällt eben noch ein weiterer Baum, damit Obersdorf pünktlich zum Monatsanfang seinen Maibaum hat.
Dass es auch anders geht, beweisen die Neuensorger. Denn auch sie wurden von den "Maibaamhunters" heimgesucht. "Da wurden wir sehr herzlich aufgenommen. Wir hatten dasselbe gefordert wie in Obersdorf: zehn Liter Bier, eine Brotzeit und einen Kasten Spezi," berichtet Thomas Ruckdäschel. "Die Sorger haben uns sogar noch weiterhin verköstigt, was uns dann bewogen hat, eine Spende von 35 Euro zu machen." So gesehen können solche Maibaumaktionen auch zur "Völkerverständigung" beitragen, auch wenn die Polizei einschreiten muss, wenn sie die Maibaumspitzbuben auf frischer Tat ertappt. So geschehen vor Jahren auf dem Weg von Sonnefeld nach Neuensorg. Aber der Bürgermeister hat damal eine Anzeige abgewendet.
Die Patenschaft für den Obersdorfer Maibaum hat nun die Freiwillige Feuerwehr Michelau übernommen. "Wir wollen den Baum in drei Wochen wieder einlegen und den Baum in zwei Teile teilen, die wir dann auf Facebook für einen guten Zweck versteigern" erklärt Thomas Ruckdäschel abschließend.